Made in Niedersachsen: De Hoop

Fliesen aus Delmenhorst: Kunst auf Keramik

Gregor Schöner war eigentlich Illustrator und Designer. Doch heute ist er vor allem Fliesenkünstler. Als Motiv ist dabei auf der Keramik alles möglich. Nur Blau muss es sein – ganz nach Delfter Art.
29.03.2020, 05:00
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Fliesen aus Delmenhorst: Kunst auf Keramik
Von Lisa Boekhoff
Fliesen aus Delmenhorst: Kunst auf Keramik

Die Motive der Fliesen sind vielfältig: Am liebsten hat Gregor Schöner die Farbe Blau. Die Keramik ist von ihm handgemacht. Bis eine Fliese bemalt werden kann, vergehen für sie bereits zwei Tage im Ofen.

Ingo Möllers

Gregor Schöner hat lange überlegt. Und dann fiel es ihm eines Morgens plötzlich ein: „De Hoop“. Unter diesem Namen will er seine Fliesen in Zukunft verkaufen. „De Hoop ist ein alter holländischer Mühlenname“, erklärt der Künstler. Und der passt gleich doppelt: Denn schließlich produziert Schöner nicht irgendwelche Fliesen, sondern Kunstwerke in Delfter Tradition. Und seine Werkstatt in Delmenhorst liegt außerdem unweit der Hasberger Mühle.

Ein Blick in seinen Katalog zeigt die Vielfalt der Motive. Auf den Fliesen sind barbusige Meerjungfrauen zu sehen oder Schiffe in Seenot. Die Motive heißen „Dame auf Fass“, „Venezianische Kurtisane“, „Rauchender Herr“ oder „Kettensägerin“. Eben alles und alles in Blau. Grenzen gibt es im Format von 13 mal 13 Zentimetern keine. Und mit mehreren Fliesen lassen sich auch große Bilder zusammensetzen. „Hauptsache, es ist blau“, sagt Schöner.

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Die Farbe überstehe die heißen Temperaturen im Ofen. Eisen verbrenne dagegen manchmal höllisch, bei Kupferoxid schwimme die Glasur weg. „Ich nehme deswegen am liebsten Blau. Das lässt sich einfach gut pinseln.“ Und Blau stehe für Delft. Ganz viele Menschen kämen in seinen Laden und bemerkten sofort: „Ach guck mal: Delfter Blau! Das ist ein Begriff.“

Traditionell steht bei den Fliesen, den Delfter Kacheln, eine Figur im Zentrum. Schöner ist aber offen für Ideen und Wünsche. „Neulich habe ich Rügen gemalt. Auf fünf Fliesen die ganz Kreideküste von der Seeseite. Das funktioniert auch.“ Gerade hat er die Bestellung einer Kundin gebrannt: Die schickte ihm als Vorlage ein Foto von sich – auf einem Wasserbüffel sitzend. „Das fand ich sehr lustig. Die Fliesen sind jetzt schon fertig und können ausgeliefert werden.“

Gregor Schöner

In den Händen sein Ofenbuch: Gregor Schöner notiert darin Glasurrezepte, Farbmischungen, Brennvorgänge und seine Experimente. Die Wände der Werkstatt in Delmenhorst? Natürlich blau.

Foto: Ingo Möllers

„Kunst auf handgemachter Keramik“

Der Auftrag für den Wasserbüffel ging online ein. Gerade geht es kaum anders. Doch eigentlich möchte Schöner seine „Kunst auf handgemachter Keramik“ am liebsten nicht übers Netz verkaufen, sondern bei Händlern und in seiner Werkstatt in Delmenhorst. „Man muss eine Fliese in der Hand haben, um richtig einschätzen zu können, was das ist.“ Das Onlinegeschäft funktioniere deshalb nicht so gut. Und für einzelne Fliesen sei dieser Verkauf auch ein zu großer Aufwand.

Schöner ist eigentlich Illustrator und Grafikdesigner. In Bremen wuchs der gebürtige Bayer aus Dillingen an der Donau auf und studierte hier auch. Seine erste Begegnung mit einer historischen Fliese erlebte er in Bremen: In den Semesterferien half er aus Interesse an Geschichte bei Ausgrabungen der Landesdenkmalpflege. Auf dem Katharinenklosterhof stießen die Archäologen auf eine alte Fliese. „Das muss ein größeres Bild gewesen sein“, erinnert sich Schöner an das Stück mit einer Art Buchstaben darauf.

