Management kündigt Bowlingbahnbetreiber fristlos / 289000 Euro Außenstände Wieder Mietstreit im Jute-Center

und Andreas D. Becker
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Wieder Mietstreit im Jute-Center
Von Christina Steinacker

und Andreas D. Becker

Delmenhorst. Es klingt nach 'Mausefalle, die zweite', was da gerade im Jute-Center passiert. Wieder gab es eine fristlose Kündigung für einen großen Mieter, wieder soll es um Mietschulden im sechsstelligen Bereich gehen. Nach Angaben von Centermanagerin Anja Seemann stehen von 'Mik?s Bowling- und Sportsbar' noch 289000 Euro aus. Deswegen hat Bowlinbahnbetreiber Michael Kocziok am vergangenen Freitag die fristlose Kündigung erhalten. 'Zum Erstaunen unsererseits', wie er sagt.

Dabei klingen die beiden Geschichten von Anja Seemann und Michael Kocziok darüber, wie es so weit kommen konnte, so unterschiedlich, als wenn es um zwei separate Fälle geht. Die der Centermanagerin geht so:

Schon seit Beginn des Mietverhältnisses habe Kocziok Schulden bei der Jute Immobilien- und Projektentwicklung GmbH & Co. KG angehäuft, demnach wohl fast nie die volle Miete von 27000 pro Monat bezahlt. Offiziell betreibt Kocziok die Bowlinganlage seit Januar 2009, den Mietvertrag unterschrieb er am 10. Dezember 2008. 'Im April 2010 hat er eine Ratenzahlungsvereinbarung unterschrieben, die er aber nicht bedient hat', sagt Anja Seemann. Miete habe er von da an auch gar nicht mehr gezahlt, vorher sei dies zumindest sporadisch der Fall gewesen.

Keine Mietminderungen genehmigt

Zu der von Korcziok angeführten Mietminderung kann die Centermanagerin nichts sagen, denn ihr war bislang zumindest nichts in dieser Richtung bekannt. 'Das stimmt definitiv nicht, weil er sonst ja auch die Ratenzahlungsvereinbarung gar nicht unterschrieben hätte', meint sie. Und mit der Unterschrift unter dieser Vereinbarung habe er de facto auch seine Schulden anerkannt. Dass die Jute Immobilien- und Projektentwicklung GmbH nicht eher reagierte, erklärt Seemann mit der Mausefalle. Erst sollte dieser Fall vom Tisch sein.

In dem Gebäudetrakt soll es auch weiterhin Bowling geben, eine Nachvermietung sollte laut der Centermanagerin kein Problem sein. Das sieht Anja Seemann eher in Kocziok, der wahrscheinlich nicht freiwillig das Feld räumen werde. Von daher stellt sie sich innerlich schon auf die nächste Auseinandersetzung vor Gericht ein. 'Die Klage auf Räumung läuft', bestätigt auch Jute-Rechtsanwalt Martin Frenzl, den die ganze Geschichte auch fatal an die mit der Mausefalle und dessen Betreiber Ole Holthoff erinnert. 'Wir haben Herrn Kocziok eine goldene Brücke gebaut, aber er wollte sie nicht benutzen', sagt der Anwalt mit Blick auf das Ratenzahlungsangebot. Und da Kocziok in den vergangenen Monaten gar keine Miete mehr bezahlt habe, mache man jetzt Nägel mit Köpfen. 'Kocziok erzählt von morgens bis abends nur Geschichten', sagt der Anwalt. Unter anderem habe der Bowlingbahnpächter zwischenzeitlich angeboten, 100000 Euro seiner Schulden auf einen Schlag abzutragen. Aber auch nach dieser

Ankündigung habe die Jute nicht einen Cent gesehen.

In Thomas Koczioks Geschichte kommen noch ganz andere Inhalte vor, von Zusagen und mündlichen Absprachen ist da die Rede, von den Versuchen einer gütlichen Einigung - und einem schlechten Start, als er die Bowlingbahn übernahm. Sein Vormieter Arthur Dähn nahm unter anderem Möbel mit, 'die auch sein Eigentum waren', wie Kocziok erzählt, zudem gab es kein einziges 'Leuchtmittel' mehr auf der Bahn, als er sie zum ersten Mal betrat. Auch befand sich die Küche in einem erbärmlichen Zustand, die Bowlingmaschinen waren kaputt. Allein die Instandsetzung habe Kocziok 57000 Euro gekostet. Alles Dinge, um die sich die Jute nicht gekümmert habe.

Miete nicht zu erwirtschaften

'Nach drei Monaten habe ich dann bemerkt, dass die 27000 Euro Miete, zu denen noch 3000 Euro pro Monat für Strom kamen, nicht zu erwirtschaften waren', sagt Kocziok. 'Bis Mai haben wir dann mit Frau Heitefuß verhandelt.' Demnach hätte er ab September 2009 erstmal eine Staffelmiete, beginnend bei 18000 Euro bis hoch auf 25000 Euro, zahlen sollen. Auf Nachfrage wollte sich die ehemalige Centermanagerin Stefanie Beck (ehemals Heitefuß) aber nicht zu dem Thema äußern. So viel sagt sie dann aber doch: 'Ich habe immer sehr korrekt gearbeitet, wenn auch alles schriftlich gemacht.'

Doch auch die Staffelmiete spielte Kocziok nicht ein. 'Ich habe dann mit Frau Seemann als neue Miete 15000 Euro ausgehandelt', sagt er. Allerdings nur mündlich, auch auf mehrmalige Aufforderung habe er nie etwas schriftlich bekommen. 'Gott sei Dank habe ich zwei Zeugen, die bei dem Gespräch dabei waren', sagt Kocziok. Als ihn das Centermanagement dann auf seine Außenstände ansprach - 'vor vier Wochen bei einem Telefonat' - habe er sofort versucht, persönliche Treffen zu arrangieren, um eine gütliche Einigung zu finden. Doch alle seine Gesprächsangebote wurden nicht angenommen.

Mehr als 15000 Euro Miete seien absolut nicht drin in Delmenhorst, betont der Bahnbetreiber. 'Ich habe mir selbst noch nicht einen Lohn ausgezahlt, seitdem ich hier bin', sagt Kocziok, lediglich seine Lebenshaltungskosten. Und er hätte die Bahn auch nicht weiterbetrieben, wenn ihm nicht die Mietminderungen zugesagt worden wären, 'dann wäre ich im Mai 2009 gegangen'.

Centermanagerin Anja Seemann wiederum sieht die Ursache dafür, 'dass er das Unternehmen runtergewirtschaftet hat', in der Art und Weise, wie es von Kocziok betrieben wird. Schon öfter seien bei ihr beispielsweise Beschwerden über fehlende Sauberkeit und mangelnden Service eingegangen.

Michael Kocziok hat gegen die fristlose Kündigung mittels eines Rechtsanwalts Einspruch eingelegt.

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