Posaunenquartett Varel und Trio „Ladiesbrass“ zeigen bunte Instrumental-Vielfalt in St. Laurentius Vergnügliche Blechbläserkunst

Delmenhorst. In alten Zeiten galt die Trompete als heiliges Instrument, ihr Klang symbolisierte die Stimmen der Engel oder die Stimme Gottes. Im Mittelalter traten Trompeter in höfische Dienste, die Musik der Blechbläser war sogar dem höfischen Zeremoniell vorbehalten.
12.06.2017, 00:00
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Von Günter Matysiak

Delmenhorst. In alten Zeiten galt die Trompete als heiliges Instrument, ihr Klang symbolisierte die Stimmen der Engel oder die Stimme Gottes. Im Mittelalter traten Trompeter in höfische Dienste, die Musik der Blechbläser war sogar dem höfischen Zeremoniell vorbehalten. Diese Verbindung zu Pracht und Macht hat sich bis heute erhalten. Wer wollte bestreiten, dass ein Blechblasensemble mit strahlendem Klang und goldfunkelndem Aussehen seine Wirkung nicht verfehlt. So war es denn auch bei einem Konzert, zu dem die St.-Laurentius-Gemeinde Hasbergen am späten Sonnabendnachmittag in ihre Kirche eingeladen hatte. Auch hier sorgte eine „Intrade“, komponiert von Georg Friedrich Händel und gespielt vom Posaunenquartett Varel für posaunengemäß dunkel getönte Festlichkeit. Pastor Stephan Meyer-Schürg machte seine Begrüßung launig an der Zahl „130“ fest, die er unter anderem dem gemeinsamen Lebensalter des Ehepaars Bödeker verdankte, das für die Organisation und Moderation des Konzertes verantwortlich war.

Die „130“ erwies sich auch als bibeltauglich, jedenfalls brachte des Pastors Bibel-Suchmaschine einige Ergebnisse, die er aber als theologisch unergiebig bezeichnete. Horst und Heike Bödeker führten dann sachkundig durch ein Programm, das von bunter instrumentaler Blech-Vielfalt war und sich wohltuend von traditionellen Programmen im Posaunenchorumfeld abhob. Neben dem Posaunenquartett spielten die junge, in Detmold studierende Trompeterin Tabea Löbbecke, begleitet von ihrem Vater, dem Cloppenburger Kreiskantor Jürgen Löbbecke an der Orgel, und das von der Trompeterin begründet Blechblas-Trio „Ladiesbrass“, in dem außer ihr Hornistin Svenja Trosin und Posaunistin Nele Hylser spielen.

Das Posaunenquartett Varel spielte mit Wilhelm Bloem und Thomas Goeken, Tenorposaune. Die zwei Bassposaunisten waren Sandro de Brito Soares und Matthias Brauch. Sie widmeten sich nach der barocken Intrada der sogenannten U-Musik, die in gelungenen Arrangements zu vergnüglicher Blechbläserkunst wurden. Das begann mit Mannig Shervins, einem Song, den unter anderem Rod Stewart oder Frank Sinatra gesungen haben. Hier „sangen“ ihn die vier Posaunen in harmonisch sauber ausgehorchter Dichte und gespanntem Ausdruck. Ari Barrosos berühmtes „Brazil“ bekam hier nicht unbedingt schwebende Luftigkeit, hatte aber durchaus temperamentvoll-brasilianischen Pep. Locker vergnügtes Musizieren herrschte im „Lollipop“ von Beverly Ross und Julius Dixon mit den witzigen, mundgemachten „Plops“. Mit knackigem Marschtritt direkt ins Wiener Caféhaus ging es mit Johann Schrammels „Wien bleibt Wien“, mit wohligen Choralklängen in die Welt vorsintflutlicher Ungeheuer bei John Williams „Jurassic Park“-Musik. Herman Hupfelds unvergesslich von Louis Armstrong gesungenes „As Time Goes By“ klang etwas eckig, hatte aber auch jazziges „feeling“.

Mit durchaus ja auch unterhaltender Musik aus dem Barock stellte sich Tabea Löbbecke als versierte Trompeterin solistisch vor. Die Arie „Let The Bright Seraphim“ aus Händels Oratorium „Samson“ spielte sie denn auch sehr kantabel mit warmem, vokal gefärbtem Trompetenton und spielerischen Dialogen mit der Orgel. Dass sie musikalisch auch mit den beiden Tangos von Astor Piazzolla etwas anzufangen wusste, war zu erwarten gewesen. Dass Jürgen Löbbecke auch der Orgel zu Tangogeschmeidigkeit verhelfen konnte, war eher überraschend. Seine beiden Solostücke auf der Orgel (ein Präludium von Nikolaus Bruhns und Felix Mendelssohn-Bartholdys „Wie groß ist des Allmächt’gen Güte“ zeigten ihn als Organisten, dem es auf formal gliedernde Gestaltung, Transparenz und auch virtuosen Glanz ankommt. Dreimal war das Trio „Ladiesbrass“ zu hören. Sein Name lässt erinnern, dass es Zeiten gab, da ziemte es sich für „Ladies“ ganz und gar nicht, ein Blechblasinstrument zu spielen. Hier taten sie es, blitzsauber intonierend, kammermusikalisch ausgehorcht mit Pfiffigkeit und Charme in Eric Ewazens geistreichem „A Philharmonic Fanfare“ oder auch im „Rondeau“ aus Francis Poulencs „Sonata für Horn, Trompete und Posaune“ mit ihrem klassizistischen Esprit. Voller Spielfreude und -witz geriet Robert Ricci Finks „Modalsuite“ als ausdrucksstarkes Spiel mit alten Tonarten.

Das Konzert war ein Benefizkonzert“ zugunsten eines Hilfsprojekts für ein 2015 vom Erdbeben zerstörtes Dorf in Nepal. Thomas Bödeker, einer der Initiatoren des Changu-Hilfe-Projekts, das von zwei Familien „gestemmt“ wird, stellte sein Projekt, das sich besonders um die Schulbildung auch behinderter Kinder bemüht, innerhalb des Konzertes in Wort und Bild vor. Das hatte eine hohe Eindringlichkeit. Das „Danke“ für stolze 2800 Euro Spendenerlös gab es schon im Voraus im fetzigen "Danke“-Song vom Posaunenquartett mit einem anspornenden verbalen Appell ihres Leiters Michael Karußeit zur Musik. Nach diesem musikalischen „Spendenaufruf-Melodram“, und dem Schlusswort mit einem „salomonischem“ Segen vom Pastor gab es ein von allen Bläsern und der Gemeinde gemeinsam gesungenes und gespieltes „Schlussstück“ in Ralf Grösslers „Bewahre uns Gott.“

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