Gasantrieb macht sich bezahlt Stadtwerke, Verwaltung und Einrichtungen rüsten ihre Fahrzeuge um

Delmenhorst. Die Stadtwerke machen es vor, die Stadt hat auch schon damit angefangen und jetzt ist ihr unter anderem die Arbeiterwohlfahrt (Awo) gefolgt: Immer mehr Institutionen und Bürger verabschieden sich vom Benzin und rüsten auf Gas um.
08.02.2010, 05:53
Lesedauer: 2 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Die Stadtwerke machen es vor, die Stadt hat auch schon damit angefangen und jetzt ist ihr unter anderem die Arbeiterwohlfahrt (Awo) gefolgt: Immer mehr Institutionen und Bürger verabschieden sich vom Benzin, sie geben im wahrsten Sinne des Wortes Gas - mit Pkw-Umrüstungen auf Autogas oder Erdgas. Die Investition rechnet sich vor allem für Vielfahrer recht schnell; zudem stoßen Gasautos deutlich weniger Treibhausgase in die Luft als Benziner.

Wobei es der Awo gar nicht nur um die ökologische Bilanz des Unternehmens geht. 'Wir müssen auch an die Wirtschaftlichkeit denken', sagt Awo-Geschäftsführer Frank Oestermann. Es werde genau durchgerechnet, ob sich eine Nachrüstung auf Autogas für jeden Wagen lohne, denn immerhin kostet der nachträgliche Einbau eines Gastanks bis zu 3000 Euro. Und auch wenn man sagen kann, dass Autofahrer bei den bis 2018 steuerbegünstigten Preisen für Auto- und Erdgas zirka für die Hälfte fahren, muss man schon einige Kilometer pro Jahr unterwegs sein, bis sich die Investition rechnet. Die Awo hat deswegen erstmal nur die zwei Wagen der vielfahrenden Kollegen, die Patienten in Harpstedt oder Wildeshausen betreuen, umgerüstet.

Angesichts hoher Spritpreise ist das Interesse an einer Umrüstung hoch. 'Wobei wir in den vergangenen Jahren auf dem gleichen Niveau geblieben sind', sagt Andreas Vogelsang, Leiter der TÜV-Station Delmenhorst. Tankstellen-Riese Aral kündigte in der vergangenen Woche an, die Zahl seiner Autogas-Zapfsäulen zu verdoppeln, dafür nimmt das Unternehmen 9,5 Millionen Euro in die Hand. Laut Schätzung der BP-Tochter fahren in Deutschland bereits 380000 Fahrzeuge mit Autogas, Tendenz steigend.

'Beim Nachrüsten hat Autogas einen Vorteil', erklärt ADAC-Sprecher Nils Linge: 'Man braucht weniger Platz.' Der Autogas-Tank kann bei den meisten Wagen in der Reserveradmulde verschwinden. Erdgas dagegen braucht drei Flaschentanks, die im Auto verstaut werden müssen; das geht zu Lasten des Platzes im Kofferraum. Ansonsten rät der Automobilclub bei der Umrüstung vor allem auf Praktisches zu achten: 'Man sollte zum Beispiel gucken, welches Gas an der Tankstelle um die Ecke verkauft wird', sagt Linge. Und was die Tankstellen zu bieten haben, die auf dem Weg zur Arbeit liegen.

Wichtig ist auch: Es können lediglich Benziner umgerüstet werden. Und man sollte einen Umbau in einer entsprechend zertifizierten Werkstatt durchführen lassen, betont TÜV-Mann Andreas Vogelsang. In den Tests des ADAC hat Erdgas immer noch einen Tick besser als Autogas bei den Spar- und Umwelteffekten abgeschnitten. Aber: Das Erdgasnetz an Tankstellen ist noch deutlich schwächer ausgebaut als das mittlerweile flächendeckende Autogas-Netz - da jedoch bei Nachrüstungen der Benzintank immer erhalten bleibt (und Neuwagen auch einen kleinen Not-Benzintank haben), ist die Gefahr gering, liegen zu bleiben. Reizvoll an Erdgas ist im Raum Weser-Ems, dass der Energieversorger EWE Neuwagen und Nachrüstungen mit bis zu 1250 Euro fördert.

'Wir haben mittlerweile sechs Fahrzeuge der Stadt, also rund ein Drittel, auf Erdgas umgerüstet; auch der Dienstwagen des Oberbürgermeisters fährt mit Gas', erzählt Stadtsprecher Timo Frers. Die Stadtwerke haben ebenfalls alle ihre Benziner umgerüstet, was sich deutlich an den Ausgaben für Kraftstoff bemerkbar gemacht hat. An eine Umstellung der Müllwagen der ADG und der Delbus-Flotte ist noch nicht gedacht - wobei Städte wie Oldenburg vormachen, dass es geht: Viele Stadtbusse fahren schon mit Erdgas, bis 2016 soll die gesamte Flotte umgestellt sein.

Hilfe bei der Tankstellensuche bietet die Seite www.gas-tankstellen.de

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