Spanisch vom ersten bis zum letzten Ton

Orgel ertönt in gellenden Registerfarben

Die Musik, die Kantor Jörg Hitz in der Stadtkirche am Cembalo und an der Orgel spielte, war unverstellt spanisch vom ersten bis zum letzten Ton. „Das kommt mir spanisch vor“ war dann auch der Konzerttitel.
27.09.2021, 15:01
Lesedauer: 2 Min
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Von Günter Matysiak

Die Konzertüberschrift spielt mit der Redensart „Das kommt mir spanisch vor!“. Man sagt das, wenn einem eine Sache nicht ganz geheuer, fremd, unheimlich erscheint. Aber die Musik, die Kantor Jörg Hitz am Sonntag in der Stadtkirche am Cembalo und an der Orgel spielte, war unverstellt spanisch vom ersten bis zum letzten Ton. Dass sie durchaus etwas Fremdes in sich barg, mag daran liegen, dass sie auch von der spanischen Volksmusik beeinflusst war, und die wiederum ist afrikanisch beeinflusst. Zum Beispiel im höchst anspruchsvollen „Fandango“ des Antonio Soler (1729-1783), den Jörg Hitz mit leidenschaftlicher Bravour auf dem Cembalo spielte. Was er dabei seinem Cembalo an Klangfarben bis hin zum Klang der Flamenco-Gitarre entlockte, war schier unerhört. Und was sich die Musik an harmonischen Tollheiten über einer stets wiederkehrenden Bassmelodie erlaubte, war es ebenfalls. Auch seine Orgel ließ Jörg Hitz in gellenden Registerfarben tönen. Da wurde Antonio Martin y Colls (1660-1734) „Battalla famossa“ aus den „Flores de Musica“, Tomo IV, 1709 zu einem hitzig-wilden Schlachtengemälde bis in die  glühend expressive Einstimmigkeit. In „Obra de 3. Tuono sobre la Canzion“ war die hochverzierte Melodiestimme über der stützenden Unterstimme von blitzender Beweglichkeit. Pablo Brunas (1611-1679) „Tiento“, auch an der Orgel, bekam einen geschärften vokalen Ausdruck voller tänzerischer Bewegtheit aus dem Geist der Volksmusik. Domenico Scarlatti (1685-1757) war zwar Italiener, verbrachte aber viele Jahre seines Lebens als Lehrer am Spanischen Hof in Madrid. So kommen uns viele seiner fast fünfhundert für seine Zeit avantgardistischen Cembalo-Sonaten zu Recht durchaus spanisch vor. Jörg Hitz, der das geflügelte Wort in seiner informativ plaudernden Moderation ab und zu durch den Raum flattern ließ, spielte eine „Sonata Andante cantabile“und spannte ihren harmonischen Reichtum, ihre klavieristische Vielfalt unter einen weiten, dicht gewirkten Spannungsbogen. Begonnen hatte der Abend mit zwei Sätzen aus dem dritten Teil der „Flores de Musica“ von Antonio Martin y Coll. „Marizapolus“ war Cembalomusik von den Zärtlichkeiten und Leidenschaften der Liebe in durchaus schon romantischem Tonfall. Auch  „Follias“ lebte in seinen Variationen von diesen liebevoll abgetönten Stimmungen.

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