Schwarzwild im Landkreis Oldenburg Viel zu viele Problemschweine

Die Jäger wollen in diesem Jahr die Schwarzwildpopulation im Landkreis Oldenburg unter Kontrolle halten. Ziel ist es dabei, so viele Wildschweine wie möglich zu erlegen.
10.01.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Viel zu viele Problemschweine
Von Michael Kerzel

Die Jäger wollen in diesem Jahr die Schwarzwildpopulation im Landkreis Oldenburg unter Kontrolle halten. Ziel ist es dabei, so viele Wildschweine wie möglich zu erlegen.

Sie leben in großen Mengen in der Region. Sie fressen Mais, Spargel und Kartoffeln. Zudem können sie die Afrikanische Schweinpest und andere Krankheiten übertragen: Wildschweine. „Eine unserer Hauptaufgaben dieses Jahr ist es, die Schwarzwildpopulation unter Kontrolle zu halten“, erklärt Helmut Blauth. Laut des Vizepräsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen sei es das Ziel der Jäger, so viele Wildschweine wie möglich zu erlegen – unter bestimmen Bedingungen. „Wir schießen beispielsweise das Muttertier nicht, wenn sie gerade Frischlinge hat“, sagt Blauth, der das Gut Dauelsberg in Delmenhorst leitet. Frischlinge werden hingegen geschossen. „Schwarzwild gehört zu den Gewinnern des Klimawandels. Das sind Generalisten, die überall zurechtkommen“, berichtet der Jäger und Landwirt.

Wildschweine übertragen Schweinepest und andere Erreger

Bachen haben keinen festen Rhythmus mehr und tragen das ganze Jahr über ihren Nachwuchs aus. Und je mehr Tiere einer Gattung auf dem gleichen Gebiet leben, desto größer ist die Gefahr einer Seuche. „Wildschweine übertragen nicht nur die Schweinepest, sondern auch andere Erreger“, sagt Schweinehalter Ralf Stöver aus Bühren. Bricht einmal eine Seuche aus, führt das zu Sperrbezirken und Keulungen – wie gerade aufgrund der Geflügelpest. „Wenn sich der Schweinpesterreger hier erstmal eingenistet hat, bekommt man den kaum noch weg“, befürchtet Stöver, der auch Jäger ist. Eine intensive Bejagung von Wildschweinen sei daher notwendig. Stöver relativiert jedoch, dass die Gefahr der Schweinpest seit Jahren vorliege, bisher jedoch noch nicht nach Deutschland gekommen, sondern vor allem in Osteuropa ein großes Problem sei.

Gefahr auch für Naturschutzgebiete

Wildschweine stellen nicht nur eine Gefahr für Nutztiere und Äcker dar, sondern auch für Naturschutzgebiete, weswegen es auch der BUND für notwendig hält, dass Schwarzwild intensiv gejagt wird. Zudem sei, sagt Wulf Carius von der BUND-Kreisgruppe Oldenburg-Land, der Bestand an Damm- und Rehwild in der Region zu hoch. „Hirsche und Rehe müssen stärker gejagt werden, da sie viele Schäden im Wald anrichten“, sagt er. Im Forst Harpstedt sei es kaum möglich, Hecken oder Ähnliches ohne Umzäunung hochzuziehen, da diese sonst von Rehen, Hirschen und Co. gefressen würden. Eine eher zu hohe Population an Dammwild in Wildeshausen und Harpstedt sieht auch Stefan Grußdorf vom Forstamt Ahlhorn. Die Anzahl des Dammwilds müsse aus Sicht der Förster mindestens konstant gehalten werden, meint er. „Es gibt erstmals Dammwild im Hasbruch“, berichtet er. Die Ausbreitung des Lebensbereichs sei ein Zeichen dafür, dass die Population zunehme. Grußdorf betont jedoch, dass es keine generelle Aussage über die Reviere gebe. So gebe es Gebiete mit hohen und niedrigen Populationen von Hirschen oder Rehen.

Ein grundsätzliches Problem haben Rebhühner und Fasane. Von diesen gebe es in der Region nur noch geringe Bestände, auch wenn diese wieder von Revier zu Revier stark unterschiedlich ausfielen, wie Blauth erklärt. „Fasane und Rebhüher gehören zu den Verlieren von Klimawandel und Landschaftsentwicklung, da sie Spezialisten sind“, sagt der Jäger. Diese Tiere brauchen die Randstreifen von Ackerland und die dortigen Wildkräuter. Da die Nutzflächen jedoch immer größer werden, gibt es weniger Randstreifen, erklärt Blauth. Die große Mitte von Maisfeldern sei für Rebhühner nutzlos. Die Niedersächsische Landesjägerschaft verzichtet bereits freiwillig darauf, Rebhühner zu jagen. Im Visier sollen 2017 Wildschweine stehen. Da sind sich Jäger, Landwirte und Naturschützer einig.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+