Raumnot an der Jägerstraße und in Hude-Süd / Bereits Fachräume in Klassenräume umgewandelt

Unterrichtscontainer für die Grundschulen

Hude. „Wir platzen aus allen Nähten.“ So beschreibt die Leiterin der Grundschule Hude-Süd, Birte Kempers, die aktuelle Raumsituation an der Glatzer Straße.
10.03.2016, 00:00
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Von Ute Winsemann

„Wir platzen aus allen Nähten.“ So beschreibt die Leiterin der Grundschule Hude-Süd, Birte Kempers, die aktuelle Raumsituation an der Glatzer Straße. Und an der Grundschule Jägerstraße sieht es nicht anders aus. Auch dort hat ihre Kollegin Ilona Schütte schon notgedrungen Fach- in Klassenräume umgewandelt. Damit Kindern und Lehrern geholfen werden kann, soll der Ratsausschuss für Schule und Bildung am kommenden Montag, 14. März, (17 Uhr, Mensa der Peter-Ustinov-Schule, öffentlich) darüber beraten, an beiden Standorten Container aufzustellen.

„Wir haben kurzfristig die Möglichkeit, zwei Container zu bekommen“, erklärt Bürgermeister Holger Lebedinzew, warum für die Entscheidung extra eine zusätzliche Ausschuss-Sitzung anberaumt wurde. Die beiden Container stünden derzeit noch in Hatten, würden dort aber nicht mehr gebraucht. Wenn die Gemeinde Hude sie haben wolle, müsse sie das schnell verbindlich erklären, „bevor sie an einen anderen Standort vermietet werden“.

Hintergrund der Raumnot ist zum einen die allgemeine Bevölkerungsentwicklung, zum anderen der Zuzug von Flüchtlingen. Deshalb mussten bereits zusätzliche Klassen in den eigentlich zweizügigen Schulen eingerichtet werden. An der Jägerstraße gibt es im ersten und zweiten Jahrgang jeweils drei Klassen, „und zwar unabhängig von den Flüchtlingen, wie Leiterin Ilona Schütte betont. Es seien ohnehin zwei volle Jahrgänge gewesen. Deshalb seien die Erstklässler gleich dreizügig eingeschult worden, und die zweiten Klassen seien zu Schuljahresbeginn aufgeteilt worden.

In Hude-Süd wurde nach den Halbjahreszeugnissen im zweiten Jahrgang eine weitere Klasse geschaffen. „Der Jahrgang war schon zum Schuljahresbeginn an der Teilungsgrenze“, berichtet Schulleiterin Kempers. „Aber wir hatten die Sorge, dass einige Kinder aus dem Kosovo wieder zurückkehren müssen.“ Deshalb habe sie die Kinder nicht schon im Sommer aufteilen wollen, nur um sie womöglich anschließend wieder zusammenführen zu müssen. Doch mittlerweile sei die Grenze klar überschritten gewesen. Das sei sie im Übrigen auch im vierten Jahrgang. Doch so kurz vor dem Ende der Grundschulzeit werde sie die Klassen nicht neu zusammenwürfeln, sagte die Pädagogin, sondern bis zum Sommer lieber in eigentlich zu großen Verbänden weiter unterrichten.

Zu den regulären Klassen kommen an beiden Standorten auch noch Sprachförderkurse dazu. Und auch das dürften eher noch mehr werden. Allerdings wissen die Schulleiterinnen ebenso wenig wie die Gemeindeverwaltung, was genau auf sie zukommt. Sie können bislang nur mit den angekündigten Flüchtlingszahlen kalkulieren und mit der Erfahrung, dass unter den bisher nach Hude gekommenen Asylbewerbern etwa ein Viertel schulpflichtige Kinder waren. Das wären nach Schätzung der Verwaltung allein bis Ende März noch einmal 30 bis 40 mehr. Doch ob es weniger oder mehr werden und wie alt sie seien, ist noch nicht bekannt. „In der dritten Klasse habe ich noch ein bisschen Platz“, sagt Birte Kempers. „Aber in der ersten sind wir auch fast am Anschlag, wenn das noch mehr werden, müsste ich auch den Jahrgang aufteilen.“

Der Raumbedarf ist jedoch schon ohne weitere neue Klassen da. An der Jägerstraße wurden der Förderraum und der Musikraum in Klassenräume umfunktioniert. Die Instrumente sind derweil in der Bücherei untergebracht, die den Kindern deshalb nicht mehr ohne Aufsicht zur Verfügung steht. In Hude-Süd sitzen Klassen in Räumen, die bisher als Computer- und als Musikraum dienten. „Es geht nicht um ,nice to have’“, unterstreicht Birte Kempers. „Wir brauchen die Fachräume zwingend, um unseren gesetzlichen Bildungsauftrag zu erfüllen.“

Container seien zwar nicht ideal, findet die Lehrerin. Aber sie habe selbst schon darin unterrichtet, und es sei zumutbar. Und „besser als auf dem Flur oder in einer abgeteilten Turnhalle“ seien die Bedingungen allemal.

Nun hoffen die Schulleiterinnen, dass auch die Politik das so sieht. Für die dürften neben den pädagogischen Fragen auch die Kosten eine Rolle spielen. Laut Verwaltung fallen pro Container einmalig 2858 Euro für die Aufstellung an und danach monatliche Miet- und Betriebskosten von 959,85 Euro. Macht für zwei Container und ein Jahr insgesamt 28 750 Euro. „Auf lange Sicht sind Container teuer“, sagt Bürgermeister Lebedinzew. Doch angesichts der vielen Unwägbarkeiten der Flüchtlingssituation halte er sie kurzfristig für die angemessene Variante.

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