Neuer Heimatkalender

Von Kulissenmalern und Karnevalswagen

Im zehnten Jahr geben Hermann Speckmann und Udo Engelbart schon den Ganderkeseer Heimatkalender heraus. Ab sofort ist auch die Ausgabe für 2015 erhältlich.
09.12.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Kulissenmalern und Karnevalswagen
Von Jochen Brünner
Von Kulissenmalern und Karnevalswagen

Hermann Speckmann zeigt auf Waltraud Härtel, die von 1948 bis 1956 an der Volksschule in Ganderkesee unterrichtet hat.

Janina Rahn

Im zehnten Jahr geben Hermann Speckmann und Udo Engelbart nun schon den Ganderkeseer Heimatkalender heraus, der historische Ansichten des Ortskerns mit aktuellen Perspektiven verbindet. Ab sofort ist auch die Ausgabe für 2015 erhältlich.

„Die Alten sterben langsam weg. Also musste ich etwas moderner werden“, sagt Heimatforscher Hermann Speckmann mit Blick auf den neuen Ganderkeseer Heimatkalender.

Infolgedessen konzentriert sich das Geschehen auf den zwölf Blättern für das Jahr 2015 vor allem auf das Geschehen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So erinnert ein Blatt etwa an Siegfried Nahrmann (1919 – 1981), der über viele Jahre die Kulissen für den Ganderkeseer Fasching gemalt hat (so etwas gab es damals).

Eine historische Aufnahme eines Faschingswagens aus dem Jahr 1954 verdeutlicht, wie sehr sich die Dimensionen des großen Festumzugs um den Ring inzwischen verändert haben. Damals sah man über den Unterschied zwischen „Fasching“ und „Karneval“ übrigens noch gelassen hinweg: „So mächtig wie Rübezahl – ist der Ganderkeseer Karneval“ reimten die Initiatoren damals gemäß des Wagen-Mottos. Und auch der letzte Halt einer Dampflok in Ganderkesee, der in das Jahr 1991 fällt, ist bereits als „historisch“ dokumentiert.

Auch der letzte Halt einer Dampflok in Ganderkesee im Jahr 1991 ist bereits als „historisch“ dokumentiert.

Auch der letzte Halt einer Dampflok in Ganderkesee im Jahr 1991 ist bereits als „historisch“ dokumentiert.

Foto: Bruno Warfelmann

Besonders gefreut hat sich Speckmann über den Kontakt zur heute 88-jährigen Waltraud Härtel, die zwar seit vielen Jahren im Odenwald lebt, sich aber noch gut an ihre Zeit als Volksschullehrerin in Ganderkesee erinnert.

Am 16. April 1948 trat sie ihren Dienst in der inzwischen abgerissenen „Steinschule“ an der Bergedorfer Straße an: „Zeitweise waren 61 Kinder in meinem ersten Schuljahr, im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Schiefertafeln, Griffel, Hefte waren knapp. Die Fibeln waren von der englischen Militärbehörde zensiert“, blickt sie zurück. Die Bestuhlung in den Klassenräumen habe noch aus der Vorkriegszeit gestammt: Kleine Viererbänke mit integrierten Tischen, viel zu klein und zu eng für die Schüler.

Eine Aufnahme vom „Pastorenteich“ – hinter dem evangelischen Kirchenbüro am Ring – erinnert daran, dass viele Ganderkeseer im April 1945 beim Anrücken der kanadischen Truppen ihre Parteiabzeichen und sonstigen Symbole ihrer NSDAP-Mitgliedschaft dort versenkt hätten. Wo sie zum Teil auch heute noch liegen dürften.

Bilder dokumentieren den historischen Wandel Ganderkesees

Auch Johann Westermanns Kneipe „Zur gemütlichen Ecke“, die 1985 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, rückt in dem Kalender noch einmal in den Blickpunkt. Heute unterhält dort bekanntlich die syrisch-orthodoxe Gemeinde ihr Zentrum.

„Die Gegenüberstellungen von historischen Aufnahmen und heutigen Ansichten haben großen Anklang gefunden. Deshalb bin ich auch im neuen Kalender an einigen Stellen wieder so verfahren“, erklärt Speckmann.

So etwa bei der 1927 von der Freien Turnerschaft Ganderkesee erbauten Turnhalle am Habbrügger Weg, in der im Krieg Gefangene untergebracht waren und die später auch als Lager für ehemalige Zwangsarbeiter genutzt wurde. Heute ist das Gebäude, das damals auf freiem Feld stand, fast vollständig hinter Büschen und Bäumen verschwunden.

Die historischen Bilder in dem Kalender dokumentieren einmal mehr, wie sehr Ganderkesee seinen dörflichen Charakter früherer Jahre inzwischen verloren hat. Dabei habe sich der Ort aber nicht nur zum Positiven verändert, beklagt Speckmann. Gerade angesichts der großflächigen Einzehandelsansiedlungen rund um den Bahnhof vermisse er eine gewisse Kreativität in der Ortskerngestaltung.

Die Motive des Kalenders beschränken sich übrigens nur auf den Ganderkeseer Ortskern. Aus gutem Grund: In anderen Ortsteilen – etwa in Bookholzberg oder in Elmeloh – geben die dortigen Orts- und Heimatvereine eigene Kalender heraus.

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