Fast alle Ganderkeseer Kindergärten haben sich am Freitag am Klimaschutzaktionstag beteiligt

Wenn der Strom nicht aus der Dose kommt

Ganderkesee. Kinder wie die vierjährige Mia können die großen Zusammenhänge manchmal verblüffend einfach erklären: „Wir müssen immer das Licht ausmachen, weil sonst die Eisschollen schmelzen und dann die Eisbären sterben“, hat sie die Auswirkungen des Klimawandels bereits voll erfasst. Fast alle 24 Kindertagesstätten in den Gemeinden Ganderkesee und Dötlingen haben sich am Freitag am dritten Klimaschutzaktionstag beteiligt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Ein Tag ohne Strom“ stand.
08.04.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Wenn der Strom nicht aus der Dose kommt
Von Jochen Brünner
Wenn der Strom nicht aus der Dose kommt

Am "Tag ohne Strom" mussten die Kinder des Montessori-Kindergartens zu Kernseife greifen, um ihre Handtücher zu waschen.

INGO MOELLERS

Ganderkesee. Kinder wie die vierjährige Mia können die großen Zusammenhänge manchmal verblüffend einfach erklären: „Wir müssen immer das Licht ausmachen, weil sonst die Eisschollen schmelzen und dann die Eisbären sterben“, hat sie die Auswirkungen des Klimawandels bereits voll erfasst. Fast alle 24 Kindertagesstätten in den Gemeinden Ganderkesee und Dötlingen haben sich am Freitag am dritten Klimaschutzaktionstag beteiligt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Ein Tag ohne Strom“ stand.

Die Kinder des Montessori-Kinderhauses an der Adelheider Straße waren unter anderem gefordert, Wäsche mit Kernseife draußen in einer großen Wanne zu waschen oder das Frühstücksgeschirr selbst abzuspülen. „Denn sowohl Waschmaschine als auch Spülmaschine funktionieren schließlich mit Strom“, erklärte Kindergartenleiterin Julia Kirchhoff. Bereits seit Mittwoch haben sich die Kinder der Einrichtung mit dem Thema Strom sparen beschäftigt, und so legte das Team der Erzieherinnen und Erzieher den Stromspar-Tag dann auch vergleichsweise streng aus.

Selbst Batterien in den Uhren waren am Freitag verboten. Um die Zeit trotzdem im Blick zu behalten, hatte Thomas Quade, Sozialassistent in der Forschergruppe, bereits am Donnerstag mit den Kindern eine Sonnenuhr gebaut. Deshalb freute sich Julia Kirchhoff am Freitag dann auch vor allem darüber, dass das Wetter so gut war, damit diese auch funktionierte. Überhaupt zeigte sie sich begeistert „über die vielen tollen Ideen, die gerade die jungen neuen Kollegen in die Gestaltung des Tages eingebracht haben“.

Natürlich blieb auch die Küche kalt, stattdessen wurde auf einem Gasgrill gegrillt. Ferner waren die Kinder aufgefordert, Lichtschalter und Steckdosen zu zählen und den Stromzähler abzulesen. Der Morgenkreis fand selbstverständlich bei Kerzenlicht statt. Lediglich das Telefon und die Gefriertruhe waren vom Stromverbot ausgenommen. „Gerade bei den Drei- und Vierjährigen ist es zwar noch manchmal schwer, ins Detail zu gehen, aber die Kinder überlegen schon, ob sie das elektrische Licht auch wirklich brauchen. Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen in dieser Hinsicht sicherlich richtig streng überwacht werden“, meinte Kirchhoff.

Ein zentraler Gedanke des Klimaschutzaktionstages in den Kindergärten ist nämlich auch, dass die Kinder die Ideen nach Hause tragen und auch ihre Eltern und Geschwister zu einem bewussteren Umgang mit Strom animieren. Klimaschutzmanager Lars Gremlowski erklärte, dass insgesamt ein Viertel des persönlichen Kohlendioxid-Ausstoßes auf die Nutzung von Strom und Wärme zurückzuführen sei. In der offiziellen Zählung war es nach 2015 (Thema Ernährung) und 2016 (Thema Konsum) zwar erst der dritte Aktionstag seiner Art, allerdings hatte die Gemeinde Ganderkesee im Jahr 2012 schon einmal einen stromfreien Tag in ihren Kindergärten organisiert.

Wie immer hatte das Regionale Umweltzentrum Hollen (RUZ) den Tag mit einer zentralen Fortbildung für die Erzieherinnen und Erzieher vorbereitet. „Die Angebote, ohne Strom zu kochen, aber auch die Vermittlung von stromsparenden Verhaltensweisen waren sehr stark nachgefragt“, berichtete Katharina Witte vom RUZ. Auch eine Sammlung von Spielen, Liedern und kindgerechter Literatur zum Thema hatte das RUZ-Team vorbereitet.

Eine weitere Anregung, um Naturprodukte wie Holz und Stein wieder stärker in den Blickpunkt zu rücken, ist das „Plastikfasten“. „Dabei versuchen die Kindergärten, einen Tag oder eine Woche lang auf Plastik-Spielzeug zu verzichten“, erklärte Gremlowski.

Nachdem der Klimaschutztag in den Kindergärten in Ganderkesee und Dötlingen mittlerweile zu einer festen Einrichtung geworden ist, steht auch das Thema für 2018 bereits fest. „Dann wird es um die Klimaschutzaspekte der Mobilität gehen“, kündigte Gremlowski an. Der Klimaschutzmanager denkt dabei ganz konkret daran, einen Tag auf „Elterntaxis“ zu verzichten – was vor allem für die Erwachsenen eine große Herausforderung darstellen dürfte.

„Wir werden in den nächsten Tagen richtig streng überwacht werden.“ Julia Kirchhoff
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