Zwei Demos in Delmenhorst 600 Delmenhorster bilden Menschenkette

Immer wieder montags ziehen sogenannte Spaziergänger durchs Land, auch Delmenhorst war wieder Schauplatz. Am Rathaus kam wieder das Bündnis gegen Rechts zum Schutz der Institutionen zusammen.
17.01.2022, 20:01
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600 Delmenhorster bilden Menschenkette
Von Gerwin Möller

Es geht ihnen um nicht mehr und nicht weniger als um den "Schutz der Stadt". Das Breite-Bündnis-gegen-Rechts rief für Montagabend erneut alle Delmenhorster auf, zu einer Menschenkette entlang des Rathauses zusammenzukommen. Mit Schild und Lichterketten wurde für Abstand gesorgt, die Demonstranten vor dem Rathaus hielten sich konsequent an das Maskentragegebot. "Wir sind mehr", skandierten viele Teilnehmer, die sich zwischen Wasserturm und Moltkestraße aufgestellt hatten. 600 Menschen zählte Jürgen Schulenberg vom Sprecherrat des Bündnisses. Er hatte sich schon im Vorfeld ein "entschiedeneres Auftreten" gegen die erwartete, erneut unangemeldete Demonstration, "in der gegen die Corona-Maßnahmen marschiert wird", gewünscht.

Gegen 18 Uhr eröffnete Hans-Joachim Müller, ebenfalls dem Sprecherrat angehörig, die Kundgebung des Bündnisses am Rathaus – und freute sich, als Rednerin Oberbürgermeisterin Petra Gerlach (CDU) ankündigen zu können. Vorige Woche hatte die Verwaltungschefin eine Teilnahme noch aus Termingründen abgelehnt. Gerlach dankte nun denjenigen, die dem Demonstrationsaufruf gefolgt waren: "Delmenhorst steht zusammen", so Gerlach, die sich für eine gewaltfreie Meinungsäußerung aussprach und zeigte in Richtung derer, die wieder lautstark als Corona-Maßnahmenkritiker und Impfgegner zu ihrem unangemeldeten Aufzug zusammenkamen. Die Polizei zählte auf deren Seite rund 190 Teilnehmer in einem Hauptzug. Die hatten sich an diesem Montag nämlich nur zu einem Teil auf den Graftwiesen zusammengestellt. Sie folgten den über Lautsprecher verkündeten Auflagen nach dem Versammlungsgesetz und waren ausführlich auf die Pflicht zum Tragen von Schutzmasken aufgefordert worden. Eine ganze Reihe der sogenannten Spaziergänger, die Polizei schätzt die Anzahl auf 250, hatte sich bereits in der Innenstadt verteilt. Dort gab es zeitgleich zum Hauptfeld, das von starken Polizeikräften über die Bismarckstraße, Arthur-Fitger-Straße, Friedrich-Ebert-Allee und Mühlenstraße zu den Graftwiesen geleitet wurde, einige in kleinere Gruppen aufgeteilte Teildemonstrationen. An der Arthur-Fitger-Straße kam es erneut zu einem Stoppen des Hauptdemonstrationszuges durch die Polizei. Über Durchsagen wurden die Teilnehmer darauf angesprochen, dass wie am vergangenen Montag wieder zahlreiche Maskenverstöße registriert worden seien. Die Beamten würden nun zum Zwecke der Einzelansprachen durch die Menge schreiten. Es könnte bei Verweigerung auch zu weiteren Personenkontrollen kommen. Rund 40 Minuten dauerte der erzwungene Stopp an.

Jürgen Schulenberg vom Bündnis sieht bei den sogenannten Spaziergängern, neben vielen Menschen aus dem bürgerlichen Lager, auch den Anteil von "angereisten Rechten" wachsen. Delmenhorst habe mittlerweile die größte Anzahl von Teilnehmern solcher Aufzüge im gesamten Oldenburger Land erreicht. Selbst in der Stadt Oldenburg habe es vorige Woche 300 Demonstrierende weniger gegeben als in Delmenhorst, wo von der Polizei rund 540 Spaziergänger gezählt worden waren, so Schulenberg. Es sei unerträglich, dass sich immer noch so viele Menschen in einer Gruppe einreihen, in der rechtsextreme Menschenfänger wie der „Freie Sachse“ Michael Wittwer aus Chemnitz mitmarschieren, sagte Hans-Joachim Müller. "Trennt Euch von diesen Leuten", appellierte er an die Teilnehmer des Spaziergangs am Montagabend.

Für Andreas Brüggemann, Vertreter des DGB im Sprecherrat Breites-Bündnis-gegen-Rechts, „sind schon längst Grenzen überschritten. Einzelne Gruppen schrecken vor Gewalt, auch gegen Polizeibeamte, nicht zurück. Es geht den organisierenden Kräften im Hintergrund um eine Abschaffung der Demokratie. Daher ist es notwendig zu zeigen, dass in Delmenhorst so etwas nicht toleriert wird.“ Man stelle sich vor das Rathaus, um symbolisch deutlich zu machen, dass Delmenhorst sich nicht von rechtem Gedankengut infizieren lasse.

Zum zweiten Mal hatte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag in die Menschenkette eingereiht. "Es ist wichtig, Flagge zu zeigen", begründete die Parlamentarierin ihre Teilnahme. Eine "tolle Sache" sei es, dass "heute so viele Menschen gekommen sind", sie sei stolz auf die Delmenhorster.

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