Quartieraufwertung geplant Den Delmenhorster Wollepark neu entdecken

Die Wohnblocks im Wollepark kennt jeder. Das Quartier sorgte in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig auch überregional für Schlagzeilen. Jetzt soll der Ruf des Landschaftsparks verbessert werden.
07.01.2021, 18:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Lina Wentzlaff

Das Quartier Wollepark und umzu gilt seit Jahren als sogenannter architektonischer Schandfleck. Durch die Umgestaltung des Gebiets möchten die Stadt und rund 20 weitere Akteure nun das Image des Parks und seiner Umgebung verbessern. Neben dem Abriss der Wohnblocks aus den 1970er-Jahren betrifft das auch die Umgestaltung des ursprünglichen Landschaftsparks der Familie Lahusen, aus dem ein Naherholungsgebiet werden soll.

Seit Jahren wird an der Umgestaltung des Geländes gefeilt, zuletzt wurden die maroden Geschossbauten „Am Wollepark 13 und 14“ angegangen. Das Quartier sorgte in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig auch überregional für Schlagzeilen. In den Wollepark geht man nicht, diese Devise hat sich teilweise bis heute gehalten.

Schlechten Ruf verbessern

Viele Delmenhorster trauen auch dem anliegenden Park nicht. Und das, obwohl die Polizei zusammen mit der Stadt im Sommer 2016 eine große Sicherheitskampagne gegen die vergleichsweise hohe Kriminalität im Quartier startete. „Der Wollepark hat einen sehr schlechten Ruf, der sich seit Jahrzehnten manifestiert hat“, erklärt Erika Bernau vom Quartiersmanagement Wollepark.

Diesen Ruf zu verbessern – der auch dem Landschaftspark nicht gerecht werde – sei verdammt schwer. Dabei habe der Park ein „großes Potenzial auch schon ohne die Umgestaltung“, finden Bernau und ihre Kollegin Anthea Heise. Viele Delmenhorster wüssten zudem gar nicht, dass hinter dem alten Wohnblock-Gebiet der wunderschöne Landschaftsgarten liegt. „Sie nutzen den Park in der Nähe nur als Abkürzung zwischen der Stedinger und der Thüringer Straße“, erzählt Heise. Das könnte auch an der Geschichte des Wolleparks liegen. Denn viele Jahre war dieser nur der Privatpark der damals wohl reichsten Familie in Delmenhorst.

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Die Familie Lahusen ließ einige Jahre, nachdem sie neben dem Fabrikgelände der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei – der sogenannten Nordwolle – ihre weiße Villa errichtet hatte, den Park anlegen. „Der Wollepark war lange Zeit gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich“, betont Bernau. Erst in der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Anlage für die Öffentlichkeit nutzbar und ein neuer Eingang an der Stedinger Straße sowie eine Freilichtbühne gebaut. Nach dem Krieg wurde der Park für die Allgemeinheit wieder gesperrt. 1975 wurde er schließlich an die Stadt Delmenhorst verkauft. Laut der Quartiersmanagerin ist die Gegend danach lange vernachlässigt worden, auch weil sich das gesamte Gebiet zum sozialen Brennpunkt entwickelte.

Doch die Erinnerung an vergangene Zeiten und damit auch der schlechte Ruf sollen in den kommenden Jahren von neuen frischen Ideen und Projekten ersetzt werden. Im Nachbarschaftszentrum finden Veranstaltungen und Angebote zur Bewohneraktivierung und Projekte aus der Ehrenamtsarbeit im Quartier statt. „Im Park sind einige neue Angebote geplant“, erzählt Bernau und betont, dass trotz der Corona-Pandemie auch schon 2020 viel passiert sei.

495.000 Euro Fördermittel

Finanziert werden die Projekte mit dem gemeinsamen Förderprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ von Bund, Land und Kommune. Der Bund übernimmt den größten Anteil der Förderung: Er beteiligt sich beim Investitionspakt mit 75 Prozent an den förderfähigen Kosten, und das Land übernimmt 15 Prozent. Der Eigenanteil der Kommune beträgt zehn Prozent. Insgesamt stehen für das Projekt 495.000 Euro von 2019 bis Ende 2023 zur Verfügung.

So wurde das Wäldchen Richtung Schwabenstraße zu einem Entdeckerwald, den die Parkschule und der Kindergarten nun in Ferienprojekten und Unterrichtseinheiten naturpädagogisch erschließen. Zudem sollen Angsträume durch bessere Beleuchtung und stärkere Nutzung des Parks insgesamt aufgelöst und barrierefreie Wege geschaffen werden. Mehr Nutzer in den Park ziehen soll auch eine sogenannte Calisthenics-Anlage, die es in ähnlicher Form bereits in den Graftanlagen gibt. In der Kraftsportanlage kann an Geräten mit Eigengewicht trainiert werden. „Das ist ein Projekt, das auch gut während der Einschränkungen durch die Pandemie verwirklicht werden kann“, betont Bernau. Abzuwarten sei, wie sich die Planung eines Begegnungsplatzes am Rand des Parks entwickle, sagt Heise.

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Diese baulichen Veränderungen sollen gemeinsam mit den Menschen geplant werden, die die Orte später auch tatsächlich nutzen werden. So sollen die verschiedenen Bedürfnisse aller Delmenhorster und vor allem der Anrainer Berücksichtigung finden. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass sowohl die Großwohnanlage als auch die benachbarten Einzelhausgebiete der Nordwolle den Park nutzen können. „Und dieses Konzept kommt bei allen Akteuren bisher sehr gut an“, befinden die Quartiersmanagerinnen.

Gute Netzwerkarbeit

Zudem kümmert sich der Fachdienst Stadtplanung um die Koordinierung der Maßnahmen, die Erarbeitung konkreter Konzepte, die Vorbereitung politischer Beschlüsse und Beantragung von Fördermitteln. Insgesamt sind es rund zwei Dutzend Akteure, die bei der Gestaltung mitwirken. Damit möglichst alle im Park ein lohnendes Ziel finden, braucht es eine gute Netzwerkarbeit, um die sich Parkintegrationsmanagerin Anna Stumpe kümmert. Mehr als 20 Interviews hat sie im vergangenen Jahr geführt, um Ideen und Wünsche der Beteiligten einzuholen.

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