Yorckstraße Delmenhorst

Verkehrsberuhigung lässt auf sich warten

Auf der Yorckstraße ist in Delmenhorst Tempo 30 kaum mehr als ein freundlicher Hinweis. Die Anwohner setzten sich deshalb für eine Verkehrsberuhigung ein - gegen den Widerstand der Verkehrsplaner.
24.03.2021, 18:50
Lesedauer: 2 Min
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Verkehrsberuhigung lässt auf sich warten
Von Björn Struß

Nach langem Ringen mit der Stadtverwaltung sollte am Donnerstag, 25. März, im Stadtrat endlich eine Entscheidung fallen. Christoph Matysiak lebt an der Yorckstraße im südlichsten Zipfel von Delmenhorst. Gemeinsam mit anderen Anwohnern beschwert er sich schon seit etwa zwei Jahren darüber, dass Autofahrer hier besonders gerne aufs Gas drücken. Die SPD-Ratsfraktion fordert deshalb verkehrsberuhigende Maßnahmen, damit sich die Autos auch an das Tempolimit 30 halten. Im Ausschuss für Planen, Bauen und Verkehr fand diese Forderung bereits eine politische Mehrheit, die Aussichten auf einen entsprechenden Beschluss des Rats sind deshalb gut. Doch der Antrag ist von der Tagesordnung für den 25. März kurzfristig verschwunden.

„Es ist richtig, dass der Punkt von der Tagesordnung genommen wurde, da es dazu noch Klärungsbedarf gibt“, erklärt dazu Maike Stürmer-Raudszus aus der Stadtverwaltung. Bei dem Fachdienst Verkehr war das Ansinnen der Anwohner von Anfang an auf wenig Gegenliebe gestoßen. Zu den ersten Beratungen im Oktober 2020 verwies die Verwaltung auf eine politische Entscheidung der 90er-Jahre. Damals stoppte der Rat die Umsetzung von baulichen Lösungen wie Bodenwellen für die Tempo-30-Zone. Von der Verwaltung heißt es dazu: „Entscheidungsgründe waren nicht nur die sehr hohen Kosten, sondern auch die Erkenntnis, dass effektive Verkehrssicherheit nur durch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer selber erreicht werden kann.“

„Das ist eine Argumentation, die so auch von einem CSU-Stammtisch aus einem Bierzelt kommen könnte“, kritisiert Anwohner Matysiak. Gemeinsam mit der Politik gelang es ihm, statt der Ablehnung der Verkehrsberuhigung die Verwaltung zu einer Prüfung der aktuellen Verkehrslage zu bewegen. Mit den Ergebnissen für die Yorckstraße, den südlichen Riedelweg, den Zeppelinweg und die Kopernikusstraße beschäftigte sich dann der Verkehrsausschuss in der vergangenen Woche.

Auf dem Zeppelinweg sind demnach elf Prozent der Autofahrer mit maximal 30 Kilometern pro Stunde unterwegs. 40 Prozent fahren zwischen 40 und 50 km/h, 16 Prozent noch schneller. Ein Grund, mit baulichen Lösungen für die Einhaltung des Tempolimits zu sorgen, ist das für die Verwaltung aber nicht. Im Gegenteil: Für Tempo 30 sieht der Fachdienst Verkehr auf zwei Kilometern des Zeppelinwegs keinen „Sachgrund“. „Somit ist die Beschränkung rechtlich nicht haltbar und muss aufgehoben beziehungsweise analog zu Innerortsstraßen auf die Regelgeschwindigkeit von 50 km/h geändert werden“, schreibt die Verwaltung.

In der Ausschusssitzung ließ sich eine Mitarbeiterin der Stadt gar dazu hinreißen, ein Tempolimit von 70 in den Raum zu stellen. Nicht nur der Anwohner Matysiak war davon entsetzt. „Einigen Mitarbeitern der Verwaltung fehlt einfach der lokale Bezug“, kritisiert er. Den Umgang mit seiner Kritik bezeichnet er als „Zermürbungstaktik“. Positive Erfahrungen habe er hingegen mit der Polizei gemacht, die ihm in seiner Analyse der Verkehrsprobleme grundsätzlich Recht gegeben habe. „Doch die Polizei hat schlicht nicht genug Personal, um die Planungsfehler auszubügeln.“

Einen Mitstreiter hat Matysiak in Detlef Roß gefunden, Ratsherr der SPD. Mit dem Genossen Deniz Kurku hat er den politischen Antrag eingebracht. „Ich war selber auch mal jung und bin im Motorsport Rennen gefahren“, verrät Roß. „Diese Straßen laden geradezu dazu ein, zu schnell zu fahren.“ Ursache dafür sei, dass es keine Ampeln gebe und die Kurven fließend verlaufen. Roß teilt zudem die Einschätzung der Anwohner, dass sich die Yorckstraße und der Zeppelinweg als „Schleichstraßen“ für Abkürzungen etabliert haben.

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