Verkehr in Delmenhorst Lockdown wirkt sich auf Unfallzahlen aus

Wenn weniger Menschen unterwegs sind, passieren auch weniger Unfälle. Das ist das Fazit der Unfallstatistik für das Jahr 2020, die die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch veröffentlichte.
20.04.2021, 14:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Annika Lütje und Esther Nöggerath

Der Lockdown und die Kontaktbeschränkungen im vergangenen Corona-Jahr haben sich positiv auf die Zahl der Unfälle im Stadtgebiet ausgewirkt. Das teilt die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch mit. Obwohl die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge gestiegen sei, was in der Regel auch zu höheren Unfallzahlen führe, treffe dieser Zusammenhang für das vorige Jahr nicht zu. In Delmenhorst ist die Zahl der Unfälle um 17,8 Prozent gesunken. Insgesamt 1225 Unfälle wurden im Jahr 2020 verzeichnet – im Jahr davor waren es noch 1490 gewesen. Die Ursachen der meisten Unfälle lassen sich so zusammenfassen: Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren, Missachtung der Vorfahrtsregelung, ungenügender Sicherheitsabstand, unangepasste beziehungsweise überhöhte Geschwindigkeit, Fehler beim Überholen und Fehler beim Abbiegen.

Auch die Zahl der Unfälle mit Verletzten ist gesunken – um 15,8 Prozent. Während die Zahl im Jahr 2019 noch 265 betragen hatte, waren es im Corona-Jahr nur noch 223. Schwer verletzt wurden 32 Menschen (2019: 42). Ein Unfallbeteiligter wurde – genau wie im Jahr 2019 – getötet. Auch die Zahl der schwer verletzten Kinder zwischen null und 14 Jahren ist im Vergleich zum Jahr 2019 um eines auf zwei Kinder gesunken. Dafür wurde 2020 ein Kind bei einem Unfall getötet.

Eine besondere Risikogruppe bilden laut der Polizei die jungen Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren, die eben auch unerfahren im Straßenverkehr sind. In dieser Gruppe stieg die Zahl der schwer verletzten Unfallbeteiligten von drei (2019) auf vier (2020). Bei den Senioren ab 65 Jahren ist die Anzahl der Unfälle mit Schwerverletzten von zehn (2019) auf neun (2020) gesunken.

Immer wieder sind auch Zweiräder in Unfälle involviert. Insgesamt 156 Radfahrer waren im Jahr 2020 in Unfälle verstrickt, davon wurden acht schwer verletzt. Im Vorjahr waren 184 Radfahrer involviert gewesen, darunter 15 Schwerverletzte. Und auch die Zahl der an Unfällen beteiligten Motorradfahrer ist rückläufig. Sie ist von 37 (2019) auf 26 (2020) gesunken. Während im Jahr 2019 noch sieben Motoraddfahrer schwer verletzt worden waren, waren es im Corona-Jahr noch drei. Und im Gegensatz zum Vorjahr, in dem sogar ein Motorradfahrer wegen seiner Verletzungen verstorben war, kam im Jahr 2020 keiner bei einem Unfall zu Tode.

Nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch auf den Autobahnen 1, 28 und 29 hat es aufgrund der Corona-Pandemie und ihrer Folgen im vergangenen Jahr deutlich weniger Unfälle gegeben. Rund 22 Prozent weniger Unfälle im Vergleich zu 2019 hat die Autobahnpolizei Ahlhorn auf den insgesamt 145 Kilometern Strecke, für die sie zuständig ist, verzeichnet. „Im Zeitraum des Lockdown gingen die Verkehrsunfälle sogar um etwa 50 Prozent zurück“, heißt es in der Unfallstatistik. Insgesamt 1179 Unfälle hat die Autobahnpolizei 2020 verzeichnet (Vorjahr: 1520). Mit den Anfang Mai beschlossenen Lockerungen, insbesondere für den Tourismus, verzeichnete die Autobahnpolizei jedoch einen sprunghaften Anstieg der Verkehrsunfallzahlen. „Teilweise lagen diese sogar über dem Vorjahresniveau“, teilt die Autobahnpolizei mit. Mit Verschärfungen der Corona-Regeln fielen die Zahlen dann erneut merklich ab.

Die Unfälle mit Verletzten waren im Vergleich zu der Gesamtzahl nicht ganz so rückläufig. 175 verzeichnete die Autobahnpolizei Ahlhorn 2020, im Jahr davor waren es noch 204 gewesen, also ein Rückgang um gut 15 Prozent. Die Anzahl von schwer verletzten Personen lag mit 60 auf einem ähnlich hohen Wert wie 2019 (59). Und die Zahl der Getöteten hat sich auf dem gesamten Streckennetz sogar auf zehn verdoppelt: Diese Zahl sei maßgeblich durch zwei tragische Unfälle bestimmt worden, heißt es seitens der Autobahnpolizei. So habe sich im Januar 2020 ein schwerer Unfall auf der Autobahn 1 im Bereich der Gemeinde Dötlingen ereignet, als es im Nebel zu einem Zusammenstoß mehrerer Autos und Lastwagen kam. Insgesamt waren 29 Menschen an dem Unfall beteiligt, zwei Verkehrsteilnehmer erlitten dabei tödliche Verletzungen. Bei einem weiteren Unfall im Oktober 2020, ebenfalls auf der Autobahn 1, starben zudem fünf Menschen in einem Kleintransporter an den Unfallfolgen.

Dabei steht weiterhin jeder dritte Unfall im Zuständigkeitsbereich der Autobahnpolizei Ahlhorn in Zusammenhang mit Verkehrsstörungen, die etwa durch Baustellen verursacht werden. Als Hauptunfallursachen gelten hierbei die Übermüdung und die Ablenkung der Fahrzeugführer. 80 Prozent aller Unfälle werden laut Autobahnpolizei nach wie vor durch die für den Schnellstraßenverkehr „typischen Fehlverhaltensweisen“ verursacht. Neben Fehlern beim Fahrstreifenwechsel und der Missachtung der Vorfahrt beim Einfädeln an Anschlussstellen und Parkplätzen sei häufig auch der unzureichende Sicherheitsabstand im Zusammenspiel mit der Fahrgeschwindigkeit ein Faktor.

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