Die Varrelerin Katrin Lampe hat nach einem Praktikum auf Mauritius noch ein Semester in Norwegen verbracht Von den Tropen direkt an den Polarkreis

Stuhr-Varrel. Schon ein Auslandssemester ist ein einschneidendes Erlebnis. Katrin Lampe aus Varrel hat das gleich doppelt erlebt - und gegensätzlicher, wie man es sich kaum vorstellen kann. Zuerst verbrachte die Biologiestudentin ein Praxissemester auf Mauritius, im Anschluss reiste sie für ein weiteres Auslandssemester in den Norden von Norwegen. Wo es ihr besser gefallen hat, kann die 23-Jährige gar nicht genau sagen. Sie weiß nur, dass sie in beiden Ländern "einmalige Lebenserfahrungen" gesammelt hat.
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Von den Tropen direkt an den Polarkreis
Von Claudia Ihmels

Stuhr-Varrel. Schon ein Auslandssemester ist ein einschneidendes Erlebnis. Katrin Lampe aus Varrel hat das gleich doppelt erlebt - und gegensätzlicher, wie man es sich kaum vorstellen kann. Zuerst verbrachte die Biologiestudentin ein Praxissemester auf Mauritius, im Anschluss reiste sie für ein weiteres Auslandssemester in den Norden von Norwegen. Wo es ihr besser gefallen hat, kann die 23-Jährige gar nicht genau sagen. Sie weiß nur, dass sie in beiden Ländern "einmalige Lebenserfahrungen" gesammelt hat.

Katrin Lampe studiert im siebten Semester an der Hochschule Bremen. Sie ist im Internationalen Studiengang für Angewandte und Technische Biologie eingeschrieben. Das fünfte und sechste Semester sollen die Studenten nicht an ihrer heimischen Hochschule verbringen, stattdessen stehen ein Praktikum und ein Semester im Ausland auf dem Lehrplan. Katrin Lampe verschlug es zuerst an das Traumziel vieler Touristen, wie sie selbst sagt. Auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean absolvierte sie ein fünfmonatiges Praktikum am Institut für Ozeanographie.

"Und nebenbei lernte ich dieses unwahrscheinlich vielfältige Land kennen", sagt Katrin Lampe. Doch auch Schwierigkeiten taten sich auf. "Fehlende Sprachkenntnisse in Französisch als auch in der Muttersprache Morysien, einer Kreolsprache, machten mir das Leben vor allem bei der Wohnungssuche schwer." Dabei sei die Amtssprache eigentlich Englisch. Und in der Stadt Quatre Bornes, in der sich das Institut befindet, habe sie eine ganz besondere Erfahrung gemacht: "Zum ersten Mal in meinem Leben fiel ich als Weiße auf wie ein bunter Hund." Nicht richtig warmgeworden ist sie mit der "laissez faire"-Mentalität der Einheimischen. "Keine Hektik, keine Sorgen heißt es, allerdings ist im Gegenzug auch mit Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit und mangelhafter Arbeitsmoral zu rechnen", sagt sie.

Viel Gastfreundschaft

Auf der anderen Seite hätte sie aber die Gastfreundschaft der Einheimischen beeindruckt. "Deutlich zu erkennen war die Genügsamkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Brüderlich werden die Mahlzeiten geteilt, und es wird sich zum Teil auch gegenseitig mit den Händen gefüttert. Ein freundliches Lächeln, nicht nur als weiße Frau, reichte oftmals aus, um auf der anderen Seite Verständnis und Hilfsbereitschaft zu erwarten." Sogar auf hinduistischen Hochzeiten sei man als Außenstehende stets willkommen. Dort sei es üblich, dass ausschließlich mit den Händen von Bananenblättern gegessen wird. Auch auf muslimischen Hochzeiten war sie zu Gast, und sie erlebte die Feiertage der verschiedenen Religionen mit. Mauritius ist ein wahres Multikulti-Land mit vier Religionen. "Hinduismus, Islam, Christentum und Buddhismus", zählt Katrin Lampe auf. Ganz nebenbei habe sie die "unheimlich guten Kochkünste der Mauritianer" kennengelernt. "Das alles werde ich nie vergessen."

