Erster Entwurf für Pultern-Gelände

Wenig Platz für Gewerbe am See

Die Planungen für das Gewerbegebiet auf dem Grundstück des ehemaligen Landgasthofs „Zur Pultern“ und den Flächen nördlich davon schreiten voran. Wenn auch vorerst nur in kleinen Schritten.
04.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Wenig Platz für Gewerbe am See
Von Andreas D. Becker

Die Planungen für das Gewerbegebiet auf dem Grundstück des ehemaligen Landgasthofs „Zur Pultern“ und den Flächen nördlich davon schreiten voran. Wenn auch vorerst nur in kleinen Schritten.

Für die nächste Sitzung des Planungsausschusses am Mittwoch, 11. Januar (17 Uhr, Rathaus), hat die Verwaltung den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 350 „Am Pulternsee“ für Flächen nördlich der Syker Straße und westlich der B 75 vorgelegt. Darin wird tatsächlich nur das ehemalige Gastwirtschafts-Gelände beplant, „jedoch nicht die nördlich anschließenden rückwärtigen Flächen. Hierüber soll entschieden werden, wenn das Gewerbeflächenentwicklungskonzept fortgeschrieben wurde“, führt die Verwaltung aus. „Sämtliche Optionen sollen derzeit offen bleiben“, erklärt Stadtsprecher Timo Frers.

Rund 28,6 Hektar

Dass die gesamte Fläche, immerhin rund 28,6 Hektar, weiterhin für die Stadt auf ihrer Suche nach neuen Gewerbeflächen von Interesse ist, zeigt die sehr große Straße, die die Planer vorgesehen haben. Viel größer als es für die rund 5400 der insgesamt 43 000 Quadratmeter, die am See für Gewerbe zur Verfügung stehen sollen, nötig wäre. „Die Planstraße ist derart dimensioniert, dass die Option für die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen in den rückwärtigen respektive nördlich angrenzenden Bereich besteht“, heißt es in der Vorlage. Die im Ton aber nur noch sehr vorsichtig optimistisch klingt, ob an der Stelle überhaupt Gewerbe in großem Stil angeboten werden kann.

Schon die Möglichkeiten, das ehemalige Pultern-Gelände zu nutzen, sind arg eingeschränkt. Nicht nur, weil der recht zentral gelegene See mit rund 13 000 Quadratmetern Fläche einen nicht unerheblichen Teil des Grundstücks unbebaubar macht. Dass er erhalten bleiben soll, war ausgesprochener politischer Wunsch. Denn die Entwicklung der Fläche sollte laut Beschluss des Verwaltungsausschusses aus dem März 2014 Gewerbe und Naherholung kombinieren. Doch es scheint so, dass es sogar einige Ecken auf dem Pultern-Grundstück und den nördlich angrenzenden Wiesen gibt, die zwar gut für alle sind, die Naherholung suchen, nicht aber für Gewerbeentwickler.

Zwei Wallhecken

Da sind zum Beispiel zwei Wallhecken. Eine hat die Stadt als Kompensationsmaßnahme nördlich des kleinen Bachlaufes Annenriede selbst gepflanzt, zudem befindet sich westlich des Teiches eine weitere Wallhecke, die laut niedersächsischem Naturschutzgesetz geschützt ist. „Die Heidkruger Bäke und die östlich anschließenden Flächen bis zur östlichen Geltungsbereichsgrenze des Bebauungsplanes befinden sich innerhalb des Landschaftsschutzgebietes (LSG) ,DEL 10 Langenwisch-Emshoop‘“, erklärt die Verwaltung. Übrigens zieht sich das LSG weiter nach Norden, was es nicht unbedingt einfacher macht, dort weitere Flächen bebauen zu wollen. Aber damit noch nicht genug: „Um den See herum befinden sich Gehölz- und Baumbestände unterschiedlicher Wertigkeit. Insgesamt ist der Grünbestand erhaltenswert.“

Und es gibt noch etwas, dass die Entwicklung des Pultern-Areals weiter erschwert: „Nach dem niedersächsischen Straßengesetz müssen bauliche Anlagen vom äußeren Fahrbahnrand der benachbarten Bundesstraße einen Abstand von 20 Metern einhalten.“ Alles, was auf diesem Gelände neu entsteht, kann also nicht wie das ehemalige Gasthaus direkt an der Straße beginnen. Das schränkt die bebaubare Fläche besonders massiv ein. Und damit ist der Katalog an Einschränkungen immer noch nicht abgeschlossen, denn auf den verbleibenden, bebaubaren 5400 Quadratmetern dürfen keine „Lagerhäuser, Lagerplätze, öffentliche Betriebe, Einzelhandelsbetriebe, Tankstellen und Vergnügungsstätten“ errichtet werden. Was überhaupt geht, wird ein Immissionsschutzgutachten zeigen.

Die ganze Entwicklung scheint auch nur dann sinnvoll zu sein, wenn noch weitere Flächen nördlich dazukommen sollten. Denn der Aufwand, den die Stadt in der weiteren Planung betreiben muss, ist nicht gerade gering. Sprich: Es würde nicht einfach sein, die wenigen Quadratmeter Fläche für einen Preis zu verkaufen, der unterm Strich noch einen Gewinn ermöglicht. Acht Gutachten müssen erstellt werden, unter anderem muss beobachtet werden, welche Tiere und Pflanzen dort leben. Es müsste ein Entwässerungskonzept entwickelt und der Baugrund auf seine Tragfähigkeit, vor allem in Ufernähe, hin betrachtet werden. Zudem müssten die Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet „entlassen“ werden, wie es in der Vorlage heißt. Und schließlich geht es darum, die Erschließungskosten zu ermitteln.

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