Orgelherbst Den Klangreichtum der St. Marien-Orgel vorgeführt

In der katholischen Kirche St. Marien wurde der Orgelherbst mit einem Konzert des Kirchenmusikdirektors Thorsten Konigorski eröffnet.
15.09.2022, 14:22
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Von Günter Matysiak

Was für ein wunderbar beziehungsreiches Programm war das doch, mit der Organist Thorsten Konigorski am Dienstagabend den diesjährigen „Orgelherbst“ in der Kirche St. Marien eingeleitet hat. Konigorski, der in Aachen und Luxemburg Kirchenmusik studierte, war Kantor in Viersen und ist jetzt Referent für Kirchenmusik im Bischöflichen Offizialat in Vechta.  Dieses Jahr wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt,  doch die amtlichen Würden hindern ihn glücklicherweise nicht, mit solchen geistreichen Programmen zu konzertieren. Udo Honnigfort, Dekanatskantor und Kantor an St. Marien, konnte leider nur zwanzig Zuhörer in seiner Kirche begrüßen. Die werden ihr Kommen nicht bedauert haben

Der einstündige Abend begann mit Jan Pieterszoon Swelincks Liedvariation „Mein junges Leben hat ein End“, die man sich auch als Cembalowerk vorstellen kann. Nach der sehr sanglich formulierten Themenvorstellung ließ Konigorski das reiche Figurenwerk der Variationen  mit duftigem non-Legato-Spiel ganz transparent funkeln bis hin zu den ruhig ausschwingenden Flötenregistern des Schlusses. Sweelincks Variationen muten manchmal fast klassisch, mozartisch an und wiesen vorweg auf Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate g-Moll. Thorsten Konigorski gab ihrem Charakter der klassischen Klaviersonate mit ihren dynamischen Kontrasten, effektvollen Pausen, akkordisch begleiteten Solostimmen, virtuosen Tonleiterpartien denn auch markante Konturen.

Das „Kyrie“ aus der Messe in d-Moll des französischen Barockkomponisten André Raison bot in seinen fünf Teilen mit ihren Registerhinweisen schönste Gelegenheit den Klangreichtum der St. Marien-Orgel zu demonstrieren. Und hier erklingt im „Trio en passacaille“ das gleiche Thema, das Johann Sebastian Bach in seiner c-Moll Passacaglia BWV 582 verwendet hat, die am Ende des Programms stand. Die Passacaglia, diese Variationsform über einer gleichbleibenden Bass-Melodie, bildete damit den roten Faden dieser Orgelmusik von den Sweelinck-Variationen über das Raison-Trio hin zu der „Ciaconne“ Dietrich Buxtehudes, die Konigorski aus einer ruhigen Grundstimmung in immer bewegtere Ausdrucksbereiche führte. Eine wie aus einem Urgrund sich aufbauende Form hatte auch die Musik des französischen Komponisten Jean Langlais (1907-1991), der die kontrapunktische Moderne ins Programm brachte, der Konigorski mit filigranem Spiel nachspürte.

Bachs „Passacaglia und Fuge“ war dann der  Höhepunkt dieser Orgelmusik. Thorsten Konigorski schuf ein monumentales Klanggebäude über dem majestätischen Bassthema. Er ließ die Musik wild und feurig  toben bis hin zu der abrupten, hochgespannten Pause einige Takte vor ihrem gravitätischem Schluss. Langer Applaus, der auch von nur zwanzig Besuchern begeistert klingen kann.

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