Orthopädische Fachklinik Stenum Unter den besten zehn Prozent

Nach einer Erhebung der FAZ gehört die Orthopädische Fachklinik Stenum zu den besten zehn Prozent der deutschen Krankenhäuser. Die Verantwortlichen freuen sich über eine hohe Patientenzufriedenheit.
02.07.2018, 16:55
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Unter den besten zehn Prozent
Von Jochen Brünner

Es gibt Wettbewerbe, da kann man sich auch über einen 196. Platz so richtig freuen. Zum Beispiel die Erhebung "Deutschlands beste Krankenhäuser", die die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) gemeinsam mit der Agentur Faktenkontor auf den Weg gebracht hat. Insgesamt haben die Initiatoren knapp 2000 Krankenhäuser in Deutschland unter die Lupe genommen und 417 davon als "Deutschlands Beste" aufgelistet. Und auf Platz 196 findet sich die Orthopädische Fachklinik in Stenum.

Ausgewertet wurden dabei die jährlichen Qualitätsberichte, die die einzelnen Häuser auf der Basis nachprüfbarer Fakten erstellen. Dabei geht es unter anderem um die Qualifikation der Ärzte und der Pfleger, die Häufigkeit von Komplikationen oder die Zahl der Betten. Stolz sind die Verantwortlichen um den ärztlichen Direktor Dr. Karsten Ritter-Lang auch deswegen, weil es nur relativ wenige Häuser in der Region auf die Liste geschafft haben. Ausnahmen sind das Pius-Hospital in Oldenburg sowie die Paracelsus- und die Roland-Klinik in Bremen.

"Dass wir relativ gut sind, wussten wir, denn auch in der weißen Liste der Bertelsmann-Stiftung kommen wir auf eine Zustimmung von rund 94 Prozent. Aber das wir zu den besten zehn Prozent gehören würden, hat mich schon überrascht", erklärt Ritter-Lang. Zumal die kleine Spezial-Klinik mit maximal 61 Betten das Handicap habe, etwa keine Geburtshilfe anzubieten und in diesem Bereich also keine Punkte sammeln kann. "Ganz nach oben werden wir es deshalb nie schaffen", sagt Ritter-Lang, wobei er betont, dass es die Stenum Ortho GmbH grundsätzlich ablehne, sich in derartige Bewertungsrankings einzukaufen.

"Wir haben unser Beschwerdemanagement in den vergangenen Jahren umgebaut", erläutert Ritter-Lang. "Bei uns werfen die Patienten nicht irgendwo einen Zettel in einen Briefkasten. Wenn wir mitkriegen, dass es irgendwo hakt, suchen wir das direkte Gespräch mit dem Patienten", erklärt der ärztliche Direktor. Das Ergebnis ist ein fast beängstigend positives Feedback. Etwa 600 der rund 1000 Patienten hätten im vergangenen Jahr den hausinternen Beurteilungsbogen ausgefüllt – mit einer Weiterempfehlungsquote von 100 Prozent. "Dabei wollen wir dabei ja insbesondere lernen, was wir noch besser machen können", würde sich Ritter-Lang den einen oder anderen kritischen Kommentar durchaus wünschen.

Schwarze Zahlen seit 2013

Transparenz ist Ritter-Lang sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation sehr wichtig. "Wir haben nur deshalb keinen Aufsichtsrat, weil wir damals niemand gefunden haben, der diese Aufgabe übernehmen wollte", erinnert er an die Umstrukturierung im Jahr 2012. "Seit 2013 schreiben wir konstant schwarze Zahlen, und insbesondere die Jahresabschlüsse 2016 und 2017 waren sehr gut, wobei wir das Ergebnis 2018 vielleicht nicht ganz wieder erreichen werden", sagt der ärztliche Direktor, der gleichzeitig auch zu den Gesellschaftern der Klinik gehört. Positiv sei in diesem Zusammenhang auch, dass sich die Gesellschafter auf die Fahnen geschrieben hätten, das Haus in seiner Kernkompetenz zu stärken und sich in ihrem Handeln nicht von Renditeerwartungen leiten lassen würden. In diesem Frühjahr habe der Klinik allerdings die Grippewelle einigermaßen stark zugesetzt: Viele geplante orthopädische Operationen hätten daraufhin längerfristig verschoben werden müssen, weil die Patienten teilweise auch nach vier Wochen noch nicht wieder so fit gewesen seien, um den entsprechenden Eingriff durchzustehen.

Nach überstandener Insolvenz firmiert die über 90 Jahre alte Klinik seit 2012 als GmbH. Nachdem die neuen Betreiber mit einer 20 Jahre alte Infrastruktur gestartet sind, ist der Sanierungsstau, etwa in den Bereichen Haustechnik, Anlagen oder EDV, laut Ritter-Lang inzwischen weitgehend abgebaut, sodass sich das Haus mittlerweile in einem "normalen Erneuerungszyklus" befinde. So haben die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren etwa sämtliche Betten ausgetauscht, die EDV komplett erneuert und ein neues Entertainment-System für die Patienten installiert.

Auch der Fachkräftemangel macht sich in Stenum gegenwärtig noch nicht dramatisch bemerkbar. Ritter-Lang und Verwaltungsleiterin Susanne Langfeld sind glücklich, gerade neue Pflegekräfte eingestellt zu haben. Für das Ärzteteam sucht die Klinik gegenwärtig noch einen Anästhesisten: "Anästhesie ist wie Goldstaub", weiß der ärztliche Direktor um die Schwierigkeit, entsprechendes Personal zu finden. Im Falle der Assistenzärzte mangelt es vor allem an deutschen Bewerbern. Und um ausländische Kräfte besser zu integrieren und deren Kommunikation mit Patienten zu verbessern, holt Ritter-Lang bei Bedarf auch schon mal einen Sprachlehrer in die Klinik.

Mutig prüfen

Für die Zukunft wünscht sich Ritter-Lang, "dass die turbulenten Diskussionen um medizinische Sachverhalte aufhören." So würde das Infragestellen von Operationen teilweise an den Lebensrealitäten einer immer älter werdenden Bevölkerung vorbei gehen: "Im Gegensatz zu der Zeit vor 30 Jahren sind Senioren heute nicht mehr bereit, sich im Alter von 70 Jahren mit ihren orthopädischen Beschwerden abzufinden", sagt Ritter-Lang. Außerdem fordert er, dass die Politik die Daseinsfürsorge wieder stärker zu ihrem Thema macht: "Das ganze System muss mutig geprüft werden. Gesundheitskampagnen kann man so lange vergessen, solange man die Menschen vor allem über die 'Geiz-ist-geil-Mentalität' erreicht. Dann müssen die Kassen eben auch mal über Zusatzbeiträge für Übergewichtige nachdenken. Aber da traut sich zurzeit noch niemand ran", sagt Ritter-Lang.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+