Chika Aruga erhält Willi-Oltmanns-Preis

Werke wie Entdeckungsreisen

Die Hamburger Künstlerin Chika Aruga erhält den mit 5000 Euro dotierten Willi-Oltmanns-Preis 2019. Die Jury überzeugte vor allem die Leichtigkeit des Umgangs mit Farben und Formen.
08.04.2019, 06:41
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Von Jacqueline Schultz
Werke wie Entdeckungsreisen

Die diesjährige Willi-Oltmanns-Preisträgerin: Chika Aruga

INGO MÖLLERS

Man kann sich verlieren in Chika Arugas Arbeiten – ihr abstraktes Zusammenspiel von Farben und Formen, teils harmonisch, teils im Kontrast, mit zart-fließenden Linien und überraschenden Akzenten, lässt den Betrachter immer wieder eintauchen und Neues entdecken. Für ihr künstlerisches Schaffen erhält Chika Aruga jetzt den Willi-Oltmanns-Preis 2019. Die Künstlerin setzte sich unter 170 Bewerbern durch, die an der öffentlichen Ausschreibung teilgenommen hatten. Offizielle Preisverleihung ist am 2. Oktober im Kleinen Haus, verbunden mit einer Ausstellungseröffnung der Künstlerin.

Die Jury, bestehend aus den Malern Professor Peter. W. Schaefer und Marina Schulze sowie den Kunsthistorikern Professor Bernd Küster und Wiebke Steinmetz, zugleich Vorsitzende der Willi-Oltmanns-Stiftung, überzeugte Aruga laut Küster vor allem durch ihre „ungeheure Leichtigkeit des Umgangs mit Farben und Formen, in der man das Gemachte eigentlich nicht sieht. Es ist eine ganz schwerelos daherkommende Welt, in der alles organisch zueinanderfindet. Einerseits losgelöst von der Wirklichkeit, andererseits findet das Auge immer wieder Räume, teils mit Tiefendimension.“ Diese Freiheit, dass man etwas sehen kann, aber nicht muss, habe alle fasziniert. Außerdem schlage Aruga eine künstlerische Brücke zwischen der europäischen und asiatischen Kunst.

Chika Aruga wurde 1975 im japanischen Nagano geboren. Nach einem Kunststudium an der Universität Tokio zog es sie 1999 nach Deutschland, wo sie an der Bremer Hochschule für Künste ein Studium der Freien Kunst anschloss. 2005 erhielt sie den Bremer Kunstförderpreis der Loge „Zum silbernen Schlüssel“. Weitere Preise folgten. Seit 2010 lebt und arbeitet die Künstlerin in Hamburg.

Aruga arbeitet wechselweise in der Fläche sowie an der Staffelei. Ihre Bilder entstehen aus flachen Schichten dünn- und dickflüssiger Farben, wobei sie Überlagerungen teils abschleift und damit verborgene Schichten in Fragmenten wieder freilegt. Mit weichem Pinsel setzt sie zusätzlich Elemente, die an Architektur, Pflanzen oder Landschaften erinnern, dabei jedoch nie konkretere Formen annehmen. „Sie nutzt Acrylfarben wie Aquarell, das erzeugt eine unwahrscheinliche Transparenz“, findet Juror Küster.

„In meinen Arbeiten spielen Fragen nach Harmonie und Störung eine große Rolle. Es ist ein Vexierspiel zwischen der gesehenen Wirklichkeit und den Möglichkeiten, die diese Wirklichkeit immer wieder zum Kippen bringen können“, beschreibt Aruga selbst ihren künstlerischen Ansatz. Stark inspiriert haben sie die Eindrücke, als sie nach einiger Zeit in Deutschland wieder Japan besucht hat. „Diese Landschaften, ich habe viel fotografiert, auf Papier und Leinwand Zeiten und Orte, Verschwommenes und Kontrast kombiniert“, sagt sie.

Mitte Februar hatte die Jury die eingereichten Kataloge aller Bewerber sondiert. „Eine Mammutaufgabe“, wie Jurymitglied Küster im Nachhinein berichtet, die aus einer angedachten Nachmittagsrunde eine Nachtsitzung werden ließ. Stark vertreten war die Gruppe der um 1980 Geborenen, „also keine Newcomer, sondern Künstler, die schon ihren eigenen Weg eingeschlagen haben“, wie Küster erklärt. Fünf Künstler schafften es schließlich in die engere Auswahl und wurden gebeten, jeweils drei Originalwerke bei der Stiftung einzureichen. „Das ist nochmal ein ganz anderer Eindruck als Katalogfotos“, erklärt Wiebke Steinmetz die Intention dahinter. Mitte März erfolgte dann die zweite, entscheidende Sitzung.

Die Auswahlkriterien für den Preis sind selbst für die vierköpfige Jury schwer in Worte fassen. „Keinesfalls sind Ähnlichkeiten zur Kunstauffassung des Malers Willi Oltmanns entscheidend, sondern allein die malerische Eigenständigkeit und Überzeugungskraft des Künstlers“, betont Wiebke Steinmetz bei der Vorstellung der diesjährigen Preisträgerin. Dabei achte man auf die handwerkliche Souveränität genauso wie auf die malerische Position unabhängig von modischen Tendenzen.

Küster schätzt insbesondere die Auslobung als reinen Malerei-Preis: „Das ist selten geworden. In den derzeit künstlerischen Disziplinen haben die Montage, die Inszenierung oder auch digitale Medien oft den Vorrang.“ Für ihn als Juror sei es daher in Zeiten, in denen die Malerei immer wieder als tot erklärt wird, ein Vergnügen gewesen, die Lust an der Malerei in dieser Generation zu entdecken.

Der Willi-Oltmanns-Preis wird seit 2000 alle drei Jahre verliehen. Erlaubt sind alle Genres der Malerei wie Figuren, Porträt, Landschaft und Stillleben, aber auch non-figurative Arbeiten. Mit der Preisverleihung verbunden ist ein Preisgeld von 5000 Euro sowie eine Fördersumme von 7500 Euro zur Herausgabe eines Katalogs.

2015/16 wurde kein Preis verliehen, da Lilo Oltmanns, Witwe des Malers wie auch Stiftungs- und Preisinitiatorin, in den letzten Jahres ihres Lebens nicht mehr die Kraft hatte, die Preisverleihung zu begleiten. Im November 2015 verstarb sie im Alter von 96 Jahren. Ihr Haus, jetzt Stiftungsstätte und Ausstellungsort von Oltmanns Werken, wurde daraufhin renoviert und kann heutzutage nach Absprache besucht werden.

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