Schlechte Nachrichten zum 100. Geburtstag Stadt stellt Wasserversorgung um: Hat der Wasserturm ausgedient?

Delmenhorst. Ausgerechnet im Jahr seines 100-jährigen Bestehens könnte der Wasserturm seine Funktion verlieren. Die Stadtwerke (SWD) stellen die Wasserversorgung um, der Wasserturm - Wahrzeichen dieser Stadt - hat dann als Druckgeber ausgedient.
31.01.2010, 18:11
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Stadt stellt Wasserversorgung um: Hat der Wasserturm ausgedient?
Von Kai Purschke

Delmenhorst. Ausgerechnet im Jahr seines 100-jährigen Bestehens, am 30. April dieses Jahres feiert das Bauwerk seinen Geburtstag, könnte der Wasserturm seine Funktion verlieren. Die Stadtwerke (SWD) stellen nämlich die Wasserversorgung um, der Wasserturm - Wahrzeichen dieser Stadt - hat dann als Druckgeber ausgedient. Die bis zu 500 Kubikmeter Wasser, die sich ganz oben in einem Tank befinden, würden ins Netz geleitet. Was bleibt, wäre die 'Touristenattraktion Wasserturm', falls es wegen des veränderten Gewichts keine Probleme mit der Statik gibt.

Die, da legt Stadtsprecher Timo Frers sich fest, soll noch in diesem Jahr mit Hilfe eines Gutachtens geprüft werden. Was nur dann Sinn machen dürfte, wenn es veränderte Statik-Verhältnisse zu überprüfen gibt. Sprich: Wenn das Wasser raus ist. Aber Frers verweist in der Frage, wann genau der Wasserturm außer Betrieb genommen wird, an die Stadtwerke Delmenhorst (SWD), die Pächter des Turms sind. Frers: 'Der Zeitpunkt hängt davon ab, wann die neue Infrastruktur der SWD funktioniert.'

Stadtwerke-Sprecherin Britta Fengler sagte jetzt, dass der Wasserturm noch als Druckgeber und Speicher diene. 'Er wird außer Betrieb genommen, weil wir in Zusammenhang mit der Modernisierung der Wasserversorgung den Netzdruck erhöhen und der Wasserturm diesem nicht standhalten könnte. Den genauen Zeitpunkt können wir nicht nennen.' Dass zumindest angedacht war, den Turm ausgerechnet in seinem Jubiläumsjahr vom Netz zu nehmen, hatte Britta Fengler im September vergangenen Jahres nach dem Veolia-Großbrand in der Steller Straße erklärt.

Denn sie hatte angekündigt, dass der Druck durch die Erweiterung des Wasserwerks Annenheide, die Abschaltung des Graftwasserwerks und die Kooperation mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) bis spätestens Ende 2010 durchschnittlich um 0,3 bis 0,5 bar steigen werde. Nach Angaben der Stadtwerke, die mit der Stadt einen Nutzungsvertrag für den Wasserturm geschlossen haben, könne dieser jederzeit gekündigt werden. Etwa 26000 Euro pro Jahr überweisen die SWD der Stadt Delmenhorst für die Nutzung.

Die Stadtwerke nutzen den Turm zwar, können aber laut Fengler keinerlei Angaben zu dessen Bausubstanz und zum Zustand der Nebengebäude machen. Rathaussprecher Frers erklärt: 'Der Außenzustand ist gut, die Fassade ist 2002/2003 komplett überarbeitet worden.' Zudem habe der Turm ein neues Kupferdach erhalten. Den Zustand der Innenräume bezeichnet Frers als 'in Ordnung'. Die Bausubstanz sei nicht gefährdet. Frers: 'Es gibt keine zeitliche Not, also auch keinen akuten Handlungsbedarf.' Nach Informationen unserer Zeitung haben innen an einigen Stellen der Zahn der Zeit und die Luftfeuchtigkeit an der Bausubstanz genagt. Abgebröckelter Putz, Schimmel sowie brüchiges Holz an den Fensterrahmen sollen das Bild in Räumen bestimmen, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Wenn der Wasserturm außer Betrieb ist, müssen Verwaltung und Politik überlegen, was mit dem Stoffregen-Bau geschehen soll. Um etwaige Schäden reparieren zu lassen, müssten die Fraktionen Haushaltsmittel anmelden, die - das verrät der Blick auf die kaputten Innenwände - bisher offenbar nicht über waren. Dazu kommt die Tatsache, dass die Stadt bekanntlich eine Menge Schulden an der Backe hat. Und dennoch müsste sie investieren, um den Turm zu erhalten. Denn wie Angelika Geiger vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege erklärt, besteht für den Wasserturm eine Erhaltspflicht. 'Und wir sehen es gerne, wenn die alte Technik soweit wie möglich darin enthalten bleibt', sagt sie. Das aber liege im Ermessen der Stadt Delmenhorst.

Seit Sommer vergangenen Jahres ist das Stadtmarketing fürs Auf- und Abschließen des Turms zuständig. Das erklärte auf Nachfrage, dass seit August 2009 rund 150 Menschen die 200 Stufen bis zur Aussichtsplattform in Angriff genommen hätten. Das Stadtmarketing schätzt, dass jährlich etwa 250 Besucher den Weg nach oben antreten.

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