Brandopfer Wilhelmine Schoolmann bezieht neue Wohnung / Dank für Spenden Suche nach Normalität

Delmenhorst. Nackter Betonboden, weiße Wände, die Kabel für Lampen baumeln von der Decke. Wilhelmine Schoolmann steht in dem Raum, der bald ihr Wohnzimmer werden soll. Hier gibt es noch einiges zu tun, doch die 50-Jährige ist frohen Mutes: "Ich freue mich einfach, dass ich wieder mein eigenes Reich habe." Ihre alte Wohnung hat der Großbrand in Heidkrug am vergangenen Wochenende komplett zerstört. Nun hat die Delmenhorsterin schnell eine neue Bleibe gefunden.
18.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Suche nach Normalität
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Nackter Betonboden, weiße Wände, die Kabel für Lampen baumeln von der Decke. Wilhelmine Schoolmann steht in dem Raum, der bald ihr Wohnzimmer werden soll. Hier gibt es noch einiges zu tun, doch die 50-Jährige ist frohen Mutes: "Ich freue mich einfach, dass ich wieder mein eigenes Reich habe." Ihre alte Wohnung hat der Großbrand in Heidkrug am vergangenen Wochenende komplett zerstört. Nun hat die Delmenhorsterin schnell eine neue Bleibe gefunden.

Zusammen mit ihrem 18-jährigen Sohn Jochen zieht Wilhelmine Schoolmann nach Deichhorst in eine Drei-Zimmer-Wohnung. Ihre im siebten Monat schwangere Tochter Anita (21) hatte zuvor bei ihrer Mutter gelebt und bezieht nun eine eigene Wohnung. "Wir hatten bereits vor dem Brand zwei neue Wohnungen in unmittelbarer Nähe in Heidkrug gefunden, damit meine Tochter und ihr Kind etwas Eigenes haben. Nach dem schrecklichen Feuer hat sie aber zu viel Angst und möchte nicht mehr dort wohnen", berichtet Wilhelmine Schoolmann. Sie wandte sich daher an einen Bremer Makler, der ihr die zwei neuen Wohnungen vermittelte. "Ein Glücksfall", sagt die zweifache Mutter.

Nur Dokumente und Bilder gerettet

Die Möbel aus der alten Bleibe an der Bremer Straße können die Schoolmanns jedoch nicht mehr gebrauchen. "Da ist alles zerstört. Nur einige Dokumente und Bilder konnte ich noch herausholen", erzählt Wilhelmine Schoolmann, die über keine Hausratversicherung verfügte. Um die neue Wohnung einzurichten, ist sie auf Spenden angewiesen. Vieles hat sie bereits vom Deutschen Roten Kreuz bekommen. Einige wesentliche Sachen befinden sich noch bei den Spendern und werden nach Bedarf verteilt. "Es kann eben nicht alles gelagert werden. Daher warten wir noch auf Betten", schildert Wilhelmine Schoolman. Von der großen Hilfsbereitschaft nach dem Großbrand ist die 50-Jährige gerührt: "So viele Menschen haben gespendet. Eine Frau hat meiner schwangeren Tochter sogar persönlich Umstandsmode überreicht."

Im Hotel "Zur Riede", wo viele Brandopfer untergebracht sind, seien alle ungemein dankbar für die große Unterstützung von allen Seiten, berichtet Wilhelmine Schoolmann. Um dieser Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, versammelten sich gestern viele der Brandopfer für ein gemeinsames Foto vor dem Hotel. "Wir haben überlegt, wie wir uns bei den vielen Menschen, die gespendet haben oder anders Hilfe leisteten, bedanken können. Da sind wir auf die Idee mit dem Foto gekommen", sagt Wilhelmine Schoolmann.

Für die 50-Jährige soll dies ein Schlusspunkt unter dem Aufenthalt im Hotel sein: "Wir sind froh, dass wir hier schnell unterkommen konnten. Jetzt möchte ich aber unbedingt wieder in eine eigene Wohnung. Man hockt hier eben doch auf sehr engem Raum zusammen." Laut Immobiliengesellschaft Gagfah konnten inzwischen den meisten Brandopfern Wohnungen vermittelt werden. Sieben Mietparteien stünden noch ohne neue Bleibe da, sagte Sprecherin Bettina Benner.

Die Schoolmanns wollen Anfang kommender Woche aus dem Hotel ausziehen. Was ihr das Feuer alles genommen hat, realisiert Wilhelmine Schoolmann erst nach und nach. "In so einer Notsituation merkt man erst, was wir vor dem Brand alles hatten." Viele dieser Dinge sind nun für immer verloren. "An mehreren Gegenständen hingen Erinnerungen. Wir lebten zehn Jahre in der alten Wohnung", sagt die 50-Jährige. Auch fünf Kanarienvögel der Familie kamen in den Flammen um. Ein Tier konnte sich Sohn Jochen bei der Flucht aus dem Haus greifen. "Der Vogel zieht jetzt mit in die neue Wohnung ein", sagt Wilhelmine Schoolmann. Sie hofft, dass die Normalität nun Stück für Stück in das Leben ihrer Familie zurückkehrt.

Zur Unterstützung der Brandopfer findet heute ab 18 Uhr ein Benefizkonzert in der Stadtkirche statt. Auf Initiative von Kreiskantor Gerd Hofstadt treten Sopranistin Silke Beer, Sängerin und Pianistin Sabine Herrmann, Bariton Ralf Mühlbrandt, Margret Richter vom Bläserkreis Hasbergen, der evangelische Stadtchor unter Leitung von Reinhard Nehmiz und der Posaunenchor unter Leitung von Horst Heinrich auf. Der Eintritt ist frei. Es werden Spenden gesammelt.

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