Kriminalität in Corona-Zeiten

Weniger Einbrüche, mehr Betrügereien

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf die Kriminalität in Delmenhorst und umzu aus. Während es weniger Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle gibt, registriert die Polizei mehr und neue Betrugsmaschen.
22.04.2020, 17:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Wolff

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. In Zeiten der Corona-Krise, in denen zunehmend mehr Menschen im Homeoffice arbeiten und deswegen zu Hause bleiben, ist auch die Zahl der Einbrüche in Delmenhorst und umzu zurückgegangen. Und das gilt offenbar nicht nur für Wohnungseinbrüche: „In fast allen Kriminalitätsbereichen ist auf Basis einer aktuellen statistischen Erhebung, die jedoch noch Veränderungen unterliegen kann und die nur eine Momentaufnahme darstellt, ein gesunkenes Fallzahlaufkommen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum feststellbar", berichtet Albert Seegers, Pressesprecher der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch.

Mehr Menschen zu Hause, geschlossene Grenzen und auch die Abstandsregeln wirken sich neben den Wohnungseinbrüchen auch auf die Zahl der Taschendiebstähle aus. „Insbesondere diese beiden Deliktsfelder sind rückläufig, wobei der Rückgang der Wohnungseinbrüche auch schon in der zuletzt veröffentlichten Kriminalstatistik dokumentiert war“, sagt der Polizeisprecher. „Durch die Auswirkungen der erlassenen Allgemeinverfügung und der Kontaktbeschränkungen verbringen die Menschen viel mehr Zeit in den eigenen vier Wänden und machen einen unbemerkten Einbruch daher nahezu unmöglich.“ Nach einer vorläufigen Erhebung des Landeskriminalamts Niedersachsen anhand der eingegangenen Vorgänge für Mitte April sei die Anzahl der Einbrüche im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum massiv zurückgegangen.

Auch sogenannten reisenden Tätern, also Kriminelle, die ihren Wohnsitz außerhalb Deutschlands haben und kurzfristig einreisen, um Straftaten zu begehen und danach das Land wieder zu verlassen, wird das Ein- und Ausreisen aktuell erheblich erschwert. „Auf beiden Seiten der Grenzen ist mit einer erhöhten Polizeipräsenz und vermehrten Kontrollen zu rechnen“, sagt Seegers.

Und selbst noch so geschickte Taschendiebe können ohne Menschenansammlungen und mit zwei Metern Abstand keine Handtaschen klauen. Dennoch warnt Seegers davor, leichtsinnig zu werden: „Das Portemonnaie sollte immer nah am Körper, möglichst in einer Innentasche, getragen werden. Auf gar keinen Fall sollten die Geldbeutel in Taschen im unbeaufsichtigten Einkaufswagen abgelegt werden.“ Denn auch in der aktuellen Situation wissen Diebe diese Gelegenheit zu nutzen.

Während es in dem einen Bereich also einen deutlichen Rückgang an Straftaten zu verzeichnen gibt, verleiten die Unsicherheiten der derzeitigen Situation auf der anderen Seite aber auch mehr Trickbetrüger dazu, die Ängste der Menschen auszunutzen und ihren Vorteil aus der Sache zu schlagen. Neben gängigen Maschen wie dem Enkeltrick am Telefon greifen die Täter durch die Corona-Krise auch vermehrt auf neue Betrugsarten zurück: „Niedersachsenweit ist im Bereich des Betruges eine vermehrte Ausnutzung der teils eingeschränkten Liefermöglichkeiten bestimmter Waren wie Desinfektionsmittel durch sogenannte Fakeshops erkennbar“, sagt Seegers. „Bezahlte Ware wird nicht geliefert, weil den Angeboten von vornherein kein reales Sortiment oder Geschäft zu Grunde liegt.“

Und auch die Sorge um die finanzielle Lage oder Unsicherheiten rund um die Kurzarbeit, von der derzeit viele Menschen betroffen sind, nutzen Kriminelle nach Erkenntnissen der Polizei derzeit gezielt aus. So sind inzwischen immer mehr Phishing-Mails im Umlauf, die vermeintlich von der Arbeitsagentur stammen oder die finanzielle Soforthilfen anbieten, mit denen Daten abgegriffen werden sollen. Im Bereich der hiesigen Polizeiinspektion ist es zu solchen Fällen allerdings bislang noch nicht gekommen. Die Polizei rät derweil dazu, Angebote genau zu durchleuchten: „Bei Betrugsdelikten sollte beispielsweise ein auffällig günstiges Angebot im Internet oder sonstigen Medien kritisch betrachtet oder hinterfragt werden. Gesundes Misstrauen schützt in allen Lebenslagen vor (finanziellen) Schäden“, erklärt Seegers.

In einigen Bereichen Niedersachsens traten auch schon Personen als vermeintliche Mitarbeiter des Gesundheitsamts auf, um so Zutritt zur Wohnung zu erhalten. Teilweise erscheinen die Betrüger in Vollschutzanzug und Atemmaske. „Lassen Sie Unbekannte nicht in Ihre Wohnung, ohne sich vorher telefonisch rückversichert zu haben“, empfiehlt daher auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag, die unter anderem Mitglied im Innenausschuss ist. „In der Regel machen Mitarbeiter des Gesundheitsamts keine Hausbesuche.“

Eine Reihe von Strafanzeigen hat es in Delmenhorst und der Region auch im direkten Bezug zur Pandemie in den vergangenen Wochen gegeben. Denn nicht immer haben sich alle Menschen an die derzeit geltende Allgemeinverfügung gehalten. In den entsprechenden Kontrollsituationen ist es laut Seegers auch schon zu Beleidigungen beziehungsweise Bedrohungen, zum Beispiel durch Anhusten, gegen die Einsatzkräfte der Polizei gekommen.

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