Museumstag: Haus Coburg versteigerte Gemälde und Kurioses / Nordwolle-Museum stellt Privatsammlungen aus

Von Bilderjägern und Sammlern

„Sammeln verbindet“ lautete das Motto des Internationalen Museumstages. Auch in Delmenhorst stand dieser Wahlspruch gestern im Mittelpunkt. Denn das Nordwolle-Museum und das Haus Coburg beteiligten sich mit besonderen Aktionen an der Veranstaltung.
19.05.2014, 00:00
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Von Kristina Bumb
Von Bilderjägern und Sammlern

Zum Ersten, zum Zweiten.... In der Städtischen Galerie wurde gestern versteigert (links). Im Industriemuseum (rechts) zeigte Sammler Frank Scheffka seinem Sohn Rolf und dessen Freund Nicolas die signierte Visitenkarte von Spiridon Louis, der bei den ersten Olympischen Spielen 1896 den Marathon gewann.

Ingo Moellers

„Sammeln verbindet“ lautete das Motto des Internationalen Museumstages. Auch in Delmenhorst stand dieser Wahlspruch gestern im Mittelpunkt. Denn das Nordwolle-Museum und das Haus Coburg beteiligten sich mit besonderen Aktionen an der Veranstaltung.

Weltweit wurde gestern der Internationale Museumstag gefeiert. Und auch Delmenhorst machte mit. Während in der Städtischen Galerie Kurioses oder auch Kulinarisches ersteigert werden konnte, gab es im Nordwolle-Museum gesammelte Stücke von Privatleuten aus Delmenhorst und Umgebung zu sehen.

Die Spannung in dem holzgetäfelten Raum der Städtischen Galerie stieg, als der Auktionator zur Versteigerung der ersten Katalognummer ansetzte: „Ich rufe die Nummer 101 auf, ein Vogelhaus zum Selbstbemalen.“ Ein Schnäppchen zum Startpreis von zehn Euro. Schnell wurden im Publikum Auktionskarten in die Höhe gereckt und es hagelte Angebote. Auch mit den anderen über 60 Objekten landeten die Organisatoren Treffer bei den Bietern. Ein zukunftsträchtiger Erfolg, wird doch mit dem Erlös ein Projekt der Künstlerin Sonja Alhäuser mit finanziert. Die sogenannte Eat-Art-Künstlerin soll am 16. Oktober eine komplett essbare Installation in der Markthalle gestalten. Die Kosten für das Event machen einen fünfstelligen Betrag aus.

Der Freundeskreis Haus Coburg hatte zusammen mit der Galerie die zwei gestrigen Versteigerungen auf die Beine gestellt und auch selbst einen großen Teil der Objekte gestiftet. Darunter Kreatives wie eine Vorlesestunde für Kinder, Kulinarisches oder Kurioses wie ein Strickkleid für den Lieblingsbaum. Aus den Schätzen des Hauses Coburg kamen unter anderem ein signiertes Ausstellungsplakat oder ein Katalog mit Zeichnung des Künstlers unter den Hammer. Michael Plehnert aus dem Vorstand des Freundeskreises Haus Coburg übernahm die Rolle des Auktionators und trug die Katalognummern mit viel Witz vor, was im Publikum für viel Erheiterung sorgte. Galerieleiterin Anett Reckert präsentierte die Auktionsobjekte. Nicht zuletzt gehörten die Mitglieder des Freundeskreises selber zu den fleißigsten Bietern.

Weiße Samthandschuhe streifte sich Annett Reckert über, als die Herzstücke der Versteigerung, mehrere Werke renommierter Künstler mit Startpreisen ab 400 Euro, aufgerufen wurden. Die Angebote der Eat-Art-Künstlerin Sonja Alhäuser und der Malerin Katya Bonnenfant, Gemälde im Kommunikationsprozess mit dem Käufer individuell anzufertigen, rief sogar Kunstsammler aus Süddeutschland auf den Plan. Per Telefon lieferten sie sich Bieterduelle.

Was Sammelleidenschaft bedeutet, zeigte auch die Sonderausstellung „Sammelst Du noch, oder…?“ im Norddeutschen Museum für Industriekultur, die gestern eröffnet wurde. Museumspädagogin Jana Harriefeld hatte Privatleute aus Delmenhorst und Umgebung gebeten, für die Sonderschau in der Turbinenhalle Stücke aus ihren Sammlungen auszuwählen. „Elf private Sammler stellen bei uns jeweils drei Dinge aus, die eine kleine Geschichte erzählen“, sagte Jana Harriefeld.

Dass diese Stücke durchaus ausstellungswürdig sind, wurde bei einer Besichtigung der Exponate schnell deutlich. Von historischen gusseisernen Bügeleisen über Holzhobel bis hin zu Jahrmarktsbillets aus mehreren Jahrzehnten reichten die Objekte der privaten Sammelobsessionen.

Als Sammler aus Leidenschaft stellte auch Frank Scheffka drei Exponate im Nordwolle-Museum aus. „Meine Sammlung ist so groß geworden, dass ich mit meiner Familie gerade umziehen musste“, sagte der Delmenhorster augenzwinkernd. Seine Sammlung von Autogrammen Prominenter umfasst etwa 30 000 Stücke und wird das obere Stockwerk des neuen Einfamilienhauses einnehmen. In der Sonderschau zeigte er etwa eine signierte Visitenkarte des Schafhirten Spiridon Louis, der bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit, 1896 in Athen, den Marathonlauf gewann. Jana Harriefeld bestätigte gerne die Qualität der privaten Ausstellungsstücke: „Es ist schwierig, abzugrenzen, wo privates Sammeln aufhört und museales Sammeln anfängt.“

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