Staatsanwaltschaft ermittelt

Nach Tod eines 19-Jährigen in Delmenhorst: Ursache bleibt ungeklärt

Nach dem Tod eines 19-Jährigen, der nach seiner Festnahme in einem Krankenhaus verstarb, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der unterlassenen Hilfeleistung.
08.04.2021, 16:44
Lesedauer: 3 Min
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Nach Tod eines 19-Jährigen in Delmenhorst: Ursache bleibt ungeklärt
Von Gerwin Möller

Im Zusammenhang mit dem Tod eines 19-jährigen Mannes, der Anfang März nach seiner Festnahme im Gewahrsamsbereich der Polizeiinspektion Delmenhorst zunächst zusammengebrochen und einen Tag später in einem Oldenburger Krankenhaus verstorben war (wir berichteten), ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Die Familie des Verstorbenen hatte Strafanzeige gegen sämtliche an dem Einsatz beteiligten Polizeibeamten und Rettungssanitäter wegen aller in Betracht kommenden Delikte erstattet.

Das Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der unterlassenen Hilfeleistung, soll Aufklärung über die Umstände des Todes des 19-Jährigen bringen. „Unabhängig davon wurden und werden die Umstände, die zu dem Ableben des 19-Jährigen führten, aber auch von Amts wegen aufgeklärt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg, Matthias Rennecke. Belastbare Hinweise darauf, dass der Eintritt des Todes fremdverursacht war, haben sich seinen Angaben zufolge bislang nicht ergeben.

Das Protokoll der rechtsmedizinischen Untersuchung liegt der Staatsanwaltschaft seit diesem Donnerstag vor. Daraus ergibt sich im Wesentlichen, dass der junge Mann an einem Multiorganversagen verstorben ist, die Ursache dafür ist noch ungeklärt. „Es konnte dem Bericht zufolge eine massive Einblutung in den gesamten Gastrointestinaltrakt mit erosiver oder nekrotischer Auflösung der Schleimhaut festgestellt werden“, berichtete Rennecke. Auch der Inhalt des Verdauungskanals habe Auffälligkeiten aufgewiesen, sodass eine Vergiftung mit Fremdsubstanzen als Todesursache in Betracht zu ziehen sei. Beide Lungen seien zudem maximal blutig-wässrig eingelagert gewesen, sodass auch akutes Lungenversagen vorliegen könnte.
„Aus rechtsmedizinischer Sicht sind zur weiteren Aufklärung weitere toxikologische, mikrobiologische und neuropathologische Untersuchungen angezeigt“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Diese habe man bereits in Auftrag gegeben. Die Untersuchungen seien umfangreich, nicht zu beschleunigen und dauerten aktuell noch an.

„Im Rahmen der äußeren Leichenschau konnten bei dem Verstorbenen auch Verletzungen in Form von Einblutungen am Kopf sowie Verletzungen im Bereich des Kinns und der Wange festgestellt werden“, so Rennecke. Diese ließen sich mit der körperlichen Auseinandersetzung mit den eingesetzten Beamten in Einklang bringen. Schädel, Schädelbasis sowie Genick seien jedoch unversehrt. Dem Untersuchungsbericht zufolge erscheinen diese Befunde im Hinblick auf die Todesursache jedoch nicht relevant. Hinweise auf massive stumpfe Gewalt gegen den Kopf oder Körper hätten sich nicht ergeben.

„Es ist bei der derzeit noch nicht vollständigen Erkenntnislage schlichtweg nicht möglich, eine hinreichend fundierte Aussage über die Todesursache des jungen Mannes zu treffen“, sagte Rennecke. Mutmaßungen werde die Staatsanwaltschaft Oldenburg insoweit nicht anstellen.

Ob und in welcher Form den Beschuldigten schlussendlich ein strafrechtlich relevanter Vorwurf zu machen sei, sei unter anderem auch von dem Ausgang der weiteren Untersuchungen abhängig. Das große öffentliche und mediale Interesse sei der Staatsanwaltschaft bewusst. Mit Blick auf die noch andauernden Ermittlungen und zur Wahrung der postmortalen Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen könnten derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.

Nach dem tragischen Ereignis Anfang März sah sich die Polizei mit zum Teil drastischen Beleidigungen und haltlosen Vorwürfen konfrontiert (wir berichteten). Im Netz soll unter Bezugnahme auf den Vorfall in Delmenhorst auch eine Fotomontage aufgetaucht sein. Darauf wurde die Polizei mit der Schutzstaffel (SS) der Nationalsozialisten verglichen. Ferner wurde in mehreren Kommentaren die Unterstellung geäußert, dass es im Gewahrsamsbereich der Delmenhorster Polizei regelmäßig zu Gewaltanwendungen von Polizisten gegen dort festgenommene Personen komme.

Am Ostersonnabend hatte es auf dem Rathausplatz eine Trauerkundgebung für den zu Tode gekommenen 19-Jährigen gegeben, an der bis zu 230 Menschen zusammenkamen, um Blumen und Kerzen abzulegen, Musik zu spielen und Redebeiträgen zuzuhören.

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