Eigentümer mit geplanter Erweiterung vorerst gescheitert 'Waldschlösschen' vor ungewisser Zukunft

Ganderkesee/Stenum . Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Oldenburg/Vechta hat das Altenpflegeheim bis Ende 2012 der Brüder Schlüter gepachtet. Noch. Wie es danach für die Beschäftigten sowie für die 62 Bewohner weiter geht, ist derzeit völlig offen.
25.06.2010, 05:00
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'Waldschlösschen' vor ungewisser Zukunft
Von Bernhard Komesker

Ganderkesee/Stenum . Reizklima im 'Waldschlösschen': Zwischen Eigentümer und Betreiber des Altenpflegeheims knistert es seit etlichen Wochen. Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Oldenburg/Vechta mit Sitz in Hatten hat die Einrichtung bis Ende 2012 vom Brüderpaar Hans-Hermann und Hartmut Schlüter gepachtet. Noch. Wie es danach für die Beschäftigten sowie für die 62 Bewohner weiter geht, ist derzeit völlig offen.

'Sie bleiben natürlich alle bei uns - an welchem Standort in der Gemeinde Ganderkesee auch immer', sagte Kreisgeschäftsführer Thomas Heinrich gestern gegenüber unserer Zeitung. Das habe er den Betroffenen bei einer Angehörigenversammlung am Mittwochabend auch zugesagt. 'Unsere Verantwortung reicht über das Jahr 2012 hinaus.' Die Schlüters verärgert, dass Heinrich den Standort Stenum überhaupt zur Disposition stellt - mit der Begründung, er sei nicht mehr zeitgemäß.

Hans-Hermann Schlüter sagt, 75 Prozent der Immobilie am Schullandheim habe das Baujahr 1996 oder jünger, der Altbau sei 1995 für 600.000 Euro modernisiert worden. Dennoch übe der Pächter seit mehr als einem Jahr massiven Druck aus, dass nach dessen Vorstellungen um- und angebaut wird. 'Wir können aber nicht mal so einfach mal drei oder vier Millionen Euro in die Hand nehmen', erklärt Schlüter.

Thomas Heinrich hält dagegen: 'Es war ein ewiges Hin und Her.' Es sei nicht nur legitim, sondern geradezu die Fürsorgepflicht der Awo, sich parallel beizeiten nach Alternativen umzusehen. Die Lösung müsse dann jedenfalls mindestens 15 bis 20 Jahre Bestand haben. 'Hinzu kommt, dass wir es einfach mit anderen Bedürfnissen und Ansprüchen der Senioren zu tun haben', so der Awo-Kreisgeschäftsführer. Die Funktionalität des Stenumer Gebäudes sei dabei für das moderne Wohngruppenkonzept der Awo und einen wirtschaftlichen Betrieb einfach nicht optimal. Und: 'Unsere Mitbewerber schlafen ja nicht.'

Erschwerend kommt die Randlage hinzu, an der freilich keine Investition wird etwas ändern können. Heinrich: 'Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse besagen, dass die Menschen auch im hohen Alter im Zentrum des Lebens sein wollen - unabhängig davon ob sie die Infrastruktur dann auch tatsächlich nutzen können oder nicht.' Sonst aber fühlten sich die Betroffenen leicht abgeschoben.

Demenzabteilung beantragt

Zum Jahreswechsel hatten sich die Schlüters nach siebenmonatigen Verhandlungen dann auch dazu durchgerungen, eine Bauvoranfrage beim Landkreis zu stellen: Im Februar 2010 wurde das Projekt eines eigenen Anbaus für eine Demenzabteilung beantragt - eine Minimalforderung der Awo, wie Schlüter sagte. Der Bedarf sei unstrittig. Zehn bis 15 Plätze soll dieser Wohnbereich haben.

Der Bescheid aus Wildeshausen ließ fast drei Monate auf sich warten. Und er fiel nicht im Sinne der Antragsteller aus: Ohne Änderung des Flächennutzungsplans und ohne einen eigenen Fußweg mit Hochbord wollen die Behörden keinen einzigen zusätzlichen Quadratzentimeter dulden. Als bekannt wurde, dass die Gemeinde Ganderkesee mit dieser Begründung auch ihr Einvernehmen verweigert hatte, wurde die Politik hellhörig.

Die FDP kritisierte die Verwaltung scharf, doch Vizechef Rainer Lange erklärte, es gebe gar keinen Ermessensspielraum: Schon bei der gegenwärtigen Nutzung und Erschließung drücke man eigentlich mehr als nur ein Auge zu. 'Und wir werden einem Gewerbetrieb jetzt nicht auf Kosten des Steuerzahlers einen Fußweg frei Haus liefern.' Wenn politisch etwas anderes gewollt sei, dann müssten sich die Fraktionen rühren.

Genau das ist bislang ausgeblieben. Die Brüder Schlüter hatten schon vor einiger Zeit CDU, SPD und FDP informiert; Grüne und Freie Wähler würden noch eingeladen, so Schlüter. 'Die Awo hat uns die Pistole auf die Brust gesetzt', sagt er. Offenbar sei man nicht mehr erwünscht. 'Wenn das so ist, werden wir uns jetzt auch nach einem eigenen Betreiber umsehen', kündigte er gestern an. Gegen die Ablehnung der Voranfrage habe er beim Landkreis Widerspruch eingelegt.

Thomas Heinrich weist derweil alle Vorwürfe von sich. Einerseits gebe es nicht einmal einen Vorvertrag zum Anbau; andererseits stoße die Einrichtung in Stenum einfach an ihre Grenzen. Dass die Awo auf Sicht in Stenum ein Defizit einfahre, das sie ganz allein zu tragen habe, sei gutachterlich belegt. Vielleicht gebe es für die Immobilie ja auch eine andere Nutzung. Heinrich schließt aber auch eine Vertragsverlängerung nicht aus: 'Wir sind mit der Zusammenarbeit ansonsten hochzufrieden.'

Eine Kurzzeitverlängerung von bis zu drei Jahren gilt ebenfalls als denkbar. Eine nennenswerte Erhöhung der Gesamtbettenzahl im Gemeindegebiet ist dabei aber nicht zu erwarten, denn die gilt in Fachkreisen derzeit als ziemlich ausgereizt. Und im Zentrum Ganderkesees gibt es mit Fuchsberg und Glockenstein bereits zwei größere, relativ neue Häuser.

Zweifelsohne wirken sich die Umzugsgerüchte auch auf die Menschen aus, die im 'Waldschlösschen' leben und arbeiten. Hausleiterin Heinke Schwarze, die wir gestern gerne zur Stimmung bei den Beschäftigten und Bewohnern vor Ort befragt hätten, lehnte nach Rücksprache mit dem Awo-Büro in Hatten jede weitergehende Stellungnahme ab.

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