Der Kulturverein Granatapfel bietet eine Rollatorentanzgruppe an / Förderung durch "Kümmern statt Kummer" Tanzen auf zwei Beinen und vier Rollen

Stuhr-Brinkum. Sie dienen als Geh- oder Einkaufshilfe und bieten eine Sitzgelegenheit für zwischendurch - Rollatoren erleichtern besonders älteren Menschen oft den Alltag. Doch mit den kleinen Gefährten ist noch mehr möglich: sogar das Tanzen. Das will der Brinkumer Kulturverein Granatapfel jetzt mit seinem neuen Angebot Rollatorentanz unter Beweis stellen. Von der Idee war der Landkreis Diepholz so begeistert, dass er das in der Region bislang einzigartige Projekt in sein Initiativprogramm "Kümmern statt Kummer - Alter hat Zukunft" aufgenommen hat.
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Tanzen auf zwei Beinen und vier Rollen
Von Claudia Ihmels

Stuhr-Brinkum. Sie dienen als Geh- oder Einkaufshilfe und bieten eine Sitzgelegenheit für zwischendurch - Rollatoren erleichtern besonders älteren Menschen oft den Alltag. Doch mit den kleinen Gefährten ist noch mehr möglich: sogar das Tanzen. Das will der Brinkumer Kulturverein Granatapfel jetzt mit seinem neuen Angebot Rollatorentanz unter Beweis stellen. Von der Idee war der Landkreis Diepholz so begeistert, dass er das in der Region bislang einzigartige Projekt in sein Initiativprogramm "Kümmern statt Kummer - Alter hat Zukunft" aufgenommen hat.

"2+4 Rollatorentanz - Aktiv & kreativ im Alter" lautet der genaue Titel des Angebots, das am Mittwoch, 2. November, im Brinkumer Lohmann-Haus startet. Die 2 steht für zwei Beine, die 4 für die vier Rollen des Rollators. Die Idee hatten die Vereinsvorsitzende Katja Schauland und ihre Mitstreiterin Christa Schöningh schon vor über einem Jahr. Die Frauen, die auch Seniorentanz anbieten (wir berichteten), probierten gerade Stuhltänze aus. "Dabei haben wir gemerkt, dass das im Alter auch nicht mehr so gut geht. Mit einem Rollator dagegen schon", sagt Schauland. Bei einer Internetrecherche haben sie dann erfahren, dass der Rollatorentanz ursprünglich aus den Niederlanden kommt, in Deutschland aber nur im Süden praktiziert wird.

Nur tanzen - das war Schauland und Schöningh zu wenig. Ähnlich wie beim Seniorentanz ist ihnen die soziale Komponente wichtig. "Alte Erinnerungen wachrufen, tanzen, kreativ sein und auch mal einen Liedtext schreiben", fasst Schauland die geplanten Aktivitäten zusammen. Dass solle den Senioren dabei helfen, den Rollator als hilfreichen Partner, als Freund und Begleiter, zu akzeptieren. Durch die Bewegung würden die Senioren fit bleiben, das Erlernen der Schrittfolgen diene als Gehirnjogging. "Wer fitter ist, ist auch ausgeglichener und bekommt eine ganz andere Ausstrahlung", bringt Schauland den Aspekt Lebensfreude ins Spiel.

Was genau getanzt wird, will der Verein an die Bedürfnisse der Teilnehmer anpassen. Wer nicht so geübt im Umgang mit dem Rollator ist, kann ebenfalls teilnehmen. Auch bei der Musik sind die Wünsche der Tänzer gefragt. "Gerne auch Stücke aus der Jugend der Teilnehmer, zum Beispiel Rock'n'Roll", so Schauland. Zudem werde bei Bedarf ein Fahrdienst angeboten.

Mit Inge Düfelmeier steht schon eine Teilnehmerin fest. Richtig angewiesen auf ihren Rollator ist die 81-Jährige noch nicht, doch sie ist neugierig, wie es mit dem Tanzen funktioniert. "Ich finde es toll, dass es die Rollatoren gibt", sagt sie, kann aber auch verstehen, dass es viele ihrer Altersgenossen Überwindung kostet, das Gefährt zu benutzen. "Dann ist man wirklich alt, denken wohl viele." Eigene Erfahrungen mit einem Rollator hat auch Christa Schöningh während einer Krankheit gemacht. "Daher weiß ich, wie wertvoll er ist", sagt sie. Doch es gebe im Alltag auch viele Hindernisse, wie etwa Bordsteine und das Einsteigen in Busse. Doch diese Dinge zu üben, könne ebenfalls in das neue Angebot integriert werden.

Aus dem Fördertopf des Landkreises bekommt der Verein nun 12160 Euro. Das Geld ist für die Arbeitsstunden, die Verwaltungskosten und den Fahrdienst gedacht - auch dafür, das Projekt über 18 Monate ausführlich zu dokumentieren. So sollen andere Institutionen sich das Konzept abschauen können. Die Voraussetzungen für die wissenschaftliche Dokumentation bringen die Frauen mit: Schauland ist studierte Kulturwissenschaftlerin und ausgebildete Krankenschwester mit Erfahrung in der Altenpflege. Schöningh kann diverse Tanzdiplome vorweisen, auch Schauland kennt sich auf dem Gebiet aus. Zusätzlich wollen sie ein Tanzbuch herausbringen, in dem die Schrittfolgen nachzulesen sind. "Für den Druck müssen wir aber noch Geld akquirieren", so Schauland. Als weitere Veranstaltung ist im Mai zudem eine Boßeltour mit dem Rollator geplant.

Der Rollatorentanz wird ab Mittwoch, 2. November, immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Lohmann-Haus an der Bremer Straße 28 angeboten. Die Teilnehmer können mit oder ohne Rollator kommen. Die Teilnahme ist bis Ende des Jahres kostenlos, danach werden pro Monat 14 Euro erhoben. Eine Vereinsmitgliedschaft ist nicht nötig. Infos und Anmeldung unter Tel. 0421/57726777 und 0152/53887725 sowie per E-Mail (kultur-granatapfel@web.de).

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