Jens Isensee aus Braunschweig erschafft aus funktionalen Materialien Organisches – seine Ausstellung beginnt am 14. Mai

Welten aus Pappe und Papier

Stuhr-Heiligenrode. „Im Kern der Dinge“ lautet der Titel der Ausstellung von Jens Isensee. Der Name ist Programm – viele seiner Werke entstehen aus Pappe, Plastik oder Papier und enthüllen ihr wahres Gesicht erst bei einem Blick ins Innere.
07.05.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Friebel
Welten aus Pappe und Papier

Jens Isensee mit seiner Installation mit dem Titel „Die Nation“: Ein Baum aus Pappe, der über und über mit kleinen schwarz, rot, goldenen Plüschtieren bedeckt ist.

Janina Rahn

„Im Kern der Dinge“ lautet der Titel der Ausstellung von Jens Isensee. Der Name ist Programm – viele seiner Werke entstehen aus Pappe, Plastik oder Papier und enthüllen ihr wahres Gesicht erst bei einem Blick ins Innere. Isensee schließt sein Stipendiat in der Künstlerstätte Heiligenrode mit einer Ausstellung ab, die am 14. Mai beginnt.

Nicht nur Alltagsmaterialien beschäftigen den 34-Jährigen, einige seiner Werke sind auch digital und interaktiv. „In einem der Räume steht ein Projektor“, kündigt der Künstler an und ergänzt: „Der Besucher kann sich davor bewegen und die Projektion verändert sich.“ Der Computer erfasse die Position der Hände und deren Bewegungen, woraus wiederum Strukturen und Skulpturen entstehen. „Damit wird der Betrachter selbst zum Gestalter“, erklärt Isensee. „Ich baue mir mit meinen Arbeiten meine eigene Welt“, sagt Isensee über seine Beweggründe. „Mental machen das die Menschen ständig.“ Bei seinem Aufenthalt in Stuhr seien mehrere Plastiken entstanden. Darunter eine „Lagerfeuersituation“, wie der Künstler es nennt, und ein Werk mit dem Titel „Die Nation“ – ein Baum der über und über mit kleinen schwarz-rot-goldenen Plüschtieren bestückt ist.

„Ich arbeite viel mit Symbolen“, so Isensee. Auch seine Serie „Wappen und Trophäen“ habe er in Heiligenrode erweitert. „Das sind ironische Kommentare auf gesellschaftliche Werte, die sich auch gerne in Wappen äußern“, erklärt Isensee, der mit seinen Werken oftmals einen ironischen Blick auf die Gesellschaft mit all ihren Aspekten wirft. Auch Stammtischdekorationen entgehen dabei dem Auge des Künstlers nicht.

Eine ganze Reihe von Alltagsgegenständen hat der Künstler bereits aus Pappe gebaut. Von vorne sehen diese aus wie ganz normale Gegenstände, von hinten lässt sich erkennen, dass sie hohl sind. „Das bietet Raum für Spekulationen“, erläutert der Künstler. Das ist auch das Grundkonzept seiner Arbeiten – alles ist leer konzipiert, um Platz für Interpretation zu lassen.

Das Größte, was Jens Isensee in Heiligenrode erschaffen hat, ist das Lagerfeuer: Baumstämme, eine Bank, ein Feuer und alles was dazu gehört – fast alles aus Pappe und Plastik. „Das sind zeitgemäße Materialien“, erläutert Isensee. Er wolle die Themen Recycling und Wegwerfgesellschaft aufgreifen.

Eigentlich sei Pappe ein funktionaler Werkstoff, der meist in quadratischer Form daherkomme, sagt der Künstler. „Ich mache daraus wieder organische Formen – Renaturierung von industrialisierter Materie.“ Ursprung der Installation war eine Baumscheibe, die der Künstler gefunden hat. Darum herum baute er einen Baum aus Pappe.

Im Müllerhaus ist auch ein Herz aus Pappe zu finden. Durch vier Löcher kann der Betrachter auf kleinen Bildschirmen Maschinenprozesse beobachten. „Dafür habe ich die Maschinerie in der Mühle gefilmt“, verrät Isensee. Dahinter habe der Systemgedanke gesteckt. „Auch Organischem liegt ein funktionierendes System zugrunde.“

Das Spannende an seinem Aufenthalt in Heiligenrode sei die „Laborsituation“ gewesen, sagt der 34-Jährige. „Ich konnte völlig ohne Ablenkungen arbeiten“, so Isensee. „Dabei sind viele neue Ideen entstanden, teilweise war es aber auch hart.“ Die Zeit für sich habe er intensiv genutzt, um konzentriert zu arbeiten.

Nach dem Ende der Ausstellung wolle er erst einmal wieder zurück in seine Heimat Braunschweig gehen und vornehmlich an seinen digitalen Werken weiterarbeiten, kündigt Isensee an. „Ich brauche Zeit für einen neuen Zyklus und einen neuen Ansatz“, sagt er. „Ich habe mich in Heiligenrode so intensiv mit dem Werkstoff beschäftigt, dass jetzt vielleicht etwas Neues beginnt.“

Die Ausstellung „Im Kern der Dinge“ eröffnet am Sonnabend, 14. Mai, um 15 Uhr und endet am 15. Juni. Die Öffnungszeiten sind jeweils freitags und sonnabends von 15 bis 18 Uhr und sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Weitere Infos zum Künstler sind im Internet unter der Adresse www.jensisensee.de zu finden.

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