Landtage Nord eröffnet / Wirtschaftsminister Olaf Lies betont zentrale Rolle der Landwirtschaft im Agrarland Niedersachsen

Trecker-Vielfalt mit „gesellschaftlicher Aufgabe“

Hude-Wüsting. „Essen – schlafen – Traktor fahren“ steht auf einigen der T-Shirts, mit denen ein Händler für Berufskleidung sein Haupt-Sortiment ergänzt. Wer seine Bedürfnisse so definiert, ist auf den am gestrigen Freitag eröffneten Landtagen Nord genau richtig.
22.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

„Essen – schlafen – Traktor fahren“ steht auf einigen der T-Shirts, mit denen ein Händler für Berufskleidung sein Haupt-Sortiment ergänzt. Wer seine Bedürfnisse so definiert, ist auf den am gestrigen Freitag eröffneten Landtagen Nord genau richtig. Jedenfalls, wenn er oder sie erstens ausgeschlafen ist und sich zweitens zwischen den vielen Probierhäppchen, die auf einer Agrar- und Freizeitmesse natürlich nicht fehlen dürfen, und anderen Leckereien entscheiden kann.

Trecker jedenfalls gibt es auf dem 13 Hektar großen Ausstellungsgelände des Hofs Urban reichlich. Dort kann man nicht nur über fabrikneue schwere Schlepper mit mannshohen Reifen staunen oder die dagegen geradezu filigran wirkenden Schätze der Treckerfreunde Wöschenland aus vergangenen Jahrzehnten bewundern. Sondern es sind auch Rasenmäher-Trecker, per Tretkurbel angetriebene Kinderfahrzeuge und Miniaturen für Sandkiste oder Sammler-Vitrine zu finden. Nicht zu vergessen ein Geschicklichkeits-Parcours mit einem ferngesteuerten Modell oder auch ein Treckersitz, von dem aus ein mit ihm verbundenes Kugellabyrinth manövriert werden kann.

Die Vielfalt bietet nicht nur dem Fachpublikum Abwechslung. Sondern sie zieht auch viele Menschen an, die mit Landwirtschaft sonst wenig zu tun haben – jedenfalls direkt, denn indirekt ernähren sich ja alle von Agrarprodukten. Das waren zwei Aspekte, die bei der offiziellen Eröffnung am Morgen im Festzelt gleich mehrfach angesprochen wurden: die besondere Mischung der „Erlebwas-Messe“, wie ihre Macher Helmut Urban und Ute Thümler sie auch nennen, und die Gelegenheit zur Begegnung zwischen Außenstehenden und der Landwirtschaft.

Die habe gerade in Hude einen besonderen Stellenwert, meinte Bürgermeister Holger Lebedinzew in einem Grußwort. Denn zu den eigentlichen Bauernhöfen kämen noch weitere Unternehmen hinzu, insbesondere der Landmaschinenhersteller Amazone und Urbans eigene Firma für Kälberfütterungsanlagen, die allein schon mehr als 100 Beschäftigte habe. Alles in allem hingen so rund 1000 Arbeitsplätze in der Gemeinde an der Landwirtschaft, und Steuern brächten sie auch.

Die Bedeutung der Landwirtschaft unterstrichen auch Landrat Carsten Harings, der in seinem Grußwort daneben die Internationalität der Aussteller – vertreten seien Dänemark, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Österreich, die Schweiz, Italien und Tschechien – und das „positive Echo weit über die Region hinaus“ lobte, sowie als Festredner der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies. „Gesellschaft und Landwirtschaft sind ein bisschen auseinandergedriftet“, bedauerte er. Die Landtage Nord seien eine Möglichkeit, wieder näher zusammen zu kommen, insofern attestierte er der Messe sogar eine „wichtige gesellschaftliche Aufgabe“. Gerade im „Agrarland Nummer eins“ spiele die Landwirtschaft eine zentrale Rolle, sagte der Sozialdemokrat: „Ohne die Urproduktion würden auch andere Teile unserer Wirtschaft wegbrechen.“ Dabei bezog er sich einerseits auf nachgelagerte Branchen wie die Ernährungsindustrie, andererseits auf vorgelagerte Bereiche, etwa die Landtechnik: „Wenn wir die starke Landwirtschaft nicht hätten, würden diese Produkte wahrscheinlich nicht hier entwickelt.“

Auch wenn er selbst eher „in der Tradition“ verankert sei – Lies besitzt einen Trecker-Veteranen aus dem Jahr 1953 – bekannte sich der Minister zu einer modernen Landwirtschaft. Die hat nach seiner Ansicht eine Dimension, die nicht unbedingt zu Bilderbuch-Vorstellungen vom Leben auf dem Lande passen dürfte: „Die Größe muss da sein“, sagte Lies. Nur so könnten die einzelnen Betriebe sowohl wettbewerbsfähig sein als auch personell so breit aufgestellt, dass persönliche Freiräume blieben. Denn mit „24-7“ sei kein Nachwuchs mehr zu gewinnen.

Der kann sich auf den Landtagen Nord noch bis einschließlich Montag jeweils von 9 bis 18 Uhr erst einmal ganz unbefangen dem Thema nähern. Nicht nur an den Ständen der rund 600 Aussteller sowie bei Tierschauen, Technik-Vorführungen und weiteren Programmpunkten gibt es viel zu sehen und auszuprobieren – selbst wenn sich längst nicht alles um Landwirtschaft dreht, sondern ebenso um Energie, Haus, Garten und Freizeit, und manch Händler mit recht unspezifischen Produkten wie Kleidung, Hüten, Taschen oder Modeschmuck dabei ist. Und auch Versicherungen und Co. dürften jenseits der Werbe-Gimmicks wahrscheinlich nur die Erwachsenen interessieren. Dafür gibt es für Kinder aber noch eine Reihe von Extra-Angeboten. So lockt ein großer Spielplatz mit Sandkiste, Strohburg und Hüpfburgen. Die Mädchen und Jungen können sich im Maislabyrinth verirren, im Streichelzoo kuscheln, auf Ponys reiten oder Kartoffeln suchen. Und natürlich: Traktor fahren.

Eine Fotostrecke zu den Landtagen Nord finden Sie unter www.weser-kurier.de/region.

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