Ferienzeit in der Region Und wieder werden viele Tiere ausgesetzt

Wildeshausen. Jaque ist der erste in diesem Jahr. Aber er wird wohl nicht der letzte bleiben. Das lehrt die Erfahrung: Zur Ferienzeit werden wieder Tiere ausgesetzt, weil die Besitzer sie nicht mit in den Urlaub nehmen können oder wollen.
29.06.2010, 23:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Wildeshausen. Jaque ist der erste in diesem Jahr. Aber er wird wohl nicht der letzte bleiben. Das lehrt die Erfahrung: Zur Ferienzeit werden wieder Tiere ausgesetzt, weil die Besitzer sie nicht mit in den Urlaub nehmen können oder wollen und weil sie der einst geliebten Gefährten überdrüssig geworden sind. Es sei zwar nicht mehr so schlimm wie vor Jahren noch, sagt die Vorsitzende der Tierschutzgruppe Wildeshausen (TSGW), Christina Poppe. Doch aus der Welt ist das Problem noch immer nicht.

Ein Landwirt in Kirchhatten hat Jaque gefunden. Als er am frühen Montagmorgen zum Briefkasten ging, um die Zeitung zu holen, entdeckte er den Jack Russell Terrier. Irgendjemand hatte das gepflegte Tier dort angebunden. Als ein Mitarbeiter der Tierschutzgruppe Wildeshausen das Tier abholte, stellte er fest, dass es ein zusätzliches Bändchen an seinem schmucken Halsband hatte. Darauf stand: 'Jaque, 3 Jahre, Geschenk'. Da der Landwirt das Geschenk allerdings nicht annehmen wollte, ist es vorerst bei den Tierschützern untergekommen.

Die können bislang noch nicht abschätzen, mit wie vielen ausgesetzten Tieren sie es in diesem Sommer zu tun bekommen werden. Noch ist Christina Poppe optimistisch, dass die Zahl nicht allzu groß wird. 'Es ist von Jahr zu Jahr besser geworden', findet sie. Sie habe den Eindruck, 'dass die Leute bewusster geworden sind'.

Trotzdem seien von den rund 100 Hunden, die die TSGW im vergangenen Jahr aufgenommen habe, 'vielleicht fünf' mehr oder weniger klassisch ausgesetzt worden. Auffällig dabei: Neben alten und kranken Tieren trifft es nach Poppes Einschätzung häufiger Rassen, die gerade in Mode sind. Vor Jahren - wahrscheinlich ausgelöst durch einen beliebten Zeichentrickfilm - seien es beispielsweise mal Dalmatiner gewesen. Derzeit seien unter anderem Jack Russell Terrier schwer angesagt. Jaque scheint also ein typisches Beispiel zu sein.

Aus Autobahn-Mülltonnen haben die Tierschützer noch keinen Hund gefischt, aber Poppe erinnert sich an einen besonders krassen Fall, der allerdings schon einige Jahre zurückliegt. Da sei ein Hund mitten im Wald zurückgelassen worden, an einer Stelle, die 'sowas von einsam' war, dass nur rein zufällig jemand vorbeigekommen sei. Bis dahin habe das Tier vermutlich schon länger als einen Tag an seiner Leine gezerrt. Wäre es noch länger unentdeckt geblieben, wäre es wohl verhungert oder verdurstet - trotz bereitgestellter Wasserschüssel, die schließlich irgendwann leergeschlabbert ist oder umkippt.

Für die Tiere besser sei da schon, wenn sie - wie Jaque - irgendwo angebunden werden, wo sie wenigstens mit großer Wahrscheinlichkeit schnell gefunden werden. Aber auch das 'geht eigentlich nicht'.

Lieber ist Poppe und ihren Mitstreitern, wenn Menschen, die ein Tier nicht mehr behalten können oder wollen, sich direkt bei ihnen melden. Dem stehe allerdings oft das Geld im Wege. Denn 'wir können die Tiere nicht kostenlos aufnehmen'. Je nachdem, ob ein Hund geimpft und kastriert ist oder nicht und wie verträglich - und damit vermittelbar - er ist, können da schon mal 150 Euro fällig werden. Aber 'mehr wird?s eigentlich nie', für Katzen seien die Beträge insgesamt geringer, für Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen würden oft nur 15 Euro genommen. Und ohnehin ließen die Tierschützer mit sich reden, über die Summe ebenso wie über Ratenzahlung.

Lösungen für den Urlaub

Auch, wer sein Tier eigentlich behalten will, aber nicht mit in den Urlaub nehmen kann, sollte sich auf jeden Fall an die Tierschützer wenden. Die nehmen nämlich auch schon mal zeitlich begrenzt Pensionsgäste auf. Jedenfalls, wenn die Kapazitäten dafür vorhanden sind. Bei den Katzen seien sie das derzeit nicht, schränkt Poppe ein - ihre Leute kümmerten sich gerade um rund 60 Welpen und 'zig große'.

Weiterhelfen könnten aber oft auch Nachbarn oder Freunde - unter Umständen auch solche, die sich durch Netzwerke gefunden hätten. So habe der Deutsche Tierschutzbund die Initiative 'Nimmst du mein Tier, nehme ich dein Tier' gestartet.

Außerdem gebe es auch immer mehr Ferienquartiere, in denen Tiere erlaubt seien. Es mache ja schließlich auch Spaß, gemeinsam mit dem Tier auf Reisen zu gehen, weiß Poppe aus eigener Erfahrung.

Was Jaque betrifft, so hoffen die Tierschützer, dass er baldmöglichst eine Reise in ein neues Zuhause antreten kann. Wer sich für ihn interessiert, kann sich bei Andrea Seitz von der TSGW melden, Telefon 0152/ 24464743 oder E-Mail hunde@tsg-wildeshausen.de. Sie nimmt auch Hinweise zu seiner Herkunft entgegen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden.

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