Friseur-Aktion „Wir machen das Licht an“ Ein helles Zeichen in dunklen Zeiten

Damit die Betriebe künftig nicht dauerhaft ihr Licht ausschalten müssen, beteiligen sich einige Innungsfriseure aus Delmenhorst an der landesweiten 24-Stunden-Aktion „Wir lassen das Licht an“.
28.01.2021, 18:19
Lesedauer: 3 Min
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Ein helles Zeichen in dunklen Zeiten
Von Desiree Bertram

Auch Friseure aus Delmenhorst leiden unter den erneuten coronabedingten Schließungen. Viele geraten dabei zunehmend in „existenzielle Nöte“. Sven Jochims, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, berichtet, dass die Mitgliedsbetriebe der Friseur-Innung jetzt auf ihre belastende Situation aufmerksam machen. Damit die geschlossenen Salons nicht dauerhaft dunkel bleiben, beteiligen sich einige an einer landesweiten 24-Stunden-Aktion in Niedersachsen: An diesem Freitag, ab 8 Uhr, will die Friseur-Branche unter dem Motto „Wir lassen das Licht an“ ein sichtbares Zeichen setzen.

„Die Innungsfriseure haben durch die Einhaltung der Hygieneauflagen und aller Beschränkungen während der bisherigen Lockdown-Phasen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung stets unterstützt“, sagt Jochims. Mittlerweile kommen viele Betriebe an ihre Grenzen, sie stehen finanziell vor kaum realisierbaren Herausforderungen. Die in Aussicht gestellten staatlichen Unterstützungen wurden noch nicht gezahlt. „Aber die Kosten laufen weiter“, betont Jochims. Selbst bei einem vollständigen Ausgleich der betrieblichen Kosten fehle den Unternehmern das Geld für ihren Lebensunterhalt.

Nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr haben die Friseure geforderte Hygieneauflagen umgesetzt und in Gesundheitsschutz investiert. Laut Jochims zeigt sich das deutlich daran, dass so gut wie keine Infektionen auf Friseurbesuche zurückzuführen seien. Als weiteres Argument für eine Salon-Wiedereröffnung führt Jochims „die Verminderung der Ausbreitung der Schwarzarbeit“ an. Bei Hausbesuchen kommt seiner Einschätzung nach auch noch der Aspekt „fehlender Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen hinzu“, die würden noch zu einer höheren Ansteckungsgefahr führen.

Im benachbarten Bremen war es dieser Tage zu Irritationen gekommen (wir berichteten). Dort hatte das Ordnungsamt Friseure so informiert, dass in der Hansestadt mobiles Arbeiten erlaubt sei. Diese Nachricht sorgte für Irritation und Empörung. Grund war offenbar eine Lücke in der Bremer Corona-Verordnung, diese soll künftig geschlossen werden, die Änderung bereits ab Montag, 1. Februar, gelten. In Delmenhorst sind solche Hausbesuche strikt untersagt.

„Man kann zu Hause die Hygienekonzepte nicht richtig umsetzen und niemand kann nachvollziehen, was genau gemacht wurde“, sagt Farina Rieck, Inhaberin von Friseur Kappers an der Annenheider Straße. Hausbesuche könnten dazu führen, dass die Infektionszahlen wieder steigen. In einem Salon hingegen würden Mitarbeiter und Kunden durch die Einhaltung der Hygieneregelungen geschützt, und die Schwarzarbeit könnte verringert werden. „Ich glaube, ich spreche für alle Salons in ganz Deutschland, wenn ich sage, dass die Situation für uns sehr schlimm ist“, betont sie. Viele Betriebe stünden vor dem Aus – gerade die, die noch nicht so lange bestehen und keine finanziellen Puffer haben. „Wir fühlen uns hängengelassen“, sagt Rieck. Gerade deshalb wollen die Salons der Friseur-Innung bei der anstehenden Aktion mitziehen: „Wir wollen zeigen, dass wir noch da sind und uns freuen, wenn wir das Licht wieder einschalten dürfen.“

Rund 25 Innungsfriseure aus der ganzen Stadt wollen ein Zeichen setzen und sich an der Aktion beteiligen, erzählt Rieck: „In erster Linie hoffen wir, dass unsere Notsituation erkannt wird – sowohl von Kunden als auch seitens der Politik.“ Sie habe den Eindruck, dass finanzielle Unterstützung bei großen Firmen ankommt, aber nicht bei den kleinen. „Wir haben momentan alle Angst“, sagt Rieck. Derzeit müsse sich jeder Inhaber die Frage stellen: „Wie hoch verschulde ich mich und behalte die Hoffnung, dass es irgendwann wieder losgeht, oder ziehe ich doch die Reißleine?“ Trotzdem seien die Betriebe der Delmenhorster Innung noch optimistisch gestimmt: „Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen und sehen uns nicht als Konkurrenz.“ Der Idealfall wäre, wenn bei den Überbrückungshilfen nachgebessert werde und die Salons wie geplant Mitte Februar wieder öffnen dürfen.

Dem stimmt auch Jacqueline Fröhlich-Lohse zu, Salonleiterin des Friseurteams Lohse an der Brauenkamper Straße: „Wir erhoffen uns, dass die Politiker uns auch sehen.“ Sie wünsche sich, dass zudem die Kunden durch die Aktion merken, dass sie noch da sind und sich die Friseure Mühe geben: „Wir wollen unsere Türen nicht für immer schließen müssen.“ Damit die Läden wieder öffnen dürfen, wäre Fröhlich-Lohse bereit, noch strengere Regeln umzusetzen. Sie schätzt die Situation als grenzwertig ein, mit einer Öffnung wäre vielen geholfen. „Ich denke, dass durch die Schließungen die Schwarzarbeit stark ansteigt“, sagt sie. Die Salonleiterin vermutet auch, dass diese Entwicklung zu weiteren Infektionen führt. „Ich glaube, die Politiker haben sich gar nicht richtig damit auseinandergesetzt.“. Das Stimmungsbild der Kunden nimmt sie zwiegespalten wahr: „Die einen sind verständnisvoll und haben Geduld, andere sind deprimiert und wollen nicht einsehen, dass wir geschlossen haben.“

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