Geschäftsbericht aus Delmenhorst

Sekunde für Sekunde im Hier und Jetzt

Delmenhorst bekommt seine eigene Uhrenmarke. Malte Thomeczek, Tim Benkus und André Lampe haben Vandaag gegründet und setzen dabei auf norddeutsche Attribute.
23.06.2020, 06:10
Lesedauer: 4 Min
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Sekunde für Sekunde im Hier und Jetzt
Von Annika Lütje

Delmenhorst. Die Zeit – viele Menschen hadern mit ihr. Sie schreitet unaufhörlich voran, meist vergeht sie zu schnell, sie treibt uns an. Hektische Blicke auf die Uhr sagen einem, wann der nächste Termin ansteht, wann man aufbrechen muss, dass man zu spät dran ist. Dabei ginge es doch auch anders. Ein Blick auf die Uhr kann auch ein Versprechen sein, Erfüllung mit sich bringen. Er kann einem verraten, wie viel Zeit noch bleibt, um diesen schönen Augenblick zu genießen, um den Tag auszukosten, um vielleicht einen Bus später zu nehmen. Eine Uhr kann einem dabei helfen, im Hier und Jetzt zu leben – Sekunde für Sekunde.

Das ist die Philosophie zweier Delmenhorster und eines Ganderkeseers. Malte Thomeczek, Tim Benkus und André Lampe haben die Delmenhorster Uhrenmarke Vandaag gegründet. „Vandaag“ ist Plattdeutsch und bedeutet übersetzt „heute“. „Heute ist die Zeit“, sagt Thomeczek, „das ist unser Motto. Heute ist die Zeit für die Familie oder das Hobby. Oder heute ist die Zeit, um den Tag zu nutzen. Unsere Uhren sollen entschleunigen.“

So schlüssig das klingt, so schwierig war die Namensfindung: „Das Design war relativ schnell klar, aber der Name …!“, erinnert sich Lampe und schüttelt lachend den Kopf. „Wir wollten den eigenen, norddeutschen Charakter einbringen: Ehrlichkeit, Fleiß, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Authentizität“, erklärt Thomeczek. Diese Attribute spiegeln sich nicht nur im Namen und dem Produkt, sondern auch in der Geschichte der Marke und ihrer Gründer.

Wenn man bedenkt, dass die drei Gründer im Altersspektrum von Ende 30 bis Mitte 40 liegen, haben sie bereits eine bemerkenswerte Berufserfahrung und Expertise – also genau den richtigen Hintergrund, um selbst etwas auf die Beine zu stellen. Malte Thomeczek wurde die Leidenschaft für Uhren genau genommen in die Wiege gelegt. Sein Vater Günther war einst Geschäftsführer der Firma Tutima, wo er unter anderem die Nato-Uhr entwickelte. Dann machte er sich mit der Firma Günther Thomeczek Incentive (GTI) selbstständig. Zu Hause gehörten Uhren sozusagen zum ständigen Inventar, und Sohn Malte durfte seinen Vater häufig auf Geschäftsreisen in alle Welt begleiten. Das Feuer für Uhren war beim Sohn schnell gelegt.

Internationale Meriten

Inzwischen ist er mit Tim Benkus Firmeninhaber von GTI. Benkus hat in dem Familienunternehmen seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, ist geblieben und wurde zum Uhrenspezialisten. Für Uhrenmarken auf der ganzen Welt haben Thomeczek und Benkus Uhren entwickelt und designt und zudem Firmen beraten – darunter beispielsweise Joop und das Schweizer Militär. Doch mit der Zeit fiel den beiden eine Entwicklung auf: „Früher ging es vor allem um die Uhren selbst, um ein tolles Design. Doch das Geschäft wurde immer geldorientierter, man spricht fast nur noch mit Betriebswirten. Vor allem seit dem Bankencrash geht es vorrangig um Erfolg und Gewinn“, sagt Benkus.

Es fehlte die Leidenschaft am Produkt. Und so entschieden sich Thomeczek und Benkus, eine eigene Marke auf die Beine zu stellen, in die sie ihr ganzes Herzblut fließen lassen können. Sie holten André Lampe ins Boot, der dank seiner eigenen Agentur Ecomai viel Erfahrung darin hat, Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Marke zu unterstützen. Nun ist er selbst Bestandteil eines solchen Unternehmens. Er kümmert sich um den Online-Shop und den Vertrieb. „Auch ich wollte nicht mehr nur Dienstleister sein, sondern mal etwas eigenes machen“, erzählt er. Beim Technischen und dem Bau der Uhren arbeiten die drei mit dem Uhrenmachermeister Hubertus Brons zusammen. „Ihm vertrauen wir absolut. Er hat seinen Beruf in der Schweiz gelernt und hat eine ansehnliche Laufbahn“, sagt Benkus.

Die Vandaag-Uhren sind „Made in Germany“, ihr Design ist norddeutsch – oder auch: „Weniger ist mehr“, sagt Thomeczek. Sie sind Hingucker, aber nicht überladen. Sie sind traditionell, aber nicht langweilig. Ab dem 29. Juni sind sie im Online-Shop zu sehen. Zwei Modelle sind dann ab Juli zu haben. Das erste Modell namens „Schallmauer“ ist an die klassischen Fliegeruhren angelehnt. Das zweite Modell, „Primus“, ist minimalistischer und eine Hommage an die Bauhaustradition. Das dritte Modell ist in Arbeit und an Taucheruhren angelehnt.

Konzentration auf Herrenuhren

Zunächst bietet Vandaag ausschließlich Herrenmodelle an. Dabei liegt das Hauptaugenmerk neben dem Design auf der Qualität. „Männer tragen nicht so viel Schmuck wie Frauen. Neben den Schuhen ist eine Uhr für sie fast die einzige Möglichkeit zu zeigen, wer sie sind“, sagt Lampe. Gleichzeitig soll eine Uhr aber auch ein Begleiter für jede Lebenslage sein. Deshalb sind die Vandaag-Uhren auch sporttauglich und können mit einem Sportarmband sogar im Wasser getragen werden.

Zunächst sind die Uhren ausschließlich online verfügbar. „Wir würden sie schon auch gerne im Handel anbieten, aber wir suchen noch Händler, die sie so präsentieren, wie wir uns das wünschen“, sagt Benkus. Für den Start haben sich die drei eine Crowdfunding-Kampagne überlegt, über die sie möglichst viele Menschen erreichen möchte. „Wer investiert, bekommt vergünstigt eine Uhr“, erklärt Benkus. Wer sich die Uhren schon mal vor dem Start des Online-Shops (www.vandaag.de) ansehen möchte, kann sich auf Instagram unter vandaag_de einen Vorgeschmack holen.

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