Made in Niedersachsen: Heimfrost

Eiskalte Ware aus Delmenhorst

Seit mehr als 40 Jahren liefert Heimfrost aus Delmenhorst tiefgekühlte Lebensmittel. Dabei fing ein neuer Abschnitt vor rund 20 Jahren mit Einmarkstücken und einem Versprechen an.
13.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel
Eiskalte Ware aus Delmenhorst

Jörg Schuda ist seit zehn Jahren alleiniger geschäftsführender Gesellschafter beim Lebensmittellieferanten Heimfrost.

Ingo Moellers

In einem hellen Holzbilderrahmen sind drei Einmarkstücke auf ein Blatt Papier geklebt. Sie stehen etwas unscheinbar zwischen Ordnern und Dekofiguren in einer massiven Holzbürowand. Doch für Jörg Schuda, dem das Büro gehört, haben sie eine immense Bedeutung: „Damit hat alles angefangen, könnte man sagen.“ Der 55-Jährige ist Geschäftsführer des Tiefkühllieferanten Heimfrost aus Delmenhorst. Die Geldstücke im Bilderrahmen waren Auftakt für ein neues Kapitel in der Geschichte des Unternehmens.

Vor 19 Jahren, das Unternehmen gehörte noch zum Eis-Imperium Schöller, saß er mit seinen Kollegen Dieter Brüninghaus und Michael Münter am Tisch. Schöller, das seinerseits zu Südzucker gehörte, sollte verkauft werden. Dafür musste ein Sieben-Jahres-Plan für Heimfrost erstellt werden. „Aber ich hatte darauf keine Lust mehr. Also habe ich eine Mark aus der Tasche geholt, sie auf den Tisch geworfen und gesagt: Wir kaufen das Unternehmen“, erzählt Schuda. Auch Brüninghaus und Münter warfen je eine Mark auf den Tisch, der Plan war geschmiedet.

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Über Nestlé, das Schöller und damit auch Heimfrost zunächst erwarb, ging das Unternehmen dann im Jahr 2004 tatsächlich an die drei Geschäftsmänner. „Wir haben Nestlé das Unternehmen, das Betriebsgelände und die Mitarbeiter abgekauft. Aber ohne eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen wäre das niemals gegangen“, erinnert sich Jörg Schuda. Vor zehn Jahren gingen Brüninghaus und Münter in Rente. Schuda erwarb ihre Anteile und wurde alleiniger geschäftsführender Gesellschafter von Heimfrost.

Etwa 450 Produkte gibt es zeitgleich im Sortiment von Heimfrost. Rund 170 von ihnen produziert das Delmenhorster Unternehmen selbst, der Rest wird extern eingekauft. „Dabei achten wir vor allem auf die Qualität. Die hebt uns schließlich von den günstigen Tiefkühlprodukten aus dem Discounter ab“, sagt Schuda. Vor allem das Gemüse und Pfannengerichte seien die Steckenpferde von Heimfrost. Produkte ohne Zusatzstoffe: das versichert das Unternehmen mit seinem Qualitätsversprechen. „Wer bei uns einkauft, setzt auf hochwertige Produkte“, sagt Jörg Schuda.

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Die hätten natürlich ihren Preis, sagt der Geschäftsführer. Den gesamten Wocheneinkauf würde ohnehin kein Kunde bei Heimfrost machen. „Es geht vor allem darum, sich bei bestimmten Produkten zu fragen: Was will ich, was brauche ich und was ist mir das wert?“ Besonders Erbsen und Fisch stünde bei den Kunden hoch im Kurs. Die Gründe liegen für Schuda auf der Hand: Die Auswahl der Erbsen erfolge nach strengen Kriterien, der Fisch werde bereits auf hoher See filetiert und schockgefrostet. „Das ist höchste Qualität. Besonders beim Fischfang wird die Kühlkette oft unterbrochen, weil über 90 Prozent des tiefgefrorenen Fisches aus China kommt“, sagt Schuda.

Die Kunden zahlen Heimfrost für die hohe Qualität nicht nur den Preis, sondern bleiben auch treu: Etwa zwei Drittel der Neukunden würden auch ein zweites Mal bestellen, sagt der 55-Jährige. „Nach einem Jahr sind immer noch gut 55 Prozent dieser Kunden dabei.“

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Homeoffice und Quarantäne haben das Geschäft belebt. Es gebe einen Kundenzuwachs. Man wähne sich daher ein bisschen auf der Gewinner-Seite, sagt Schuda, ohne jetzt vom ganz großen Umsatzplus zu sprechen. Etwa 16 Millionen Euro erwirtschaftet das Unternehmen jährlich, 82 der 156 Mitarbeiter arbeiten in Delmenhorst. Neben dem Hauptsitz hat Heimfrost bundesweit insgesamt zwölf Niederlassungen und 16 Franchisenehmer.

Die Kunden zu Hause besuchen, ihnen die Palette an Tiefkühlprodukten zu präsentieren und sie schließlich damit zu versorgen – das ist das Geschäftsmodell von Heimfrost. Dutzende Verkäufer sind täglich in überdimensionalen Kühlwagen unterwegs, um Bestandskunden anzusteuern oder neue Kunden zu akquirieren. Ein heikles Unterfangen in Zeiten von Corona, findet auch Jörg Schuda. „Aber unsere Mitarbeiter sind absolut dazu angehalten, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Zumal viele Kunden der Risikogruppe angehören.“

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Bislang habe es nur vereinzelt Beschwerden gegeben, die umgehend an die Verkäufer weiter getragen wurden. Die Kunden müssen dem Unternehmen gerade in dieser Zeit vertrauen können, weiß der Heimfrost-Geschäftsführer. Wenn der persönliche Kontakt wegfällt, ist schließlich das Geschäft in Gefahr. Ein Teil der Bestellungen käme inzwischen zwar über den Onlineshop rein, den es seit 2010 gibt, doch der Großteil werde noch immer im persönlichen Verkaufsgespräch abgesetzt.

Wo Jörg Schuda sein Unternehmen in fünf Jahren sieht? Das will er sich nicht ausmalen. Die Hauptsache sei doch, dass es den Mitarbeitern gut gehe, ihre Jobs sicher seien und das Geschäft gut laufe. Dass er neue Wege beschreiten muss, um im Kampf mit Discountern und Supermärkten wettbewerbsfähig zu bleiben, beschäftigt den 55-Jährigen. Eines werde es in Zukunft aber nicht geben: Heimfrost-Produkte im nächsten Supermarkt. „Das widerspräche komplett unserem Geschäftsmodell. Außerdem blieben dann unsere Verkäufer auf der Strecke, das geht nicht“, sagt Schuda.

Über die Nachfolge hat er sich schon Gedanken gemacht. "Vielleicht übernimmt ja eins meiner drei Kinder das Unternehmen“, sagt er. Tochter Nicole arbeitet im Unternehmen und gilt als mögliche Kandidatin. Einen Sieben-Jahres-Plan hat Jörg Schuda aber weiter nicht in der Schreibtischschublade. Seine Vergangenheit hat gezeigt, dass der manchmal gar nicht nötig ist.

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