Bauvorhaben Hallenneubau verzögert sich weiter

Für den Neubau der Stadionhalle in Delmenhorst ist bis heute keine Baugenehmigung erteilt worden. Beim symbolischen Spatenstich vor einem Jahr war von der Eröffnung Ende 2022 ausgegangen worden.
22.09.2022, 18:00
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Hallenneubau verzögert sich weiter
Von Tobias Hensel
Inhaltsverzeichnis

Eigentlich sollte der Neubau der Stadionhalle mittlerweile auf der Zielgeraden sein. Beim symbolischen Spatenstich im Oktober vergangenen Jahres war von einer Eröffnung gegen Ende 2022 die Rede. Doch die Realität ist eine andere, der Platz sechs am Stadion an der Düsternortstraße ist noch immer ein Fußballplatz, als wüsste er noch nicht, dass seine letzte Stunde schon vor Längerem geschlagen hat. Dass der Zeitplan nicht einzuhalten sein wird, hatte die Stadtverwaltung bereits im vergangenen April verkündet. Doch seitdem scheint sich nichts getan zu haben, die Stadt wartet noch immer auf ein Gutachten zum Lärmschutz, wie sie unserer Redaktion auf Nachfrage mitteilt. Unterdessen macht Murat Kalmis, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion, Druck und fordert die Oberbürgermeisterin Petra Gerlach (CDU) auf, die Stadionhalle zur Chefinnensache zu machen. Denn die Lage ist auch innerhalb des Rathauses verzwickt: Einerseits ist die Stadt Bauherrin, andererseits ist sie Genehmigungsbehörde. Zwischen den Gängen im Rathaus können Welten liegen. Doch wie konnte es dazu kommen?

1. Der ambitionierte Zeitplan

"Der damals vorliegende Zeitplan war sehr ambitioniert und ist von einem Idealverlauf ausgegangen", schreibt die Stadtverwaltung und räumt ein, dass bestehender Abstimmungs- und Änderungsbedarf in den Planungsleistungen die Verzögerung erklärbar mache. Kristof Ogonovski, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat, sagt: "Damals wurde den Leuten Sand in die Augen gestreut." Die Verzögerungen seien mehr als misslich, meint er und vermutet, dass schon vor einem Jahr klar gewesen sein muss, dass es zu Verzögerungen kommen werde. Gerade deshalb seien die Verzögerungen schwer vermittelbar, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Mittag, der zudem beklagt, dass sich die Verwaltung auch gegenüber den Ratsmitgliedern in der Sache außergewöhnlich bedeckt halte.

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2. Die Sache mit dem Lärmschutz

Bereits vor einem Jahr war hinter vorgehaltener Hand zu hören, der Lärmschutz könnte für die Nachnutzung der alten Stadionhalle ein Problem werden. Denn nach heute gültigen Maßstäben wäre die alte Stadionhalle, direkt an die Wohnbebauung der Düsternortstraße angrenzend, wohl nicht mehr genehmigungsfähig. Die Stadtverwaltung geht allerdings davon aus, dass der Lärmschutz beim Neubau kein Problem darstellen werde: "Da es sich bei der geplanten neuen Halle um einen Ersatzbau handelt und die jetzige Stadionhalle nur unweit entfernt ist, muss seitens des Fachbereichs Gebäudemanagement von einer Genehmigungsfähigkeit ausgegangen werden." Anfangs war als Standort der Schlackeplatz zwischen Bahnstrecke und der Straße Am Stadion anvisiert worden, der aber aus Lärmschutzgründen schon nicht infrage kam. So fiel die Wahl auf den Fußballplatz gegenüber dem Stadiongebäude und neben der Weitsprunganlage. Dass das Lärmschutzgutachten noch immer nicht vorliegt, könnte demnach mit der komplizierten Gemengelage zwischen Bestandsschutz und heutigen Maßstäben zusammenhängen. Oder doch nur mit der in Delmenhorst sprichwörtlich gewordenen Arbeitsbelastung: "Ich vermute, die Projekte in der Innenstadt haben in den letzten Monaten das gesamte Bauamt in Beschlag genommen, weil für Fördergelder Fristen eingehalten werden mussten", sagt Marianne Huismann, Fraktionsvorsitzende der Grünen.

3. Die Idee von Planung und Bau aus einer Hand

Als Alt-Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) im vergangenen Jahr die Idee aus dem Hut zauberte, ein Generalunternehmer könne zum Festpreis und kurzer Zeit eine neue Halle errichten, war ihm die Zustimmung der Ratsfraktionen schnell sicher. Planungssicherheit und die Erfahrung der Huder Firma Mehrings, die schon mehrere Dutzend Sporthallen schlüsselfertig übergeben hatte, sprachen damals dafür, dass nicht die Stadt eigenständig als Bauherrin auftritt, sondern sich externe Hilfe holt. Insofern war der symbolische Spatenstich vom 20. Oktober vergangenen Jahres, wenn auch ambitioniert, wohl dennoch nicht unrealistisch, ist Jürgen Janßen, Vorsitzender der Handballspielgemeinschaft Delmenhorst (HSG), überzeugt.

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Auch Antje Beilemann, Vorsitzende des Stadtsportbundes, hat Mühe mit dem entglittenen Zeitplan. In einem Gespräch zwischen Vertretern der Stadtverwaltung und der Sportvereine am vergangenen Montag sei allerdings schon mal über die Detailplanung, über Lagerräume und Fußbodenbeschaffenheit gesprochen worden, so Beilemann.

4. Die steigenden Kosten

Nicht nur wegen der Verzögerungen steigt der Druck, bald mit dem Bau zu beginnen. Annika Mönnekes von der beauftragten Baufirma Mehrings hofft, dass sie überhaupt noch genügend Baustoffe bekommt, um die Halle emporwachsen zu lassen. Das Material ist knapp und die Kosten zunächst durch Corona ohnehin schon gestiegen, jetzt durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine massiv teurer geworden. Vor einem Jahr war mit Baukosten von etwa sechs Millionen Euro kalkuliert worden. Zudem stand neben dem Zeitplan auch eine detaillierte Kostenplanung, die unterdessen ebenfalls Makulatur geworden sein sollte.

Die Teuerungen belasten das Rathaus auch über die neue Halle hinaus: "Ich mache mir Sorgen, dass uns der Stadthaushalt abschmiert", sagt Huismann. Denn einerseits steigen auch die Heizkosten für die städtischen Liegenschaften und andererseits laufen Förderungen aus. Zudem würden die Schlüsselzuweisungen des Landes aus der Wirtschaftskraft der zwei vorherigen Jahre berechnet, da ging es Delmenhorst finanziell gut, jetzt kommt alles aufs Mal.

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