Ähnliches gilt für die zahlreichen Naturerlebnisse, die für die angehende Biologin besonders interessant waren. "Paradiesische Wasserfallkaskaden, abenteuerliche Wanderwege mit Blick über die gesamte Insel, Traumstrände und Lagunen mit prächtigen Korallenriffen" hätten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zu ihrer Arbeit am Institut gehörten auch Tauchgänge in einer Lagune. "Die Arbeit hat mir als angehende Umweltbiologin gezeigt, welche unterschiedlichen Berufsfelder an einem solchen Institut vertreten sind", sagt sie. Auf der anderen Seite habe sie erfahren müssen, dass sie als Frau, vor allem im Bereich Naturwissenschaft und Forschung in einem Land "mit noch recht altmodischen Lebensdevisen" nicht ernstgenommen wird. Erst nach wiederholtem Nachhaken und mit viel Eigeninitiative konnte sie ein eigenes Projekt verwirklichen. "In den fünf Monaten konnte ich hinter die Fassaden blicken und feststellen, dass ein Leben auf Mauritius nicht nur ein Fünf-Sterne-Hotel ist", lautet das

Fazit der 23-Jährigen.

Für das kommende Semester entschied sie sich dann auch spontan für eine ganz andere Region: das 85 Breitengrade weiter nördlich am Polarkreis gelegene Bodø. "So katapultierte ich mich aus dem heißen und feuchten mauritianischen Hochsommer Anfang Januar in den tiefsten Winter Nord-Norwegens", sagt Katrin Lampe. Statt zwölf Stunden Sonnenschein musste sie nun mit drei Stunden Tageslicht, Minusgraden und zwei Meter hohem Schnee auskommen.

Als Studentin besuchte sie für ein Semester die University of Nordland. Kurse in Meeresbiologie und Aquakultur standen auf dem Stundenplan. "Was mir besonders auffiel, war die hochmoderne Ausstattung und die gemütliche Atmosphäre der Universität: Chemie- und Biologielabore waren mit modernsten Instrumenten ausgerüstet und Computer und Internet waren für jeden rund um die Uhr zugänglich", erzählt sie. Gemütliche Sitzecken, Gruppenräume, Ruheräume, Ansprechpartner für jeden Zweck und eine tolle Mensa hätten jedem Studenten das Gefühl gegeben, in der Universität zu Hause zu sein.

Die Norweger erschienen ihr aber auf den ersten Blick recht verschlossen. "Man musste schon ein bis drei Mal auf sie zugehen." Zum Norwegisch lernen ist die Studentin auch nicht gekommen, da "die Norweger jeglicher Altersklasse der englischen Sprache mächtig sind". Ihre Freizeit habe sie mit Fischen am Fjord, Langlaufski fahren, Rodeltouren und schönen Spaziergängen im Frühjahr verbracht. "Was mich tierisch beeindruckt hat, ebenso wie auf Mauritius, aber dennoch ganz anders, war die Natur und ihre unheimliche Weite."

Ebenso erlebte sie mit, wie die Tage langsam wieder länger wurden. "Ich werde den Tag nie vergessen, an dem wir vor dem Studentenwohnheim zum ersten Mal im Jahr die Sonne erblickten", sagt Katrin Lampe. Im Juni sei es dann 24 Stunden am Tag hell gewesen. Ganz besonders extrem erlebte die Varrelerin das während einer Exkursion nach Spitzbergen noch weiter in Richtung Nordpol. "Gewappnet mit Gewehr und Schreckschusspistole, zum Schutz gegen Eisbären, wurde mitten in der Nacht auf den Longyearbreen gewandert", erzählt sie. Sie hätten Sonnenbrillen tragen und Sonnencreme auftragen müssen, um von der Mitternachtssonne nicht geblendet zu werden.

"Obwohl es so sehr anders war, hat es mir in Norwegen ebenso gut gefallen wie in den Tropen", sagt Katrin Lampe. Nach ihrem Bachelor-Abschluss plant sie einen Masterstudiengang im Bereich Tropenökologie, ebenfalls auf internationaler Ebene. "Und mal sehen, wohin mich der Wind dann treibt", sagt sie.

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