Hanse-Wissenschaftskolleg hat Stadt und Politik seine Visionen vorgestellt: Erweiterung für 3,5 Millionen Euro Weilers Wunschzettel

Das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) ist längst nicht jedem Bürger ein Begriff, hat aber in wissenschaftlichen Kreisen sogar international einen sehr hohen Stellenwert. Als Stiftung der Bundesländer Bremen und Niedersachsen sowie der Stadt Delmenhorst wurde das HWK von diesem Dreigestirn finanziert - und könnte bald wieder Geld benötigen. Denn es liebäugelt mit einer Erweiterung für rund 3,5 Millionen Euro. Ihre Visionen hat die Institution nun einem kleinen Kreis vorgestellt.
07.12.2011, 05:00
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Weilers Wunschzettel
Von Kai Purschke

Das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) ist längst nicht jedem Bürger ein Begriff, hat aber in wissenschaftlichen Kreisen sogar international einen sehr hohen Stellenwert. Als Stiftung der Bundesländer Bremen und Niedersachsen sowie der Stadt Delmenhorst wurde das HWK von diesem Dreigestirn finanziert - und könnte bald wieder Geld benötigen. Denn es liebäugelt mit einer Erweiterung für rund 3,5 Millionen Euro. Ihre Visionen hat die Institution nun einem kleinen Kreis vorgestellt.

Delmenhorst. Reto Weiler nennt sie Wünsche, die Visionen, die er der Politik und etwa Vertretern der Verwaltung und des Klinikums Delmenhorst am Montagabend vorgestellt hat. Der Rektor des HWK betonte auf Nachfrage, dass die Planungen "unkonkret" und überhaupt nicht aktuell seien. Das HWK wolle nur gewappnet sein, falls sich irgendwann mal die Gelegenheit biete. Denn: "Wenn man bauen will, braucht man Geld, und das haben wir nicht." Aber die Politik soll eben rechtzeitig ins Boot geholt werden, weil die Bauleitplanung fürs HWK-Grundstück - quasi für den Fall der Fälle - geändert werden muss.

Denn, daraus macht das HWK keinen Hehl, die Ressourcen sind erschöpft. Was da so unkonkret angedacht ist, ist der Bau eines sozialwissenschaftlichen Instituts mit Büro- und Seminarräumen, ein Hörsaal für 200 Menschen und ein Wohnhaus für die Wissenschaftler aus aller Welt. Es geht um ein Gesamtvolumen von rund 3,5 Millionen Euro und bei deren Finanzierung könnte auch die Stadt Delmenhorst als einer der Stifter ins Spiel kommen. Oberbürgermeister Patrick de La Lanne ließ dazu auf Nachfrage ausrichten: "Wir wollen dem HWK helfen, wo es geht. Ob wir bereit sind, uns an 3,5 Millionen Euro Erweiterungskosten zu beteiligen, hängt von den konkreten Plänen ab." Die ersten allgemeinen Überlegungen hätten er und die anderen "wohlwollend" zur Kenntnis genommen. Die Einrichtung, unterstrich der Verwaltungschef, habe eine besondere Bedeutung für die Stadt und die Region. Sie spiele in der Champions League mit, erklärte de La Lanne.

Und wurde seitens der Stadt schon bei der Gründung wie ein Champion behandelt. Für Delmenhorst als Sitz gab bei der Gründung 1995 offenbar auch die Großzügigkeit der Stadt den Ausschlag. So ist der HWK-Satzung zu entnehmen, dass der Stiftung das rund 17000 Quadratmeter große Grundstück an der Straße Am Lehmkuhlenbusch unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden war und zudem Delmenhorst Investitionsmittel fürs HWK in Höhe von rund 1,53 Millionen Euro bewilligt hatte. Auch Bremen und Niedersachsen hatten sich nicht lumpen lassen, stehen derzeit finanziell aber auch nicht besser da als Delmenhorst. So könnten auch Investoren beim HWK zum Zuge kommen. "Wenn etwas gut und überzeugend ist, findet man Wege", deutet Reto Weiler diesen alternativen Finanzierungsweg an. Ob weitere Gelder aus dem Stadtsäckel in die renommierte Forschungseinrichtung fließen, muss in letzter Konsequenz die Politik entscheiden. De La Lanne jedenfalls will dafür erstmal Vorarbeiten erledigt sehen: "Wir

erwarten, dass das HWK nun genauere Pläne erarbeitet, die über die allgemeinen Überlegungen hinausgehen. Wir benötigen ein konkretes Konzept, welches wird dann detailliert prüfen werden."

Begeistert vom Erweiterungsvorhaben ist jetzt schon Klinikum-Geschäftsführer und HWK-Nachbar Peter Stremmel. Auch er war bei der Visionen-Vorstellung dabei, wie er gestern auf Nachfrage einräumte. Denn das Klinikum hat großes Interesse an einer baulichen Erweiterung des Hanse-Wissenschaftskollegs. Insbesondere an dem Hörsaal, der sich auf Weilers Wunschzettel befindet. "Für Patientenveranstaltungen, Fachgesellschaften oder Mitarbeiterweiterbildungen", zählt Stremmel auf. Nicht mehr auf den bei solchen Gelegenheiten überfüllten Blauen Salon im Klinikum ausweichen zu müssen: "Das wäre toll." Das Klinikum würde als Mieter auftreten wollen, kündigte Stremmel an. Und, da die Kantine des Krankenhauses erneuert werde, könne er sich auch vorstellen, dass das Klinikum das Catering fürs HWK übernimmt. Aber das ist wie alles andere Zukunftsmusik.

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