Ausstellung über Delmenhorst als „Wasserstadt in Geest, Marsch und Moor“ wird am Sonntag eröffnet Trinken, Waschen, Baden und noch mehr

Delmenhorst. „Unser Wasserturm“, sagt Jennifer Schröder. Dabei stammt sie gar nicht aus Delmenhorst, war bis vor acht Monaten noch nie in der Stadt und wusste erst recht nicht, dass deren Wahrzeichen eben jener eckige Koloss ist, der bei seinem Bau auf viel Ablehnung gestoßen war, mittlerweile aber als „eines der ganz wenigen Beispiele von Neuzeit-Reformarchitektur im öffentlichen Raum“ anerkannt ist, wie Regina Ungethüm-Meißner sagt.
24.09.2016, 00:00
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Von Ute Winsemann

Delmenhorst. „Unser Wasserturm“, sagt Jennifer Schröder. Dabei stammt sie gar nicht aus Delmenhorst, war bis vor acht Monaten noch nie in der Stadt und wusste erst recht nicht, dass deren Wahrzeichen eben jener eckige Koloss ist, der bei seinem Bau auf viel Ablehnung gestoßen war, mittlerweile aber als „eines der ganz wenigen Beispiele von Neuzeit-Reformarchitektur im öffentlichen Raum“ anerkannt ist, wie Regina Ungethüm-Meißner sagt. Als Gästeführerin ist sie mit dem Turm schon länger quasi per Du. Und dass auch Jennifer Schröder sich innerhalb so kurzer Zeit mit ihm identifiziert hat, hat maßgeblich mit Regina Ungethüm-Meißner zu tun. Denn sie hatte die ursprüngliche Idee für eine Ausstellung, die Jennifer Schröder im Auftrag des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur erstellt hat.

An diesem Sonntag wird „Delmenhorst – Wasserstadt in Geest, Marsch und Moor“ eröffnet. Bis zum 6. November sind die zehn Schautafeln, zwei Modelle und diverse originale Exponate aus der wässrigen Vergangenheit der Stadt in der Turbinenhalle auf der Nordwolle zu sehen. Danach sollen sie umziehen, in „unseren Wasserturm“. Dort soll die Ausstellung dauerhaft bleiben und den Turm touristisch aufwerten.

Das war auch von Anfang an einer der Hintergedanken von Regina Ungethüm-Meißner. Auf Führungen hat sie oft genug Besucher bis auf die Empore mit der beeindruckenden Aussicht begleitet. Doch innen war nicht nur architektonisch, sondern auch inhaltlich noch Luft nach oben. Die soll nun in einem Raum unterhalb des verwaisten Wasserbehälters gefüllt werden. Das hatte Regina Ungethüm-Meißner schon vor einigen Jahren mit den Stadtwerken (SWD) besprochen, als sie auf deren Bitte an Chroniken zu 100 Jahren öffentlicher Wasserversorgung und 125 Jahren öffentlicher Gasversorgung arbeitete. Als sie sich durch „uralte Akten, die 100 Jahre kein Mensch angefasst hat“, wühlte, habe sie Blut geleckt, sagt sie – zumal die Akten überwiegend im alten Graft-Wasserwerk lagerten.

Doch es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis die Recherche tatsächlich in eine Ausstellung mündete und auch die Voraussetzungen geschaffen wurden, sie im Wasserturm zu installieren. An den Vorarbeiten haben nach Angaben von Regina Ungethüm-Meißner unter anderem auch Wasserwissenschaftler der Hochschule Bremerhaven mitgewirkt. So richtig ernst wurde es dann im Februar dieses Jahres, als Jennifer Schröder im Rahmen des Programms Regialog ans Museum kam. Für die Historikerin sollte die "Wasserstadt" das Hauptprojekt werden. Einige Inhalte waren dabei von vornherein gesetzt. Denn die Ausstellung ist eingebunden in die von mehreren Landschaftsverbänden aus dem Nordwesten sowie dem Wattenmeer-Nationalpark getragene Reihe "Land der Entdeckungen". Und die steht dieses Jahr unter der Überschrift "Weites Land aus Menschenhand – Marsch, Moor, Geest & Wattenmeer".

Für Marsch, Moor und Geest ist Delmenhorst schon mal prädestiniert. Die Lage zwischen diesen Landschaftstypen füllt die erste Tafel, die Bedeutung von Delme, Welse und Ochtum die zweite. Weiter geht es mit der Zähmung des Naturraums durch die Menschen, von der frühen Besiedlung über die Burg samt ihrem einstigen Schutzsystem aus Wasser, den heutigen Graftanlagen, bis in die Moderne. Da dreht sich das meiste um technische Errungenschaften: die Wasserversorgung mit der Kombination aus Graft-Wasserwerk, Wasserturm und Leitungen und auch die spezielle Rolle des Wassers auf der Nordwolle, die sogar einen eigenen Wasserturm und ein eigenes Netz hatte. Den Bogen zur Gegenwart schlagen dann Tafeln über das neuere und mittlerweile einzige Wasserwerk in Annenheide sowie über die Kläranlage am Donneresch.

Ergänzt werden die Tafeln durch je ein Modell des Graft-Wasserwerks und – nicht ganz zum Thema passend, aber ebenfalls aus dem Fundus der Stadtwerke – des alten Gaswerks. Historische Exponate haben ebenfalls die SWD beigesteuert, sie stammen fast ausnahmslos aus dem stillgelegten Wasserwerk. „An die Schieber und Messgeräte habe ich noch selbst Hand angelegt“, erinnert sich Dieter Meyer, der einst als Wasserwerks-Monteur bei den Stadtwerken angefangen hat und sie mittlerweile als Prokurist vertritt. Ebenso wie Ines Menke von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die als zweiter Sponsor mit im Boot ist, freut er sich nicht zuletzt über die Attraktivitätssteigerung für „unseren Wasserturm“.

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