Fünf R helfen bei gutem Vorsatz Wie sich das Leben einfach nachhaltiger gestalten lässt

Wer das Jahr 2020 nachhaltiger leben möchte, braucht sich für mehr Einfachheit nur Schritt für Schritt an ein Prinzip halten: refuse, reduce, reuse, recycle, rot.
27.01.2020, 20:56
Lesedauer: 4 Min
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Wie sich das Leben einfach nachhaltiger gestalten lässt
Von Annika Lütje

Das neue Jahr ist so langsam angelaufen, und die meisten Menschen haben wahrscheinlich schon festgestellt, ob ihre guten Vorsätze für 2020 wirklich so eine gute Idee waren. Wer sich vorgenommen hat, ab diesem Jahr nachhaltiger zu leben, könnte durchaus ins Strudeln geraten. Denn der Berg, der da vor einem liegt, ist recht hoch und unübersichtlich.

Deshalb ist es für den Anfang ganz gut, sich erst einmal bewusst zu machen, welche Prinzipien denn überhaupt helfen, nachhaltig zu leben, bevor man in blinden Aktionismus verfällt, sich darin verzettelt und dann völlig überfordert und frustriert aufgibt. In der Zero-Waste-Bewegung spricht man von den fünf R: refuse, reduce, reuse, recycle, rot. Auf Deutsch versteht man darunter: ablehnen, reduzieren, wiederverwenden und reparieren, zur Werttstoffsammlung geben, kompostieren.

Refuse oder ablehnen

Ein Grundproblem ist, dass wir zu viel konsumieren. Hand aufs Herz: Brauchen wir all das Zeug, das wir kaufen, wirklich? Refuse, also das Ablehnen, zielt darauf ab, einfach mal seine Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und zu verzichten. So kann man sich einen Monat lang bei jedem Einkauf fragen, ob man das Ding, das man gerade in den Einkaufswagen legen will, wirklich braucht – oder ob man es nicht auch ohne große Entzugserscheinungen wieder ins Regal zurück stellen könnte.

Die zwanzigste Shampooflasche? Nein, danke. Die in Plastik eingeschweißte Gurke? Nein, danke. Die Glitzerstifte, nur weil sie im Angebot sind? Nein, danke. Der Werbegeschenk-Kugelschreiber? Nein, danke. Nur, wenn wir auf diese Dinge verzichten, senken wir auch die Nachfrage und folglich das Angebot. Und es ist erstaunlich, wie schnell sich der Verzicht nicht mehr wie Verzicht, sondern wie Selbstbestimmtheit und Macht anfühlt.

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Reduce oder reduzieren

Der nächste Schritt ist das Reduzieren. Denn wer hat sie nicht in seinen Schränken: Unmengen an ungenutzten Dingen, die man irgendwann einmal gekauft hat und schon lange nicht mehr benutzt. Im Grunde sind all diese Dinge ein Haufen verschwendeter Ressourcen. Denn für deren Produktion, Verpackung und Transport sind unheimlich viele Ressourcen genutzt worden.

Sie alle auszumisten und wegzuwerfen, wäre der falsche Weg. Denn dadurch würden die sowieso schon unermeßlich großen Müllhalden auf diesem Planeten nur noch größer. Viel schöner wäre es doch, wenn die Dinge von jemandem weiter genutzt würden, der sie wirklich brauchen kann. Dafür kann man die Dinge beispielsweise verschenken, spenden oder über die Kleinanzeigen oder soziale Netzwerke verkaufen.

Reuse oder wiederverwenden

Aber was macht man mit Dingen, die man gern behalten möchte, die aber kaputt oder etwas beschädigt sind? Auch diese Dinge müssen nicht zwangsläufig in den Mülleimer wandern. Hier kann man sich an das dritte R halten: Reuse, also wiederverwenden und reparieren. Fast alles lässt sich reparieren. Und wenn man nicht genau weiß, wie das geht? Im Internet gibt es inzwischen unzählige Videos und andere Seiten mit Anleitungen zu den unterschiedlichsten Themen. Man kann aber auch Freunde, Familie oder Nachbarn fragen, ob jemand weiterhelfen kann. Und dann gibt es natürlich auch noch die Repair-Cafés vor Ort, in denen einem mit kaputten Geräten geholfen wird.

Manche Dinge sind dann aber doch irgendwann so kaputt, dass jede Hilfe zu spät kommt. Dann kann man sich überlegen, wie man sie mit einer neuen Aufgabe betrauen könnte. Müde Kleidung oder Handtücher? Die kann man zum Beispiel zerschneiden und als Putzlappen nutzen. Oder man kann Abschmink-Pads, Einkaufsbeutelchen oder Waschlappen daraus machen. Ein kaputter Bilderrahmen? Mit einer Schnur und ein paar Wäscheklammern lässt sich daraus im Handumdrehen eine Pinnwand zaubern. Man braucht aber keine? Das nächste Weihnachten kommt bestimmt...

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Recycle oder Wertstoffverwertung

Zero Waste, also null Abfall – das ist wahrscheinlich eine Illusion, eine Utopie. Unter den jetzigen Rahmenbedingungen ist es wohl unmöglich, überhaupt keinen Müll mehr zu produzieren. Deshalb ist es umso wichtiger, seinen Abfall richtig zu entsorgen. Das fängt mit dem Recycling an.

Zugegeben: Optimal läuft der Prozess nicht. Weil wir Deutschen so viel Müll produzieren, dass unsere Verarbeitungsanlagen es gar nicht mehr schaffen, diese Mengen zu bewältigen, wird ein hoher Anteil unseres Abfalls in andere Länder verschifft, wo er auf Müllkippen landet und dort die Umwelt und die Gesundheit der Menschen schädigt. Eine bessere Option steht uns momentan aber nicht zur Verfügung. Deshalb ist es wichtig, den Abfall wirklich sorgfältig zu trennen, damit die Anlagen ihn wenigstens ordnungsgerecht verarbeiten können.

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Rot oder kompostieren

Wer allerdings schon beim Einkauf darauf achtet, so wenig Verpackungen wie möglich in den Einkaufskorb zu legen, muss auch weniger in den Müllkreislauf einfügen. Derjenige kann sich vorrangig an das fünfte R halten: das Kompostieren. Denn wer das Glück hat, in einem Unverpacktladen einkaufen zu können, sich zum Teil selbst versorgt, regelmäßig auf dem Wochenmarkt einkauft und in den Supermakt seine eigenen Behälter mitbringt, wird hauptsächlich einen vollen Biomülleimer haben. Und dieser schadet der Natur keineswegs, wenn man ihn auf dem Komposthaufen oder in der grünen Biotonne entsorgt.

Dabei ist Biomüll nicht immer Müll – wo wir wieder beim Reuse wären: Kaffeesatz kann man beispielsweise als Scheuermittel oder Hautpeeling nutzen. Aus Blattgrün – zum Beispiel von Kohlrabi oder Karotten – kann man leckeres Pesto machen. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern auch noch Geld. Und ein kreatives, nachhaltiges Leben macht gleich doppelt Spaß.

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