DELMENHORST Vor 25 Jahren Stellenabbau bei der Firma Atlas-Weyhausen

Atlas-Weyhausen muss Stellen abbauen und die Stadtverwaltung hat mit Kämmerin Cornelia Heintze erstmals eine Frau unter den Spitzenbeamten. Dies und mehr geschah vor 25 Jahren in Delmenhorst
15.06.2018, 15:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Volkmar Friedrichs

Unter den Spitzenbeamten im Delmenhorster Rathaus, den Dezernenten, befindet sich künftig mit Dr. Cornelia Heintze erstmals eine Frau. Die Politologin wurde während der jüngsten Stadtratssitzung zur neuen Kämmerin gewählt; vorgeschlagen hatten sie die Grünen. Außerdem nominierte der Rat Friedrich Hübner zum Schul- und Kulturdezernenten und Bernd Müller-Eberstein zum neuen Stadtdirektor. Die Neuwahlen waren notwendig geworden, weil innerhalb weniger Monate mit Stadtdirektor Bernd Bramlage und Stadtkämmerer Hermann Stell gleich zwei Spitzenbeamte das Delmenhorster Rathaus verlassen hatten.

Die 40-jährige künftige Delmenhorster Stadtkämmerin Cornelia Heintze stammt aus Baden-Württemberg und war zuletzt wissenschaftliche Mitarbeiterin am Otto-Suhr-Institut in Berlin. Der neue zweite Mann an der Spitze der Stadtverwaltung, der 49 Jahre alte Betriebswirt Bernd Müller-Eberstein, ist als dienstältester Dezernent im Rathaus bereits bestens bekannt. Der Christdemokrat hatte 1985 seinen Dienst in Delmenhorst als Chef der Sozialverwaltung angetreten. Und auch der künftige Schul- und Kulturdezernent Friedrich Hübner ist in Delmenhorst kein Unbekannter: Der 50-jährige Jurist und gebürtige Delmenhorster ist seit einigen Jahren Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Delmenhorst und leitet bisher beruflich das Amt für Stadtentwicklung und Wohnungsförderung in Bremen (16. Juni 1993).


Die in Delmenhorst-Bungerhof beheimatete Firma Atlas-Weyhausen wird kurz- und mittelfristig 450 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Dies sei die Konsequenz der erforderlichen Anpassung an die neuen Marktgegebenheiten, informierte gestern die Geschäftsleitung den Gesamtbetriebsrat. Betroffen sind die Produktionsstätten in Delmenhorst, Ganderkesee, Vechta und Löningen sowie die Hauptverwaltung. Die Weyhausen-Firmengruppe beschäftigt derzeit knapp 2300 Arbeitnehmer. Nach der deutschen Wiedervereinigung hatte für das Unternehmen ein Auftragsboom im Inland eingesetzt, sodass die Firma zur Deckung des Inlandsbedarfs entsprechende Kapazitäten aufbaute. Inzwischen ist aber der Markt für Baumaschinen in den alten und neuen Bundesländern weitgehend gesättigt (17. Juni 1993).


Schülerinnen und Schüler der Höheren Handelsschule an der Richtstraße haben gestern auf dem Schulgelände einen „Baum der Freundschaft“ gepflanzt. Sie wollen damit ein wachsendes Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit setzen. Sie hätten keine Probleme mit ausländischen Mitschülern gehabt, versicherten die Organisatoren. Dies werde hoffentlich auch in den nachfolgenden Klassen so sein (17. Juni 1993).


Aus dem gemeinsam von Bremen und Niedersachsen betriebenen Hanse-Wissenschaftskolleg mit Standort in Delmenhorst wird vorerst nichts. Hannover hat aus finanziellen Gründen abgesagt, und Bremen hatte seine Bereitschaft auf die laufenden Betriebskosten beschränkt, die Startinvestitionen aber ausgeklammert. Oberstadtdirektor Dr. Norbert Boese bedauert diesen Rückschlag im Bemühen der Stadt um die Ansiedlung einer wissenschaftlichen Einrichtung in Delmenhorst. Er hoffe aber, dass das Vorhaben nur vorübergehend auf Eis gelegt sein möge (17. Juni 1993).


Abschied von Delmenhorst: Mit einem feierlichen Appell in der Adelheider Kaserne wurden gestern das Raketenartilleriebataillon 112 sowie die Stabsbatterie und Begleitbatterie des Artillerieregiments 11 außer Dienst gestellt. Außerdem wurde im Rahmen der Zeremonie das Beobachtungsbataillon 113 dem Artillerieregiment 1 in Hannover unterstellt. Generalmajor Karsten Oltmanns, Kommandeur der 11. Panzergrenadierdivision in Oldenburg, zu der das Raketenartilleriebataillon 112 gehört, würdigte in seinem Rückblick auf die 32-jährige Geschichte des Bataillons die Hilfeleistungen der Soldaten bei der Flutkatastrophe von 1962, die Hilfen bei der Aufnahme von Übersiedlern aus Osteuropa und den Beitrag des Bataillons zum Aufbau der Bundeswehr in den neuen Bundesländern (17. Juni 1993).


Sie zeigte mehr Muskeln als Miss Universum – und das reichte: Als strahlende Bodybuilding-Weltmeisterin kehrte Manuela Franz von den Titelkämpfen der „National Amateur Body Building Association“ aus dem neuseeländischen Auckland nach Delmenhorst zurück. Die 22-jährige Steuerfachgehilfin aus der Bremer Straße war vor einem Jahr bereits Europameisterin geworden. In Neuseeland habe sie immer zur amtierenden Weltmeisterin Anita Lorenz geschaut und plötzlich gemerkt, dass sie sogar Miss Universum schlagen könne, berichtete die Delmenhorsterin. Und so kam‘s: „Ich habe von den Preisrichtern fast durchgehend Einsen gekriegt!“ Die 1,60 Meter große Weltmeisterin hat erst 1989 durch ihren Freund Spaß am Bodybuilding bekommen (18. Juni 1993).


Der 14-jährige Ingmar Piglosiewicz aus Hude hat es beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ ganz nach oben aufs Treppchen geschafft und ist von der Endrunde in Darmstadt als Bundessieger seiner Altersklasse zurückgekehrt. Ingmar spielte in der Kategorie „Blasinstrumente solo“ auf der Sopran- und Altblockflöte – und das so gut, dass er unter 23 Bewerbern von der Jury zum Bundessieger gekürt worden ist. Bis vor Kurzem war der junge Huder im Musizierwettbewerb auf Landesebene auch noch mit seinem Cello erfolgreich. Er hat das Instrument aber beiseite gestellt, „weil der Ton nicht mehr klang“ (18. Juni 1993).


Karin Malinowski wird in die Geschichte des Schützenvereins Tell eingehen. Sie gehört jetzt als erste Damenkönigin und damit zugleich als erste Frau dem Königshaus der Bungerhofer Schützen an. Bisher war nur den Schützenbrüdern der Einzug ins Königshaus vorbehalten. „Aber der SV Tell ist weitblickend“, erläuterte Vorsitzender Hans-Georg Trinczek den Bruch der Tradition (22. Juni 1993).


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