Naturschutzverbände und -vereine wünschen sich einen Öko-Fachbereich und die Berufung eines eigenen Beirats Stärker auf Umweltthemen konzentrieren

Delmenhorst. Die Stadt könnte mehr Umweltschutz vertragen. Das finden zumindest die Vereine und Verbände, die sich intensiv mit Natur- und Klimaschutz in Delmenhorst beschäftigen. Damit das Thema tatsächlich kompetent umgesetzt wird, fordern sie zum einen die Einrichtung eines eigenständigen Fachbereichs "Umwelt- und Naturschutz" in der Verwaltung. Und zum anderen, als etwas kleinere Maßnahme, mehr Beteiligung durch die Gründung eines ,Beirats zur Erhaltung und Entwicklung des öffentlichen Grüns'.
03.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Die Stadt könnte mehr Umweltschutz vertragen. Das finden zumindest die Vereine und Verbände, die sich intensiv mit Natur- und Klimaschutz in Delmenhorst beschäftigen. Damit das Thema tatsächlich kompetent umgesetzt wird, fordern sie zum einen die Einrichtung eines eigenständigen Fachbereichs "Umwelt- und Naturschutz" in der Verwaltung. Und zum anderen, als etwas kleinere Maßnahme, mehr Beteiligung durch die Gründung eines ,Beirats zur Erhaltung und Entwicklung des öffentlichen Grüns'.

Der Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Fischereiverein, die Jägerschaft und der Tierschutzverein (TSV) haben sich für diese Forderungen zusammengeschlossen, auch um vor der Wahl die Politik noch einmal für die Belange der Umwelt zu sensibilisieren. Und zumindest die Forderung nach dem Beirat könnte schon in der kommenden Ratsperiode umgesetzt werden. Die fünf Verbände wollen so als unabhängige Berater der Stadt fungieren und dazu beitragen, dass es nicht immer wieder zu heftigen Bürgerprotesten bei Baumfällungen kommt, wie zum Beispiel am Hasportsee.

Im Grunde steckt dahinter ein Modell, wie es in Göttingen bereits praktiziert wird (der DELMENHORSTER KURIER berichtete). Auch dort gab es immer wieder Ärger, wenn Bäume gefällt werden mussten, weil Bürger anderer Meinung als die Verwaltung waren. Aufgabe des Beirats wäre es zu gucken, welche Bäume die Stadt fällen und wo sie im öffentlichen Grün etwas verändern möchte. Die Beiratsmitglieder geben dann ebenfalls eine Expertise ab, ob Bäume nicht zum Beispiel doch erhalten bleiben können oder ob ein Beschnitt nicht auch ausreichend wäre. In den entsprechenden Einzelfällen sollen betroffene Bürger in die Beratungen mit einbezogen werden, um so auch die Akzeptanz unter den Anwohnern zu erhöhen.

"Es geht uns darum, die öffentlichen Grünflächen, Wälder und Flächen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft in der Stadt Delmenhorst nachhaltig in ihrem Bestand zu erhalten, zu verbessern und möglichst schonend zu pflegen", erklären die Verbände. Um das zu erreichen, soll die Verwaltung den Beirat "jeweils bis zum 30. September des Jahres ausführlich mit Lageplan informieren, wo und warum welche Pflegemaßnahmen oder Fällungen stattfinden sollen". Dieser Vorstoß könnte auch deswegen Erfolg haben, weil Oberbürgermeister Patrick de La Lanne nach den Streitereien um die Bäume am Hasportsee angekündigt hatte, die Bürgerbeteiligung zu intensivieren. Seine Verwaltung werde einen Vorschlag erarbeiten, versprach de La Lanne - was sie aber ein halbes Jahr später noch nicht getan hat.

Deutlich schwieriger dürfte es werden, die andere Forderung, die nach einer Verwaltungsreform mit der Einrichtung des neuen Fachbereichs durchzusetzen. Bisher ist es so, dass es den Fachdienst Umwelt gibt, der im Mega-Fachbereich Planen, Bauen, Umweltschutz, Landwirtschaft und Verkehr angesiedelt ist und dort nur ein Thema von vielen ist. "Wir haben seit geraumer Zeit beobachtet, dass der jetzige Fachbereich überfrachtet ist und viele Naturschutzfragen zeitlich oder inhaltlich nicht zufriedenstellend beantwortet werden können."

Der Fachbereich soll natürlich mehr dürfen, als nur Bäume zu schützen. Der Aufgabenbereich soll neben dem Natur- und Landschaftsschutz auch die Themen Artenschutz, Wasser, Boden, Luft- und Lärmschutz, Abfall, Energie sowie ökologische Stadterneuerung umfassen. Gerade vor dem Hintergrund einer energetischen Erneuerung der gesamten Stadt, die wegen des Klimaschutzes dringend angegangen werden muss und die auch große wirtschaftliche Chancen für die Stadt birgt, könnte Delmenhorst mit einem solchen Fachbereich ein grünes Image entwickeln, das auf Betriebe und Familien so attraktiv wirken könnte, dass sie in die Stadt ziehen.

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