Unter Helmuth Blauths Leitung wird auf Gut Dauelsberg alle Energie, die die Einrichtung braucht, selbst erzeugt "Wir sind unabhängig von den Ölscheichs"

Delmenhorst. Das Auf und Ab auf dem Ölpreismarkt - auf "Gut Dauelsberg", der Sozialen Heimstätte an der Syker Straße, muss es niemanden kümmern. Denn dort wird alle Energie, die die Einrichtung jahrein-jahraus benötigt, selbst produziert. Sei es Elektrizität, sei es Wärme. "Gut Dauelsberg ist unabhängig von den Ölscheichs", freut sich ein sichtlich zufriedener Heimleiter Helmut Blauth über eine Erfolgsgeschichte. Ein Besuch in Delmenhorsts Sozialer Heimstätte, die mit der Erzeugung nachwachsender Energie auf dem Gutshof bereits seit Jahren mit gutem Beispiel vorangeht.
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Von Fritz Hopfgarten

Delmenhorst. Das Auf und Ab auf dem Ölpreismarkt - auf "Gut Dauelsberg", der Sozialen Heimstätte an der Syker Straße, muss es niemanden kümmern. Denn dort wird alle Energie, die die Einrichtung jahrein-jahraus benötigt, selbst produziert. Sei es Elektrizität, sei es Wärme. "Gut Dauelsberg ist unabhängig von den Ölscheichs", freut sich ein sichtlich zufriedener Heimleiter Helmut Blauth über eine Erfolgsgeschichte. Ein Besuch in Delmenhorsts Sozialer Heimstätte, die mit der Erzeugung nachwachsender Energie auf dem Gutshof bereits seit Jahren mit gutem Beispiel vorangeht.

"Die zurzeit 162 Personen, die sich als Heimbewohner oder Arbeitskräfte hier aufhalten, benötigen natürlich warmes Wasser zum Heizen und Waschen", erzählt Blauth. Außerdem muss elektrischer Strom verschiedene Motoren drehen, Lampen leuchten lassen und Fernseher betreiben. Und das geschieht eben bereits seit Jahren mit nachwachsender Energie.

Das 1884, vor über 125 Jahren, zur Sozialen Heimstätte umgewidmete Gut habe sich stets bemüht, Energie zu nutzen, die sich dort anbot, erklärt Blauth. Er verweist aufs denkmalgeschützte Wasserrad am rauschenden Pultern-Bach, das vor 100 Jahren die Dreschmaschine antrieb. Heute werde Getreide bereits beim Mähen auf dem Acker gedroschen. Und da die Pultern nur zur dunklen Jahreszeit genügend Wasser führe, würde sie beim Antrieb eines Generators nur rote Zahlen erzeugen. Die Milch der vielen Guts-Kühe dagegen werde in einem Wärmetauscher gekühlt und dabei die Abwärme genutzt - wie bereits seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft üblich.

Heute und hier aber ginge es um "nachhaltig" - also quasi ewig - verfügbare Energie. Und dafür habe sich Gut Dauelsberg einen Wärmeerzeuger mit Holzhackschnitzeln beschafft, der mit 250 Kilowatt in der Region nur von der doppelt so großen Anlage von Wildeshausens Hotel "Gut Altona" übertroffen werde, schildert der Heimleiter beim Rundgang. Der dänische Wärmekesseltyp sei seit Jahren erprobt. Die Schnitzel werden aus Kopfholz oder schwachem Nadelholz gewonnen, das ein oder zwei Jahre im Freien trocknete. "Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen haben wir damit geschaffen, dass dieses Abfallholz mit dem Häcksler eines Lohnbetriebs zerkleinert und in unseren drei himmelhohen Silos gelagert wird", ergänzt Blauth. Von dort werde das Häckselgut zum Kessel befördert, sobald die großen Warmwasserspeicher nachgefüllt werden müssten. "Seit Jahren hat sich die deutsche Waldfläche nicht mehr verkleinert, sondern vergrößert", freut sich der Hobbyjäger darüber, dass stets genügend

Rohstoff für diesen Kessel nachwächst. Dies lasse die größte Kraftmaschine auf Gut Dauelsberg auch ganz CO2-neutral und somit auch nachhaltig arbeiten.

Ein weiterer Energiespender ist das Blockheizkraftwerk (BHKW) auf Rapsölbasis. Es besitzt zwar nur ein Viertel der Leistungsfähigkeit vom Holzkessel, läuft aber kontinuierlich und produziert dadurch fast gleich viel Energie. Über ein Drittel davon fällt als elektrischer Strom an, der ins EWE-Netz gespeist wird, dem aber bei Bedarf wieder entnommen wird. Dass dabei das Lebensmittel Rapsöl vernichtet werde, habe ihm allerdings Bauchschmerzen bereitet, bekennt Helmut Blauth, der auch Mitglied der Synode ist. Die evangelische Ethikkommission habe sich jedoch dafür entschieden, solche Anlagen als ethisch vertretbar anzusehen. So könne er das Blockheizkraftwerk "mit dem fantastisch hohen Wirkungsgrad von 95 Prozent" vertreten - vor allem, da sich der Rapsöllieferant mit Zertifikat dafür verbürge, dass es aus nachhaltiger Produktion dieser Region stammt.

Noch eine Energiequelle gibt es, auf die Blauth stolz ist: "2004 statteten wir als erste in Delmenhorst ein Dach mit einer Solarstromanlage mittels Photovoltaik aus", erzählt er. Heute sind bereits sechs Dächer in Südlage damit versehen. "Unsere 60-Kilowatt-Anlage gehört zu den Größeren in Delmenhorst." Sie liefert etwa 50000 Kilowattstunden Strom, und zusammen mit dem Blockheizkraftwerk wird der gesamte Strombedarf von etwa 175000 Kilowattstunden abgedeckt. Der Strom aus der Sonne wird mit 57 Cent pro Kilowattstunde verrechnet, der Preis über 20 Jahre garantiert. "Eine halbe Million Kilowattstunden Energie produzieren und verbrauchen wir auf Gut Dauelsberg insgesamt im Jahr, davon etwa ein Drittel als elektrischen Strom. Das spart etwa 600 Tonnen CO2 pro Jahr", rechnet Helmut Blauth vor und findet: "Eine ansehnliche Leistung."

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