Neues Einkaufszentrum in Delmenhorst Unentschieden in der Standortfrage?

Delmenhorst. Stadtwall oder Knick - das ist die vielleicht wichtigste Frage, die die Delmenhorster Politik zurzeit entscheiden muss: Wo soll das innerstädtische Einkaufscenter gebaut werden? Zurzeit deutet sich an, dass es keine Entscheidung gibt.
24.02.2010, 08:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Stadtwall oder Knick - das ist die vielleicht wichtigste Frage, die die Delmenhorster Politik zurzeit entscheiden muss: Wo soll das innerstädtische Einkaufscenter gebaut werden? Zurzeit deutet sich an, dass es keine Entscheidung gibt, denn es steht nach Informationen unserer Zeitung 21:21. 45 Stimmberechtigte gibt es im Rat, drei (Grüne und Linke) werden sich weder für den einen oder den anderen Standort aussprechen. Zu dem Patt kommt es aber nur, wenn alle Parteien in der entscheidenden Ratssitzung am 11. März vollzählig antreten. Und wenn es bei einer möglichen geheimen Abstimmung nicht noch Abweichler in den großen Fraktionen gibt.

Am Montagabend hat sich die CDU-Fraktion auf den Standort Am Knick festgelegt. Entscheidend war für die Union laut ihres Fraktionsvorsitzenden Heinz Stoffels die Lage, eine bessere als an der Bahnhofstraße gebe es nicht. 'Direkt daran anschließend, wird eine unmittelbare Verbindung zwischen Einkaufsgalerie und Lange Straße in den westlichen und östlichen Teil der Innenstadt erreicht', teilt Stoffels in einer Pressemitteilung mit. Nur so komme es wieder zu einem Rundlauf in der Stadt. Gegen das Center im Kaufpark spreche vor allen Dingen, dass die Fußgängerzone im östlichen Teil vollends absterbe. Diese Sorge treibt die CDU zumindest um. Das sind also schon mal 13 Stimmen für eine Mall hinter der Fassade des Haus Hohenböken.

UAD und WfD ohne Fraktionszwang

Bei den Koalitionspartnern der CDU, den Unabhängigen und 'Wir für Delmenhorst', ist die Meinungslage nicht ganz so eindeutig. 'Wir tendieren mehrheitlich zum Standort Am Knick', sagt WfD-Chef Dieter Markowiak. Für den Standort spreche die 1a-Lage und dass die Synergie-Effekte auf die Stadt größer seien, zudem sei die von der ECE für diesen Standort abgegebene Betreibergarantie von 15 Jahren nicht zu unterschätzen. Gegen ein Center im Kaufpark spreche zum Beispiel die suboptimale Lage. 'Zudem sind dort 70 Wohnungen, das wird aus unserer Sicht ein erheblicher Kraftakt, das zu handhaben.' Die Drei-Mann-Fraktion wird wahrscheinlich mit zwei Stimmen für Am Knick, mit einer für den Stadtwall votieren. 'Die Entscheidung ist ausdrücklich jedem frei gestellt', betont Markowiak.

4:2 steht es nach der montäglichen Fraktionssitzung bei den Unabhängigen, vier Politiker sind für den Knick, zwei für den Stadtwall. 'Wir werden auch so abstimmen. Das ist einfach ein Gebot der politischen Ehrlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit und den Partnern in der Gruppe', sagt Bürgermeister Sascha Voigt, der selbst den Standort Am Knick bevorzugt. 'Die Standortdebatte ist mit einem Investor verbunden, und da traue ich ECE einiges zu.'

Wie berichtet, hatten sich die Fraktionen der SPD (13 Stimmen) und der FDP (drei Stimmen) bereits für den Standort Am Stadtwall ausgesprochen, während die Liberale Fraktion (zwei Stimmen) für ein Center Am Knick ist. Unklar ist dagegen, wie sich der im Rat ebenfalls stimmberechtigte Oberbürgermeister Patrick de La Lanne entscheiden wird. Im Moment möchte er sich dazu nicht öffentlich äußern, aber aus gut informierten Kreisen heißt es, dass er den Standort Am Stadtwall bevorzugt.

Die Grünen und Die Linke werden weiterhin gegen ein Einkaufszentrum votieren. 'Unser Alternativvorschlag lautet, dass man Hertie und den Kaufpark einfach wieder aufwerten muss', sagt Jörg Dombrowe von den Linken. Das Konzept seiner Partei solle aber noch vor der Standortentscheidung im Rat öffentlich vorgestellt werden. Marlis Düßmann von den Grünen argumentiert vor allem wegen der Uniformität von Einkaufszentren gegen den Bau einer Shopping-Mall. 'Wie können wir in der Stadt das Gleiche wie alle anderen bauen, wenn wir uns abgrenzen wollen?', fragt sie und verweist auf Oldenburg, wo gerade ein Innenstadtcenter entsteht, und Bremen, wo demnächst ein wahrer Riese von Center errichtet werden soll. 'Die Menschen wollen kleine Geschäfte, zwischendrin Inseln zum Hinsetzen', ist sie überzeugt. All das bietet ein Center nicht, deswegen also das Nein der Grünen.

Für eine Konsumrennstrecke

Eva Sassen, die für das Bürgerforum im Rat sitzt, ist für den Bau des Centers Am Stadtwall. 'Wenn wir dort ein Center bauen, Hertie aufwerten und das Gesundheitszentrum des Josef-Stifts an der Bahnhofstraße kommt, hätten wir eine Konsumrennstrecke wie in Oldenburg.' Das würde die Menschen anregen, durch die Stadt zu laufen, im Gegensatz zur Knochenstruktur. 'Gleichzeitig dürfen wir aber nicht den Fehler machen, am Stadtrand dann Projekte wie ein neues Gartencenter für Zurbrüggen zu genehmigen.' Innenstadt und Außenbereiche gleichzeitig zu stärken, hält sie für verfehlt.

Zudem fordert sie die großen Gruppen im Rat auf, den Fraktionszwang aufzugeben, schließlich sei das Meinungsbild in keiner großen Partie wirklich einheitlich. Deswegen sollte jeder Politiker bei so einer wichtigen Entscheidung für die Stadt frei abstimmen dürfen. 'Ich hoffe, dass die Entscheidung für alle Ratsmitglieder frei gegeben wird, das wäre ein Zeichen für die Demokratie: eine freie, ehrliche Abstimmung, an der alle mit geradem Rückgrat teilnehmen können.'

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