Ärger über Corona-Regeln

Mann wirft Molotow-Cocktails auf Delmenhorster Rathaus

Weil er unzufrieden mit den Corona-Regeln war, hat ein 30-Jähriger in der Nacht zum Mittwoch Brandsätze auf das Rathaus in Delmenhorst geworfen. Zeugen hielten den Mann bis zum Eintreffen der Polizei fest.
24.03.2021, 10:48
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa/sei/ika
Mann wirft Molotow-Cocktails auf Delmenhorster Rathaus

Die Feuerwehr löschte den Brand im Delmenhorster Rathaus.

Nord-West-Media TV/dpa

Kaputte Möbel und Büromaterialien liegen auf einem Haufen vor dem Delmenhorster Rathaus. Im gesamten Gebäude riecht es nach Rauch. Kaputte Fenster der Touristen-Information wurden mit Brettern provisorisch gesichert. Die Räume der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft zeigen sich stark verrußt. Noch suchen Beamte der Polizei nach Spuren. In der Nacht zu Mittwoch hat es einen Brandanschlag auf das denkmalgeschützte Rathaus gegeben.

Dienstagabend, gegen 22.30 Uhr, schlug ein 30-jähriger Mann aus Delmenhorst ein Fenster des Verwaltungssitzes ein und warf mehrere als Molotow-Cocktail präparierte Glasflaschen ins Dienstgebäude (siehe Bericht auf Seite 12 der Hauptausgabe). Dadurch brach ein Feuer aus, worauf über die Brandmeldeanlage der Notruf 112 alarmiert wurde. 35 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Ortswehr rückten an, um die Flammen zu löschen. Der vermeintliche Brandstifter konnte durch den mutigen Einsatz dreier Zeugen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Er wurde Mittwochmorgen verhört. Laut Polizeisprecherin Lorena Lemke gab der Mann an, den Anschlag verübt zu haben, um seine Unzufriedenheit mit den Corona-Regeln zum Ausdruck zu bringen.

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Delmenhorsts Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) war noch in der Nacht zu seinem Amtssitz geeilt. „Ich danke der Feuerwehr, ich danke der Polizei, und ich spreche den Zeugen meine Anerkennung aus“, sagte das sichtlich erleichterte Stadtoberhaupt. „Das Rathaus hat für die Stadt einen hohen Symbolcharakter“, so Jahnz. Das Engagement der drei Zeugen im Alter von 43, 20 und 18 Jahren beeindruckte ihn: „Diese Männer haben nicht weggeschaut, sondern Zivilcourage gezeigt“, sagte Jahnz. Der mutmaßliche Täter war laut Polizei bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Jedoch sind mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnungen gegen ihn anhängig. Die Feuerwehrwache ist nicht fern vom Rathaus: Deren Chef Holger Klein-Dietz berichtete dem WESER-KURIER, dass man schnell gemerkt habe, dass es sich nicht um einen der häufigen Fehlalarmierungen gehandelt habe. Nachdem der Brand gelöscht war, begann man mit umfangreichen Belüftungsmaßnahmen, das gesamte Gebäude war verraucht, „den Geruch wird man noch tagelang wahrnehmen“, so Klein-Dietz. Im Anschluss halfen die Brandbekämpfer noch, den Verwaltungssitz zu sichern. Es galt, das eingeschlagene Fenster zu vernageln und die Verkehrssicherheit rund ums Rathaus wiederherzustellen.

Sechs Beschäftigte der Wirtschaftsförderungsgesellschaft sowie eine Kollegin aus dem Kulturbüro, deren Arbeitsplätze sich in dem unmittelbar betroffenen Bereich befanden, müssen zunächst anderweitig untergebracht werden. Die übrigen Stellen im Rathaus arbeiten weiter wie zuvor. Wie hoch der Schaden an dem denkmalgeschützten Gebäude und am Inventar – unter anderem auch historische Holzwände der ehemaligen Stadtkasse – ist, lässt sich bislang nicht absehen. Ebenso ist noch unklar, wie lange es dauern wird, bis die beschädigten Räume wieder genutzt werden können.

Schnell gab es auch Verlautbarungen örtlicher Akteure der Kommunalpolitik. So äußerten sich die beiden Nachfolgekandidatinnen fürs Oberbürgermeisteramt, Petra Gerlach (CDU) und Funda Gür (SPD). „Was auch immer der Grund sein mag, so etwas zu tun: Es hilft keinem.“ Und so würden Ängste geschürt. „Für Hass, Gewalt und sinnlose Zerstörung habe ich null Verständnis“, sagte Petra Gerlach. Sie könne den Frust, der sich durch schwer nachvollziehbare Corona-Regeln des Staates aufstaue, verstehen. „Ich habe genauso die Nase voll wie ihr, das könnt ihr mir glauben.“ Nur gebe dies keinem das Recht zu einer solchen Tat. „Das Wichtigste ist, dass es glücklicherweise keine Verletzten bei dieser durch nichts zu entschuldigenden Tat gegeben hat“, erklärte Funda Gür. Besonders hervorzuheben sei die bemerkenswerte Zivilcourage der Zeugen, die die Ergreifung des Täters ermöglicht hätte. „Ebenso die hervorragende Arbeit der Feuerwehr, die weiteren Schaden an dem Gebäude verhindern konnte“, so Funda Gür.

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