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Heute liegt die Fliese im Focke Museum. Und aus Schöner, der 20 Jahre als freier Illustrator arbeitete, öfter umzog und 2009 zurück nach Bremen kam, ist ein Fliesenkünstler geworden. „Fliesen mochte ich eigentlich schon immer“, sagt er. Seine eigene Brennerei hat Schöner seit ein paar Jahren. Erst in Bremen, nun in Delmenhorst auf einem alten Resthof.

Eigentlich habe er das Fliesenkunstgeschäft „ganz gemütlich“ aufbauen wollen. Die Arbeit als Illustrator sei nicht mehr so richtig befriedigend gewesen. Er habe überlegt, etwas zu machen, was die Menschen kaufen können, weil es ihnen gefällt „oder es bleiben lassen“. Als seine Verlage keine neuen Illustrationen benötigten, habe er überlegt, wieder Agenturen für neue Aufträge abzuklappern – oder umzusatteln. „Ich habe mich dann für die Fliesen entschieden.“

Gregor Schöner

Kunst auf Keramik.

Foto: Ingo Möllers

Anrühren, brennen und gucken, was dabei rauskommt

Die Fliesen brennt Schöner selbst, rührt auch die Farbmixturen an. „Da bin ich auch noch nicht wirklich fertig.“ Die Versuchsreihen dauerten lange: „Ich muss jede Mischung anrühren, brennen und gucken, was dabei rauskommt. Es gibt ständig Fehler. Und es passiert nie das, was man will.“ Das Ziel seiner Experimente ist eine Annäherung an das historische Vorbild, an den Glanz, Verlauf und andere Details der alten Fliesen. „Manchmal klappt es, manchmal nicht.“

Die Fliesen müssen gewalzt, getrocknet, gebrannt und schließlich glasiert werden. Erst dann kann Schöner die Farbe auftragen und es geht zurück in die Hitze. „Dann kommen sie noch mal in den Ofen. Nach 36 Stunden ist die Fliese fertig.“ Ist dieser Moment für ihn trotz der Routine noch immer magisch, wenn die Fliesen fertig sind? „Ja, immer. Das hört nie auf.“ An Fliesen mag er, dass sie etwa an der Küchen- oder Badezimmerwand einen Nutzen haben. Außerdem ließen sie sich als Bild aufhängen. Auch als Ladenschild oder Hausnummer funktionieren seine Fliesen. Ebenso sollen sie Restaurants oder Cafés schmücken. Schöner will gerade auch größere Flächen gestalten.

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Wie entstand die Tradition der berühmten Delfter Kacheln? Die blau-weiße Geschichte in den Niederlanden habe ihren Ursprung vor allem im Fernhandel mit asiatischem Porzellan in eben diesen Farben. Anfang des 17. Jahrhunderts war das gefragt. „Blau auf Weiß verkaufte sich in ganz Europa gut. Daran haben sich die einheimischen Töpfer angepasst.“

Doch dann kam Corona

Anpassen muss sich nun auch Schöner. Gerade wollte er richtig durchstarten. Sein Katalog ist just fertig: 44 Seiten stark, zwei Jahre Arbeit. „Eigentlich müsste ich jetzt Akquise machen“, sagt der Künstler. 800 Ausgaben des Katalogs waren druckfrisch zur Messe „Made in Bremen“ da. Doch dann kam Corona. Und auch die Messe musste für den Moment ausfallen und soll erst im Juni nachgeholt werden. „Jetzt sitze ich hier in der Werkstatt und habe noch 50 Kilo Ton. Wenn die alle sind, muss ich mir was ausdenken.“

Schöner versucht, einfach weiterzumachen. „De Hoop“ soll Innenarchitekten, Restaurants, Cafés und Händlern dann bald endlich richtig bekannt gemacht werden. Es komme eben immer alles anders, sagt der Illustrator, ganz wie bei den Fliesen. Schöner dürfte die Einstellung in dieser Zeit helfen. Und Hoffnung hat er sowieso. Hoffnung in Blau.

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