Ende eines Familenbetriebes Wirtsleute Krafft geben Gasthof 'Zum Bookholzberg' auf

Ganderkesee-Bookholzberg. Nach 57 Jahren als Familienbetrieb gehen an der Stedinger Straße 68 Ende des Monats die Lichter aus: Hugo und Gabi Krafft haben den Gasthof „Zum Bookholzberg“ verkauft. Nun planen sie ein neues Ausflugslokal in Berne.
10.02.2010, 04:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Laura Bohlmann

Ganderkesee-Bookholzberg. Gabi Krafft sitzt auf einer mit ausgeblichenem Stoff überzogenen Holzbank an einem Tisch in ihrem Gasthof zum Bookholzberg. Sie trinkt Kaffee, zieht hastig an ihrer Zigarette und schaut in den Raum. An der Wand neben dem Tresen hängen Bilder von Bikertouren. Stämmige Männer in Lederkluft mit ihren Motorrädern. Mitten drin Hugo und Gabi Krafft. Auf der Fensterbank steht eine Charlie-Chaplin-Figur, die Wände sind holzvertäfelt, der Gasthof strahlt schlichte Gemütlichkeit aus.

Es hat den Anschein, als wolle Gabi Krafft die alten Zeiten wieder hervorrufen. Ein letztes Mal, bevor sie den Gasthof schließt. Denn am Sonntag, 28. Februar, wird der Gasthof 'Zum Bookholzberg' nach 57 Jahren zum letzten Mal geöffnet haben. Hugo und Gabi Krafft wollen noch einmal neu anfangen, mit einem Resthof in Berne-Hekeln. Und sie wollen irgendwann mal kürzer treten. 'Damit mein Mann und ich das Alles noch muddeln können', sagt Gabi Krafft. Mit muddeln meint sie bewerkstelligen, schaffen.

Von der Taufe bis zur Beerdigung

Gabi Krafft ist 46 Jahre alt, ihr Mann Hugo 45 Jahre. Vor fünf Jahren übernahmen sie den Betrieb von Hugos Eltern. Eine Kneipe mit bierbegleitenden Speisen war der Gasthof 'Zum Bookholzberg'. Im Saal hielten die Dorfbewohner ihre Feierlichkeiten ab, auf der Kegelbahn wurde sportliches Können bewiesen. 'Von der Taufe bis zur Beerdigung haben wir hier alles ausgerichtet', erzählt Gabi Krafft mit einem Lächeln. Auch die abendlichen Stammgäste seien gerne zu ihnen gekommen. Von der Stammtischrunde der Altherren bis zu den Jugendlichen vom Dorf seien bei ihnen alle zu Gast gewesen. Die Tollhaus-Party, das Oktoberfest und Hugos Biker-Touren waren jedes Jahr willkommene Ereignisse. 'Vor allem das Champignon-Rahmschnitzel hat sich großer Beliebtheit erfreut', schmunzelt die Wirtin.

'Vor allem früher muss das hier schön gewesen sein. Da kamen die Frauen vom Markt immer noch auf ein Glas Bier herein', sagt Gabi Krafft. Sie selbst kennt diese Zeit nur aus Erzählungen ihres Schwiegervaters. Sie weiß aber, dass ihr Schwiegeropa das Herz am richtigen Fleck hatte: 'Wenn einer mal nicht so gut bei Kasse war, konnte er seine Feiern trotzdem bei uns ausrichten', erklärt sie. Diese Herzlichkeit sei es auch, die den Gasthof ausgemacht habe. 'Bei uns kann man sein, wie man will. Wenn man traurig ist, darf man traurig sein und wenn man fröhlich ist, fröhlich. Diese Ehrlichkeit, die bei uns herrschte, die ist wichtig', sagt sie.

Deswegen ist es ihr auch wichtig, ihren Gästen zu erklären, weshalb sie aufhören. Sie und ihr Mann haben gemeinsam beschlossen, den Familienbetrieb zu verkaufen: 'Wir müssen nicht, sondern wir wollen und wir können verkaufen.' Auch wenn die Gerüchteküche im Dorf anderes verbreite. Eine Investorengruppe hat das Grundstück und das Gebäude bereits gekauft. Mit einem Angebot, zu dem Hugo und Gabi Krafft nicht Nein sagen wollten. An der Stelle des Gasthofs wird in Zukunft auf dem Gelände ein altersgerechtes Mehrfamilienhaus stehen.

Der Abschied fällt den Kraffts nicht leicht. Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Besonders die Stammgäste seien ihr ans Herz gewachsen. 'Wir haben ein paar alte Leutchen, bei denen ich weiß, dass sie nicht einfach nach Hekeln kommen können. Das ist dann schon schade', sagt sie. Aber auch dafür haben sie schon eine Lösung: 'Vielleicht können wir mit unseren Donnerstags-Herren einen Shuttle-Service machen', überlegt sie. Doch das ist vorläufig Zukunftsmusik.

Für die Kraffts ist der Verkauf ein Neuanfang. In Hekeln, sieben Kilometer von Bookholzberg entfernt, wollen sie im April aus einem Bauernhof einen Biker-Treff machen. Eine Kneipe soll eingebaut, die Diele vermietet und eventuell ein Hundeplatz angelegt werden. Konkretere Pläne müssen jedoch erst noch von den Behörden genehmigt werden. Eines weiß Gabi Krafft dennoch schon jetzt: Genau wie die Biker-Bilder neben dem Tresen werden auch ihre Gäste in Hekeln einen Platz bekommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+