Delmenhorst vor 25 Jahren Traditionsgasthaus feiert 150-jähriges Bestehen

Lüschens Bauerndiele feiert 150-jähriges Bestehen, der SV Atlas bekommt Verstärkung von vier neuen polnischen Spielern – dies und mehr geschah vor 25 Jahren in und um Delmenhorst.
01.07.2018, 07:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Volkmar Friedrichs

Von nun an gelten in Deutschland nur noch die neuen, fünfstelligen Postleitzahlen. Das bringt für Delmenhorst eine weitere Änderung mit sich: Die Stadt ist von nun an in vier verschiedene Postleitzahlbezirke eingeteilt. Bei den Kommunen im Landkreis Oldenburg bleibt es dagegen bei nur einer neuen Postleitzahl pro Gemeinde. Dabei hat es Ganderkesee beneidenswert gut getroffen: Für die Großgemeinde gilt ab heute die Super-Postleitzahl 27777 (1. Juli 1993).


Die Telefone in
den öffentlichen Telefonzellen in Delmenhorst und dem Oldenburger Land sollen im Laufe dieses Jahres so umgerüstet werden, dass die Notrufe 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr, Rettungsdienst) auch ohne Münzen oder Karte in Anspruch genommen werden können. Wie die Polizei weiter mitteilt, wird es künftig auch belanglos sein, ob der Hilfesuchende weiß, in welcher Telefonzelle er sich befindet, denn mit der Wahl eines Notrufs wird der jeweiligen Notrufzentrale künftig automatisch der Standort übermittelt, von dem aus der Notruf erfolgte (2. Juli 1993).


Das Traditionsgasthaus „
Lüschens Bauerndiele“, eine der ältesten Dorfschänken im Landkreis Oldenburg, beging mit einem festlichen Empfang sein 150-jähriges Bestehen. Zu den vielen Gästen gehörten auch die Nachbarn, die zuvor ordentlich mit angepackt hatten, um die beliebte Gaststätte für das Jubiläum herauszuputzen. Eine schon von Weitem zu sehende Ehrenpforte aus Tannengirlanden war aufgebaut worden, an der Tür hing ein Kranz mit rot-weißen Schleifen und eine Pferdekutsche erinnerte an die sprichwörtlich gute alte Zeit. Die Festrede hielt Bürgermeister Hans-Christian Schack, der unter anderem die Bedeutung der „Bauerndiele“ für Stenum und auch für die gesamte Gemeinde Ganderkesee hervorhob. Die Gaststätte wird zurzeit von Margit und Helmut Schlüter in fünfter Generation geführt. Gegründet wurde das Wirtshaus 1843 von Johann Lüschen. Er hatte die Liegenschaft – damals noch eine Köterei – von Johann Diedrich Bröker gekauft – und darin als Nebenerwerb zu seiner Landwirtschaft einen Schankbetrieb eingerichtet. Damit hatte der ehemalige Müller auf der Witzleben'schen Mühle in Elmeloh den richtigen „Riecher“. Die Gaststätte lag nämlich an dem schon damals bedeutsamen Huder Weg, der von Delmenhorst über Elmeloh, Grüppenbühren (heute Bookholzberg) nach Hohenböken und Hude führte. Viele Fuhrleute kehrten dort ein und gelegentlich machten auch Reisende mit der Postkutsche bei Lüschen Station. Sie übernachteten dann im Heu. Als 1867 die Eisenbahnlinie Bremen – Oldenburg mit Bahnstation in Schierbrok eröffnet wurde, entdeckten auch viele Städter den Gasthof als Ausflugsziel. Auch 150 Jahre später noch steht Lüschens Bauerndiele für traditionelle Gastlichkeit und Brauchtum. So werden in dem Gasthaus am Huder Weg immer noch Erntebälle, und Familienfeste gefeiert, und im Winter ist „Lüschen“ ein beliebtes Ziel für Kohl-und-Pinkel-Fahrten. Apropos Grünkohl: Gemeinsam mit einigen Berufskollegen reiste der Stenumer Gastronom auch schon mit Sack und Pack in Ganderkesees Partnergemeinde Château-du-Loire und arrangierte dort ein zünftiges Grünkohlessen. Dazu spielte Helmut Schlüter auch noch höchstselbst die mitgebrachte Drehorgel (2. Juli 1993).


Der SV Atlas
Delmenhorst hat sich für die kommende Saison in der Fußball-Verbandsliga Niedersachsen mit gleich vier Spielern aus Polen verstärkt. Der Verein setzt große Hoffnungen in das Quartett, denn die vier Fußballer sollten allemal das Zeug für die Verbandsliga haben. Dariusz Bochenek hat sogar schon in der polnischen Junioren-Nationalmannschaft gespielt und Peter Boncol gehört zum Kader der polnischen Olympia-Auswahl, zudem kamen Jerzy Klukowski und Krzysztof Bak. Für die Neuzugänge müssen noch feste Wohnungen gefunden werden, und die berufliche Zukunft der Fußballer steht ebenfalls noch in den Sternen. Der SV Atlas muss nun auf Stellensuche gehen, denn vom Fußballspielen allein werden die „Polen-Importe“ nicht leben können. In ihrer Heimat hätten die Spieler so um die 500 Mark im Monat bekommen, erzählte das Quartett; die Mehrzahl der polnischen Vereine sei jedoch in finanziellen Schwierigkeiten, und so hoffen dort viele Kicker auf ihr Glück in Deutschland. Die vier SVA-Neuzugänge blicken optimistisch in die Zukunft und hoffen insgeheim, dass der SV Atlas für sie zum Sprungbrett in den bezahlten Fußball werden möge. Zunächst müssen die vier aber noch tüchtig Deutsch lernen, damit ihr Delmenhorster Dolmetscher Martin Novak ein wenig entlastet wird (6. Juli 1993).


Circa 150 Mädchen
und Jungen aus der seit der Nuklearkatastrophe vom 26. April 1986 strahlenverseuchten Region um Tschernobyl im Norden der Ukraine werden in einem Charterflugzeug auf dem Fliegerhorst Ahlhorn landen. Sie werden unter anderem in Delmenhorst und Hude einen vierwöchigen Erholungsurlaub erleben. 15 Kinder werden von Delmenhorster Familien aufgenommen und 30 Mädchen und Jungen sind mit ihren Betreuern in Hude zu Gast, wo sie in den gerade fertiggestellten Blockhäusern der Huder Jugendherberge wohnen werden (6. Juli 1993).

Wer noch weiter in Nachrichten und Geschichten aus vergangener Zeit stöbern möchte, hat dazu in unserem digitalen Archiv die Möglichkeit. Das umfangreiche und informative Archiv ist für Interessierte im Internet online unter der Adresse www.weser-kurier.de/plus/archiv zu finden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+