120 Oldtimer rollten durch Delmenhorst und umzu Unterwegs in Kultautos und Raritäten

„Mercedes Benz 190 Ponton, Baujahr 1959“, schallte es aus den Lautsprechern als Ingrid Huntemann und Carsten Buß mit ihrem Wagen die Startlinie passierten. Sie traten am Wochenende bei der 13. Oldtimer-Rallye des ADAC-Ortclubs Delmenhorst an.
08.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Theresa Mielenz

„Mercedes Benz 190 Ponton, Baujahr 1959“, schallte es aus den Lautsprechern am Start der 13. ADAC Oldtimer-Rallye, als Ingrid Huntemann und Carsten Buß mit ihrem Wagen die Startlinie passierten. Sie traten gestern auf 120 Kilometern gegen 119 Konkurrenten an, die den Sieg bei der vom ADAC-Ortsclub veranstalteten Tour „Rund um die Hünengräber“ davontragen wollten. Dabei waren Kultautos und Raritäten aus den Jahren 1950 bis 1995.

Bei strahlendem Sonnenschein fiel der Startschuss am Autohaus Mock in Delmenhorst. Von dort aus führte die Route durch Hasbergen, Neuendeel und Deichhausen nach Lemwerder. Weiter ging es über Ritzenbüttel und Bardewisch zur Mittagsrast in Grüppenbühren. Nach der Verschnaufpause rollte die Kolonne später über Berne, Bookholzberg, Stenum und Deichhorst zurück zum Autohaus.

„Ich mache noch schnell die Klimaanlage an“, sagte Ingrid Huntemann nach dem Start – und kurbelte das Fenster runter. In ihrem Mercedes herrschten zu diesem Zeitpunkt gefühlte 50 Grad. Die 66-Jährige, die seit nunmehr 13 Jahren Oldtimer-Rallyes fährt, ahnte bereits, dass diese Tour besonders anstrengend werden könnte: „Servolenkung ist bei uns generell ein Fremdwort. Und bei diesen Temperaturen wird das noch schwieriger.“

Ihr Neffe Carsten Buß hat derweil schon Bordbuch und -karte gezückt und gibt erste Navigationsanweisungen: „Stumpf vor links!“ Die Straße endet an der nächsten Ecke, und der Ponton legt sich schwungvoll in die Kurve. Ohne Gurte und Airbags ein durchaus abenteuerlicher Spaß. „Das ist es, worum es uns beim Fahren geht: Spaß“, stellt Buß klar. Wenn er und seine „Inni“ zusammen unterwegs sind, werde immer jede Menge gescherzt.

So auch bei der ersten Rallye-Aufgabe, der „Sollzeitprüfung“. Ziel ist es, einen festgelegten Streckenabschnitt in einer vorgegebenen Zeit hinter sich zu lassen. „Los Inni, Gas“, ruft Buß und feuert seine Tante an. Doch zu spät – sie hat den Kontrollpunkt zu spät gesehen und dadurch gehörig an Zeit verloren. „Deine hübschen Augen musst du schon aufmachen“, rügt Buß liebevoll. Davon lässt sich seine Tante nur wenig beeindrucken. „Carschti-Schätzchen, ist ja gut“, sagt sie, fährt die Runde noch mal und holt sich am Kontrollposten den Stempel ab. Erledigt. Es folgt ein versöhnlicher Blick, dann geht es weiter.

"Eine eigene kleine Welt"

Hinter der nächsten Kreuzung erwarten den Ponton immer wieder Zuschauer am Straßenrand. Sie haben Klappstühle mitgebracht und machen Fotos. Wiederholt winkt Ingrid Huntemann und schenkt den Schaulustigen ein kleines Hupkonzert. „Selbstverständlich ist man ein bisschen stolz“, sagt sie und streichelt über das Armaturenbrett ihres Wagens. Ihr „Baby“ hat sie sich vor 13 Jahren zusammen mit ihrem Mann Uwe gekauft.

„Seitdem sind Oldtimer-Rallyes unser gemeinsames Hobby. Wir waren inzwischen in der ganzen Nation unterwegs“, erzählt sie. Inzwischen sind die Huntemanns in der Oldtimer-Szene bestens bekannt. „Das ist eine eigene kleine Welt. Man sieht immer wieder dieselben Gesichter und knüpft nette Kontakte“, berichtet Ingrid Huntemann. Plötzlich geht sie in die Eisen, hat die nächste Abfahrt verpasst. „Man sollte die Konzentration nicht unterschätzen. Neben dem Spaß an der Freude ist das immer noch eine Sportveranstaltung“, sagt sie ernst und wendet. „Diese Kurbeleien“, stöhnt sie und setzt die Fahrt schweigend fort. Es riecht nach Benzin. An dieser Stelle wird klar: Hier ist auch eine Menge Ehrgeiz im Spiel.

Neben dem sportlichen Teil der Veranstaltung gab es am Sonntag auch für die Rallye-Fahrer ein paar Raritäten unter den Autos zu bestaunen. Dabei war unter anderem ein BMW 2002 turbo. „Weltweit gibt es davon nur noch 300 Stück“, erklärte eine Fahrerin. Ihr Exemplar sei seit knapp 30 Jahren in Familienbesitz. „Das war damals der erste Wagen mit Turbolader“, sagte sie. „Er war so schnell, dass er mit einem Aufkleber gekennzeichnet wurde“, erklärte eine Fahrerin und zeigte auf den Frontspoiler. Der Fahrtenleiter des Ortsclubs Delmenhorst im ADAC, Karl-Ernst Meyer, hob außerdem den blauen VW 26 T1 Pritsche und den Fiat 500 R. Giannini hervor. „Der VW ist ein echtes Unikat, den muss man sich ansehen. Der Fiat ist dagegen eine kleine Knutschkugel, aber auch ein ganz tolles Ding“, sagte Meyer. Der Citroën 11CV BN zog ebenfalls viele Blicke auf sich.

„Das ist nicht das letzte Rennen in diesem Jahr“, kündigte Ingrid Huntemann derweil an. Sie kämpfte noch mit den kleinen Tricks, die von den Routenplanern in die Strecke eingebaut wurden. Ihr Ehrgeiz war geweckt. Das nächste Mal wird aber wohl wieder ihr Mann Uwe auf dem Beifahrersitz die Navigation übernehmen. „Mit dem muss ich aber erstmal wegen dieser Streckenplanung schimpfen“, sagte sie scherzhaft – denn er hatte sie in diesem Jahr mitentworfen.

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