Wochenmarkt in Delmenhorst Einkauf unter verschärften Bedingungen

Der Wochenmarkt in Delmenhorst ist auch in Corona-Zeiten gut besucht. Die meisten der Kunden halten sich aber an mehr Abstand und die Hygieneregeln.
22.03.2020, 16:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Wolff

Auf den ersten Blick wirkt fast alles wie immer. Ein normaler Sonnabendvormittag auf dem Marktplatz. Viele Besucher schlendern zu den Buden des Wochenmarktes, um sich mit frischen Lebensmitteln und Blumen für die kommende Woche einzudecken. Aber ein paar Dinge sind dann doch ungewöhnlich: Vor und an den Ständen hängen oder stehen Schilder, die die Kunden darauf hinweisen, dass sie beim Anstehen Abstand voneinander halten sollen. „Damit wir alle gesund bleiben“, versucht ein Sandwich-Aufsteller noch etwas Optimismus auszuströmen. Und tatsächlich: Die meisten Leute halten sich daran – spätestens dann, wenn ein Mitmensch sie an die Sicherheitsregeln erinnert.

Auch in Sachen Hamstern zeigen sich die Kunden diszipliniert – sie kaufen also nicht anderen Leuten die letzten Waren weg oder holen viel mehr Lebensmittel als sonst. Das mag zum einen daran liegen, dass sich typische Marktwaren wie Kopfsalat, Tomaten und Broccoli schlecht lagern lassen. Aber auch daran, dass die Delmenhorster Marktkunden offensichtlich vernünftig mit der Situation umzugehen versuchen. So umweltbewusst wie in den vergangenen Monaten, in denen viele Kunden sogar eigene Behälter mitgebracht hatten, um Kunststoffmüll zu vermeiden, geht es derzeit aber nicht mehr: In Zeiten von Corona erlebt die Einwegtüte eine Renaissance. An einigen Ständen steht sogar der Hinweis, dass die Händler dort nur noch solche Tüten verwenden und mitgebrachte Behälter nicht auffüllen dürfen. Auch Kostproben dürfen die Markthändler aus hygienischen Gründen derzeit nicht mehr austeilen.

„Das Kaufverhalten der Kunden hat sich verändert“, ist Torsten Filter von der Brotmanufaktur Stadtländer aufgefallen. „Die Kunden kaufen mehr – nicht nur Brot, sondern alle möglichen Backwaren. Sie halten sich zwar größtenteils an die Regeln, aber die Atmosphäre ist etwas unentspannter geworden“, findet er.

Stefanie Gerbracht von der Hofgemeinschaft Gummersort hat auch gemerkt, dass sich inzwischen auch alle an die Abstandsregel halten: „Das war am Mittwoch noch nichts so. Die Käufer wühlen auch nicht mehr so in den Waren rum“, sagt die 49-Jährige. „Zwei von uns reichen die Waren rüber und eine Mitarbeiterin kassiert.“ So verhindern die Mitarbeiter, dass sie mit Geld und auch mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Außerdem desinfizieren sie sich immer wieder zwischendurch die Hände. „Die Kunden kaufen jetzt vermehrt Ingwer und Zitronen“, erzählt Gerbracht. „Offensichtlich haben die Menschen das Bedürfnis, ihrem Immunsystem etwas Gutes zu tun.“ Insgesamt laufen die Geschäfte gut. Sie vermutet, dass die Leute nun mehr Zeit zum Kochen haben. Und auch mehr Zeit haben, frische Waren zu schälen und nicht auf fertige Produkte aus dem Glas angewiesen sind. Eine gesteigerte Nachfrage nach Kartoffeln und anderen Waren, die sich gut lagern lassen, hat sie dagegen nicht gemerkt.

Das ist bei Heiko Moorschlatt an seinem Kartoffelstand anders – zumindest teils: „Manche kaufen mehr, manche kaufen ihrem normalen Wochenrhythmus entsprechend ein. Aber dass sie hamstern, würde ich nicht sagen. Ein paar Kunden wollen statt einem Kilogramm jetzt fünf Kilogramm.“ Der Händler findet, dass die Leute sehr diszipliniert bei der Hygiene sind. „Manche tragen sogar Handschuhe. Schließlich wissen sie, dass wir schließen müssen, wenn sich herausstellt, dass die Regeln nicht eingehalten werden. Und das wollen die Kunden nicht.“ Und anstecken oder angesteckt werden will auch niemand.

Am Blumenstand des Dahlienhofs Tönjes ist die Nachfrage nach Honig auffallend gestiegen. „Aber nicht so sehr, dass ich das hamstern bezeichnen würde“, erzählt Friedrich Tönjes. Und auch in Zeiten von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit scheinen die Menschen nicht nur Geld für Lebensmittel auszugeben, sondern sich auch etwas Natur mit ins Haus holen zu wollen: „Ich verzeichne auch bei den Blumen bessere Umsätze“, sagt Tönjes.

Marius Wigman mit seinem holländischen Blumenhandel zeigt sich auch zufrieden. Und das, obwohl die Holländer ihre Tulpen inzwischen wegen eines Exportverbots vernichten müssen, wie er erzählt. „Das führt schon zu einem Engpass bei Tulpen. Aber die Leute geben sich auch mit anderen Blumen zufrieden“, sagt der Holländer. „Überhaupt ist es schön zu sehen, wie viel Respekt die Menschen jetzt voreinander haben. Sie sind jetzt in dieser Krise so nett wie sonst nie zueinander.“

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