Trinkwasserförderung in Delmenhorster Graft

„Weder notwendig noch geeignet“

FDP-Politiker und Oberbürgermeisterkandidat Murat Kalmis positioniert sich gegen eine erneute Trinkwasserförderung in der Graft. Damit geht er in Konfrontation zur CDU und deren OB-Kandidatin Pertra Gerlach.
07.05.2021, 18:39
Lesedauer: 2 Min
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„Weder notwendig noch geeignet“
Von Björn Struß
„Weder notwendig noch geeignet“

Sauberes Wasser gibt es in der Graft nur sehr tief unter der Erde.

Ingo Möllers

Soll in der Graft wieder Grundwasser gefördert werden, um daraus Trinkwasser zu gewinnen? Eigentlich sind es die Experten der Unteren Wasserbehörde, die diese Frage beantworten müssen. Doch mit einer Entscheidung über den entsprechenden Wasserrechtsantrag der Stadtwerkegruppe (SWD) ist erst zum Ende des Jahres zu rechnen. Die Einschätzung von Prof. Gerd Turowski, Umwelt-Experte des Naturschutzbundes (Nabu), dass eine Grundwasserförderung nicht die Probleme mit dem Oberflächenwasser löst, hatte im März die Debatte neu entfacht (wir berichteten). Nun positioniert sich auch Murat Kalmis, Oberbürgermeisterkandidat der FDP: „Die Wasserförderung in der Graft ist offensichtlich weder für die Trinkwasserversorgung notwendig noch für die Oberflächenentwässerung geeignet.“

Laut Kalmis müsste es durch die Informationsveranstaltungen der SWD eigentlich allen Ratsmitgliedern klar geworden sein, dass das Trinkwasser aus der Graft eine sehr schlechte Qualität hat und die neuen Brunnen deshalb sehr tief gebohrt werden müssten. „Diese notwendige Tiefe wird aber in keinster Weise geeignet sein, das Oberflächenwasser abzusenken“, schreibt Kalmis in einer Pressemitteilung. Damit schließt er sich der Einschätzung von Turowski an, der als beratendes Mitglied im Umweltausschuss regelmäßig politische Entscheidungen begleitet. Turowski hatte seine Meinung nach Durchsicht der Gutachten auch der Unteren Wasserbehörde mitgeteilt.

FDP-Politiker Kalmis verweist darauf, dass die SWD nicht von sich aus auf die Idee gekommen sei, wieder Trinkwasser in der Graft zu fördern. Es sei vielmehr eine politische Mehrheit gewesen, die dieses Ziel mit einem Ratsbeschluss vorgegeben habe. „Wer diesen Beschlüssen weiter folgen will, der wird vermutlich Delmenhorst zu einer Stadt mit den höchsten Trinkwasserpreisen unserer Republik machen“, kritisiert der Kommunalpolitiker.

Albers fordert Stellungnahme des OB

CDU-Ratsherr Heinrich-Karl Albers fordert in dieser Debatte Auskünfte von Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD). „Nachdem im Mai 2020 die Stadtwerke den Antrag auf Entnahme von Grundwasser gestellt hatten, ist in dieser Sache immer noch nichts entschieden worden“, kritisiert Albers in einer Pressemitteilung. Er will erfahren, ob der Wasserrechtsantrag vollständig und umfassend ist, und ob die Grundwasserförderung die erneute Versumpfung verhindern kann. Eine weitere Frage an den OB: Wird der Grundwasserspiegel hinreichend niedrig gehalten? Dazu solle die Verwaltung „baldigst im Fachausschuss“ eine Stellungnahme abgeben.

Neben Albers hat auch Petra Gerlach, OB-Kandidatin von Christdemokraten und Grünen, bereits öffentlich erklärt, das Ziel einer erneuten Trinkwasserförderung umsetzen zu wollen. Der Kontrahent Kalmis kritisiert dieses Bekenntnis zum Ratsbeschluss aus dem Jahr 2015. Er habe sich gewundert, dass sich Gerlach immer noch als „Anhängerin des Trinkwassers aus der Graft“ oute.

Groth: „Behauptung ist widerlegt“

Überzeugt von dem Nutzen der Trinkwasserförderung ist hingegen das Aktionsbündnis „Rettet die Graft“, das mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Harald Groth (SPD) einen versierten Kommunalpolitiker als Wortführer hat. Er kritisiert die Einschätzung von Nabu-Experte Turowski, die Öberflächenentwässerung könne durch das Vorhaben nicht gelingen. „Diese Behauptung wird seit längerem immer wiederholt, ist aber gutachterlich widerlegt. Die berühmte ,Trichterbildung´ wird sich einstellen. Das Wasser sucht sich seinen Weg. Das Ganze wird dauern“, argumentiert Groth. Eine nicht gutachterlich belegte Behauptung zu wiederholen, könne nur dazu dienen, zukünftige Entscheider zu verwirren.

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