Zweiter Teil der "Festlichen Gala" im Kleinen Haus etwas arg bunt / Trio hinterließ guten musikalischen Eindruck "Stille Nacht" neben "Fledermaus"-Couplet

Delmenhorst. Mit dem Titel "Festliche Gala" wird heute so manches unauffällige Konzert zum Event aufgeblasen. Doch hat das durchaus seinen Nutzen, denn das Publikum lässt sich davon gern verführen. So auch am Sonntagabend im Kleinen Haus, wo zu einer "Festlichen Gala zur Weihnachtszeit" geladen war und trotz des Schnees ein guter Besuch zu verzeichnen war.
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Von Günter Matysiak

Delmenhorst. Mit dem Titel "Festliche Gala" wird heute so manches unauffällige Konzert zum Event aufgeblasen. Doch hat das durchaus seinen Nutzen, denn das Publikum lässt sich davon gern verführen. So auch am Sonntagabend im Kleinen Haus, wo zu einer "Festlichen Gala zur Weihnachtszeit" geladen war und trotz des Schnees ein guter Besuch zu verzeichnen war.

Äußeres Zeichen der "Gala" war ein prächtiger, großer Weihnachtsstrauß auf der Bühne, unter dem goldene Geschenkpakete drapiert waren. Dass das eingeladene Ensemble eher bescheiden besetzt war, soll über seine Qualität nichts sagen. Das Trio "Il Belcanto" mit der Sopranistin Irina Wischnizkaja, dem freischaffend tätigen Bariton Ivo Berkenbusch und dem als Kapellmeister am Oldenburgischen Staatstheater engagierten Pianisten Olaf Wiegmann hinterließ einen guten musikalischen Eindruck. Nicht so ganz "Gala"-gerecht war allerdings die Tatsache, dass die Stadt anscheinend wegen des Umbaus des Kleinen Hauses nicht für eine der Jahreszeit angemessene Beheizung des Theatersaals sorgen konnte, stattdessen sogar die kühlende Klimaanlage laufen ließ und somit zumindest die Damen in ihre Mäntel zwang.

Folgte der erste Teil des Programms noch deutlich der Überschrift "Klassische Weihnacht", so war der zweite Teil ein fast zu arg bunter Teller, an dem man sich zwar nicht den Bauch verderben konnte, aber die Ohren...? Na ja, Marzipankartoffel neben Peperonihäppchen, "Stille Nacht" neben dem "Fledermaus"-Couplet?

Verspielte Begleitung

Dieser zweite Teil begann mit "Morgen kommt der Weihnachtsmann", und wenn Ivo Berkenbusch daraus eine Bariton-Buffo-Szene macht, dann tendiert das zur vokalen Aufgeblasenheit, vornehmer gesagt, zur Überinterpretation. Die Gefahr bestand übrigens immer, wenn es um schlichtere Weihnachtslieder ging. Olaf Wiegmanns Weihnachtsliedbegleitsätze hingegen konnten in ihrer Verspieltheit gefallen. Ivo Berkenbusch hat übrigens an Stimmqualität, an Biegsamkeit, an Wärme des Timbres gewonnen. Im einleitenden "The first Noel" gelang ihm etwa ein typisch englischer Stimmausdruck. Und wenn er im zweiten Teil dann mit der Wischnizkaja die große (aber gänzlich unweihnachtliche) Duettszene "Qual voce..." aus Verdis "Troubadour" singt, dann ist er wirklich in seinem Element, dann bekommt sein Singen ein hohes Maß an authentischem Ausdruck.

Darin steht ihm die Sopranistin natürlich in nichts nach. Ihr "Hör ich Zigeunergeigen" aus Kálmáns Operette "Gräfin Mariza" indes war reine Oper - ein bisschen Zurücknahme, ein bisschen Augenzwinkern wäre da so viel verführerischer.

Was da sonst so zwischen "Jingle bells", Faurés Marienlied, Rheinbergers "Prope es Dominum" oder "Vissi d?arte" aus Puccinis "Tosca" (warum nicht was aus "La Bohème", die spielt zu Weihnachten?) vorgetragen wurde, war durchaus kurzweilig. Auch Ivo Berkenbuschs Moderation war das, auch wenn er dabei immer ein Musikstück weiter als der Programmzettel war.

Olaf Wiegmann zeigte sich wieder einmal als ein versierter, auch virtuoser Pianist, orchestral farbig, mit leichter Hand in den betreffenden Begleitungen, stilsicher gestaltend in Schuberts B-Dur Impromptu und vier Mazurkas von Chopin. Aber: Es gibt so viel weihnachtliche Klaviermusik: Liszt, Reger, Mozart natürlich oder Johann Christoph Friedrich Bach als Mozarts "Morgen kommt der Weihnachtsmann"-Variationen-Vorgänger. Und es gäbe die Klavierfassung des "Sleigh Ride" von Leroy Anderson. Ein Knaller!

Wenn von Olaf Wiegmann die Rede ist: Auch sein "Go ahead" stand auf dem Programm. Von Ivo Berkenbusch gesungen, war das eine perfekt gelungene Musical-Nummer, die sich erstaunlich von heutigen Musical-Flachheiten abhob.

Langer Applaus und als Zugabe das Valse-lente-Duett aus Lehárs "Die lustige Witwe". Ach Leute, das ist musikalische Erotik pur, das muss man auch hören, fühlen, mit allen Fasern spüren.

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