FDP zu Besuch

Postenhandel will in Delmenhorst bleiben

Christoph Pawlowski bekräftigt beim Treffen mit Vertretern der FDP sein Bekenntnis zu Delmenhorst. Doch um den Postenhandel Nord hier wiederzueröffnen, wird er noch Geduld haben müssen.
26.08.2021, 15:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek
Postenhandel will in Delmenhorst bleiben

Murat Kalmis (von links), Jörg Bode und Christoph Pawlowski haben sich beim Treffen über den Postenhandel Nord und die Innenstadtentwicklung ausgetauscht.

Niklas Golitschek

Die Odyssee für Christoph Pawlowski ist noch nicht zu Ende. Der Bauantrag für den neuen Standort des "Postenhandel Nord" liegt derzeit auf Eis, schilderte er am Donnerstag beim Besuch einer Delmenhorster FDP-Delegation die Situation. Das werde sich wohl noch bis Mai 2022 hinziehen. Der Grund: Der neue Bebauungsplan Nummer 347 „Nienburger Straße/Reinersweg" sei noch nicht rechtsgültig – und bis dahin müsse sich auch der Unternehmer gedulden. „Das betrifft nicht nur uns", betonte Pawlowski.

Im Gespräch mit den Liberalen machte der Unternehmer deutlich, dass ihn die Streitigkeiten mit der Stadtverwaltung rund um den Umzug einige Nerven gekostet hätten. "Der Ton allein war schon krass", kritisierte er. Der Kontakt sei wenig lösungsorientiert gewesen. Ein Stück weit nahm Pawlowski die Sachbearbeiter aber auch in Schutz. "Ich bin kein Verwaltungsfan – aber das hat die Politik beschlossen", sagte er und verwies auf das Einzelhandelskonzept.

"Entwicklung gestalten"

Jörg Bode war früherer Wirtschaftsminister in Niedersachsen und ist aktuell wirtschaftspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. Er machte darauf aufmerksam, dass Innenstädte sich vom Zentrum des Einzelhandels zu einer Mischung aus Kunst, Kultur, Einkaufen, Arbeit und Wohnen gewandelt hätten. "Man muss diese Entwicklung gestalten, wenn man die Innenstadt lebenswert halten will", betonte er.

Hier setzte auch Murat Kalmis, Ratsherr und FDP-Oberbürgermeisterkandidat, an. Er hatte sich des Falls früh angenommen und Pawlowski bei der Auseinandersetzung unterstützt. "Das Konzept ist tatsächlich überholt", sagte er. Auf politischer Ebene müsste der Fehler, der Arbeitsplätze gekostet habe, erkannt und in der kommenden Legislaturperiode überarbeitet werden. Zumal die Frage, welches Sortiment innenstadtrelevant ist, nur sehr vage definiert worden sei. "Ich habe die Willkür der Verwaltung selbst miterlebt", kritisierte Kalmis. Zumal der Plan, die Innenstadt zu schützen, nicht wirklich aufgegangen sei. Zahlreiche Geschäfte hätten trotzdem geschlossen. Dabei sollte das Ziel sein, mehr Bürger in die Innenstadt zu holen und die Wohnqualität zu erhöhen.

Kommunikation der Kommunen

Wie die Kommunikation mit der Verwaltung besser funktioniert, habe er in anderen Kommunen erlebt, wie Pawlowski erzählte. Aus Ritterhude berichtete er beispielsweise von einer reibungslosen Zusammenarbeit. Dort habe er sich unterstützt und willkommen gefühlt. "Das war super", bilanzierte er. Auch auf die Zeit in Bremen, wo er im vergangenen Herbst und Winter für den Postenhandel die Stadthalle mietete und nach wenigen Tagen wegen der hohen Inzidenz wieder schließen musste, blickt er rückblickend zufrieden. "Wir mussten zwei Monate lang nichts bezahlen und konnten unseren Online-Shop von dort machen", erzählte er. Erst im Dezember, als er wieder zum Weihnachtsverkauf öffnen durfte, habe er auch eine Rechnung erhalten. "Das war unglaublich gut, wie die sich verhalten haben", lobte Pawlowski. Kein Wunder also, dass er die Aktion wiederholen möchte.

Inzwischen hat er auch für den Postenhandel nach alternativen Standorten gesucht und ist offenbar in Bremen fündig geworden. Erst wolle er dort ein Objekt mieten. Doch an seinem Wunsch, den Postenhandel Nord in Delmenhorst zu betreiben, hält der Unternehmer weiter fest. "Fast alle 30 Mitarbeiter wohnen in Delmenhorst, sie sollen nicht so weit fahren", sagte Pawlowski. Wenn er öffnen dürfte, könnte er noch zehn weitere Mitarbeiter einstellen. Bis dahin helfe er sich weiter mit dem Online-Shop, den er bis zu Beginn der Pandemie vermieden habe. "Es ist aufwendiger, und man hat das Retourenproblem", erläuterte der Unternehmer. Bei manchen Händlern liege die Rücksendequote bei 65 Prozent, das könne er sich nicht leisten: "Das ist aktuell bei uns auch zum Glück nicht so." Allerdings biete der Postenhandel nur rund 3500 seiner 25.000 Produkte im Internet an.

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