Aufklären und auch ahnden

Müll-Polizei und Sozialarbeit

Die FDP will eine Müll-Polizei, der parteilose OB-Kandidat Andreas Nuß spricht sich für empfindliche Strafen aus, und auch die SPD dringt darauf, dass Fehlverhalten auch zu Ordnungsmaßnahmen führen muss.
27.04.2021, 19:30
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Müll-Polizei und Sozialarbeit
Von Gerwin Möller
Müll-Polizei und Sozialarbeit

Die Vermüllung in Delmenhorst nimmt zu, gerade im Stadtteil Düsternort sei die Problematik am größten, heißt es.

INGO MOELLERS

Unrat und Müll sind für alle Delmenhorster ein unnötiges Ärgernis. „Das zieht sich durch alle Bereiche der Stadt“, sagt der parteilose Oberbürgermeisterkandidat Andreas Nuß. „Wir benötigen deutlich mehr Müllbehälter im sozialen Mietwohnungssektor mit vermehrten Leerungen“, so Nuß. Er sieht den Schwerpunkt der Problematik also in den Bereichen der Stadt, die ohnehin als soziale Brennpunkte gelten. „Das nach außen hin größte sichtbare Problem ist die zunehmende Vermüllung der Straßen“, sagt selbst SPD-Fraktionsvizin Andrea Lotsios. Sie spricht die Problematik im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Neukonzeptionierung der Stadtteilsozialarbeit in Düsternort an. Es seien „Maßnahmen erforderlich, die aus einem Ineinandergreifen aus Aufklärung, Information und ordnungsgebenden Aktivitäten bestehen müssen“. Für Lotsios steht die enge Abstimmung aller Akteure des bereits heute bestehenden Netzwerkes an erster Stelle. Es müssten aber neue Maßnahmen vereinbart und realisiert werden. Sie fordert den direkten Dialog mit den Bewohnern, Sprachbarrieren sollten durch den Einsatz von Mitarbeitern, die die Heimatsprachen beherrschen, überwunden werden. Es müssten die Grundlagen des respektvollen Miteinanders kommuniziert werden. Das schließe ein, dass „dauerhaftes Fehlverhalten dann auch zu Ordnungsmaßnahmen führen muss und wird“.

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Funda Gür, SPD-Kandidatin fürs Oberbürgermeisteramt, formuliert als einen wichtigen Aspekt für die Neuausrichtung der Stadtteilsozialarbeit den Zuzug von EU-Bürgern aus Osteuropa. Es gehe ihr darum, dass Präsenz gezeigt wird. Das solle in Form eines kontinuierlichen persönlichen Kontakts, durch aufsuchende Sozialarbeit und durch Streetworking passieren. Gür wünscht sich dafür die Zusammenarbeit mit dem Nachbarschaftsbüro und dem Jugendhaus.

Für Nuß kann die Eindämmung illegaler Müllablagerungen gelingen, wenn empfindliche Strafen drohen. Der OB-Kandidat hat sich mit der Abfallbilanz der Stadt befasst. Zwischen 2016 und 2020 sei der Müllberg gewachsen, so hätten Plastikverpackungen um 213 Tonnen zugenommen. Im genannten Zeitraum sei der Hausmüll um 313 Tonnen gestiegen, und es seien 57 Tonnen mehr Straßenmüll zur Entsorgung verbracht worden. „Ich habe Passanten befragt, und auch die sind über die Situation zu weniger Mülltonnen verärgert: Einige gaben an, dass sie schon mehrfach die Stadtverwaltung auf die Situation der fehlenden Mülltonnen aufmerksam gemacht haben.“ Nuß prangert auch an, dass der Sperrmüllabtransport nicht bürgerfreundlich verlaufe, „wenn auf einen Sperrmüllhaufen vor der Abholung noch zusätzliche Gegenstände gelegt werden, dann wird der Unrat liegen gelassen“. Als Nachfolgeproblem der Vermüllung warnt Nuß vor einer Vermehrung der Rattenpopulation.

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Seit Januar verfüge das Rathaus über einen Außendienstmitarbeiter, der gezielt zur Kontrolle von illegalen Abfallablagerungen eingesetzt werde, so eine Information der Stadtverwaltung an die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Gewässerschutz Mitte dieses Monats. Die FDP hatte durch ihren Oberbürgermeisterkandidaten Murat Kalmis gefordert, "analog zum bestehenden System der City-Streife eine „Müll-Kontrolle“ laufen zu lassen. Das Pilotprojekt "mit Ausrichtung auf besonders durch Wildmüll belastete Stadtteile" solle im Delmenhorster Stadtsüden und in Teilen des „alten“ Deichhorst gestartet werden. Der Vorschlag kommt am nächsten Mittwoch auf die Tagesordnung der öffentlichen Ratssitzung.

Gegen die Vermüllung kann man auch ganz praktisch vorgehen: Unter dem Motto „Let’s clean up„ hatte der Verein „Im Hørst daheim“ in der vergangenen Woche zu einem Frühjahrsputz aufgerufen. Zum Müllsammeln im öffentlichen Bereich wurden Säcke, Handschuhe sowie Greifzangen verteilt. „Es haben sich zwischen Montag und Sonntag 50 Erwachsene und sogar 55 Kinder beteiligt“, bilanzierte Vereinssprecherin Svenja Kahle. An der Grünen Straße konnten die coronabedingt nicht gemeinsam agierenden Müllsammler ihre vollen Beutel und die Greifzangen ablegen. „Dabei sind rund 60 Säcke zusammengekommen, und drei Autositze“, berichtete Kahle. Die Sitze seien in Hasbergen geborgen worden.

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Zur Sache

Statt Müll wächst Blütenpracht

Der Verein „Im Hørst daheim“ setzt sich für ein familienfreundliches Leben in und um Delmenhorst ein. Dort ist man überzeugt, mit der Aktion Frühjahrsputz Kindern und Familien das Thema Müll, Umwelt und Eigenverantwortung nähergebracht zu haben. Eltern können ihren Kindern vorleben, dass jeder anpacken kann, um Orte schöner zu machen. Der gesammelte Müll wird vom Verein übrigens symbolisch in Blumensamen für einen bienenfreundlichen Wiesenrand in Hasbergen umgewandelt. Die Wiese liegt schön gelegen an einem Radweg, sodass sich dort im Sommer viele Radfahrer an dem Anblick erfreuen können.

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