Aktionen zum Jahr der Wälder / Forstwirtschaft im Spagat zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem

Vom eingefangenen Sonnenlicht

Landkreis Oldenburg. Den Wald gibt es nicht. Es gibt nur viele verschiedene Wälder. Global gesehen etwa die tropischen Regenwälder rund um den Äquator, die borealen Nadelwälder in den kälteren Gebieten der Nordhalbkugel oder auch die mitteleuropäischen Laubwälder. Und auch die sind bei näherem Hinsehen höchst unterschiedlich. Das Bewusstsein gerade auch für die heimischen Wälder zu schärfen, ist eines der Hauptziele, dem sich die niedersächsischen Landesforsten mit den zu ihnen gehörenden Revierförstereien im soeben begonnenen internationalen Jahr der Wälder verschrieben haben.
04.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Landkreis Oldenburg. Den Wald gibt es nicht. Es gibt nur viele verschiedene Wälder. Global gesehen etwa die tropischen Regenwälder rund um den Äquator, die borealen Nadelwälder in den kälteren Gebieten der Nordhalbkugel oder auch die mitteleuropäischen Laubwälder. Und auch die sind bei näherem Hinsehen höchst unterschiedlich. Das Bewusstsein gerade auch für die heimischen Wälder zu schärfen, ist eines der Hauptziele, dem sich die niedersächsischen Landesforsten mit den zu ihnen gehörenden Revierförstereien im soeben begonnenen internationalen Jahr der Wälder verschrieben haben.

Wald ist dabei weit mehr als "eine Ansammlung von Bäumen, die einen eigenen Raum schaffen", wie Forst-Pressesprecher Rainer Städing eine grobe Definition versucht. Was Wald ist, lässt sich schon eher erahnen, wenn der Förster - kein bisschen professionell abgeklärt - das satte Gelb im Inneren eines frisch geschnittenen Kiefernstamms beschreibt. "Das ist wie eingefangenes Sonnenlicht", sagt er und schiebt gleich hinterher: "Ist es ja auch, durch die Fotosynthese." Da steckt Ästhetik mit fast schon mystischem Einschlag drin, komplexe natürliche Prozesse samt deren wissenschaftlicher Durchdringung und nicht zuletzt das menschliche Erleben und auch Nutzen des Ganzen. Denn wahrscheinlich wurde die Kiefer ja gefällt, um demnächst Dachstuhl oder Doppelbett zu werden.

"Waldkulturerbe"

Die enge Verbindung zwischen Wald und Mensch drückt sich auch in der Kampagne aus, die das von den Vereinten Nationen (UN) ausgerufene Jahr in Deutschland begleiten soll. Sie steht unter der Überschrift "Waldkulturerbe". Wald und Kultur, auf den ersten Blick vielleicht ein Widerspruch, "sind untrennbar miteinander verknüpft", meint Städing, gerade hierzulande. Weltweit gibt es zwar noch echte Urwälder, also vom Menschen unbeeinflusste, von Bäumen geprägte ökologische Systeme. Doch in Mitteleuropa sind davon nur noch vereinzelte kleine Relikte zu finden. Der Wald vor der Haustür ist, wenn nicht gleich von Menschen angepflanzt, dann zumindest von ihnen "überformt", wie Städing es nennt.

Das gilt selbst für so urwüchsig erscheinende Wälder wie den "Urwald" im Hasbruch - der eben keiner ist, sondern im Gegenteil Überbleibsel einer intensiven Bewirtschaftung durch Vieheintrieb. Und selbst heutzutage, da einige Teile des Hasbruchs bereits seit Jahrzehnten wieder stärker der natürlichen Entwicklung überlassen worden sind, führen schließlich noch Wege durch den vermeintlichen Urwald.

Die dienen nicht zuletzt Spaziergängern und damit dem Wald als Erholungsfaktor. Die soziale Komponente sei eine von dreien, die für die "multifunktionale Forstwirtschaft" maßgeblich seien, erläutert Städing. Die anderen beiden seien Ökonomie - also etwa Holzverwertung - und Ökologie - unter anderem Artenschutz. Ein dreibeiniger Spagat, der zudem nachhaltig sein soll. Das mittlerweile inflationär verwendete Konzept ist im Wald entstanden; ursprünglich beschrieb es eine Wirtschaftsweise, bei der nur so viel Holz entnommen wurde, wie nachwachsen kann.

Dem Anspruch würden die Förster gerecht, meint Städing. In Zukunft könnten sich die Interessenkonflikte allerdings noch verschärfen, befürchtet er, etwa wenn die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen weiter steige und gleichzeitig Menschen aus dem irgendwann unerträglich heißen Süden in den hiesigen Wäldern Abkühlung suchen. Dafür muss die Branche dann Lösungen finden. Doch Städing scheint zuversichtlich, dass das auch gelingen kann - nicht zuletzt, weil man im Wald schon immer weitsichtig planen musste.

All das und noch mehr wollen Städing und seine Kollegen mit verschiedenen Aktionen vermitteln. Dabei warten sie nicht etwa darauf, dass die Menschen alle zu ihnen in den Wald kommen. Vielmehr wollen sie versuchen, den Wald gerade auch denen teilweise buchstäblich näherzubringen, die damit bislang eher wenig anfangen können - was laut Umfragen auf rund 40 Prozent der Deutschen zutreffen soll. Plakate sollen bundesweit Aufmerksamkeit für den Wald und seine Bedeutung für die Menschen wecken - zentrale Aussage ist dabei in verschiedenen Variationen, was ohne ihn alles fehlen würde, nicht nur draußen, im Wald selbst, sondern auch im Alltag der Menschen - von Papier bis zu den Segelschiffen, mit denen Kolumbus einst nach Amerika gesegelt ist. Die niedersächsischen Landesforsten wollen unter anderem mit einer Ausstellung mit besonders gestalteten Holzklötzen in 30 größeren Städten Station machen. Dafür angefragt ist auch Delmenhorst.

Los geht's aber schon vorher. Am 21. März, dem schon Ende der 1970er Jahre ausgerufenen internationalen Tag des Waldes und diesmal Auftakt der Veranstaltungen zum Wälder-Jahr, will sich das Forstamt Ahlhorn mit einer Pflanzaktion für Schüler beteiligen. Wo genau sie junge Bäume setzen sollen, müsse noch festgelegt werden, sagt Städing. Im Mai werde auf jeden Fall eine Überraschung folgen, kündigt er an. Näheres mag und kann er nicht verraten, weil noch am Programm gebastelt wird. Jenseits der Aktionstage werde es wohl auch Führungen und Ähnliches geben - allerdings in begrenztem Umfang. Das vorhandene Personal müsse schließlich alles irgendwie nebenbei erledigen. Denn für das Jahr der Wälder gibt es zwar einen UN-Beschluss und eine übergreifende Kampagne - aber keine zusätzlichen Mittel an der Basis.

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