Sommerkonzert in der Stadtkirche Beliebte Kombination aus Trompete und Orgel

Im vierten Konzert der diesjährigen „Sommerkonzerte“ in der Stadtkirche begleiteten zwei Trompeten die Orgel, um die Doppelnatur dieses Instruments zu schönster Wirkung zu bringen.
13.08.2021, 13:30
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Von Günter Matysiak

Die Trompete galt in sehr alten Zeiten als heiliges Instrument. Für die Kirchenväter symbolisierte ihr Klang die Stimmen der Engel oder die Stimme Gottes. Geht man noch weiter in die Vergangenheit, begegnet uns die Trompete als ein magisches und martialisches Gerät, mit dem man „schrecken- und entsetzenerregende“ Klänge erzeugte. Noch der griechische Dichter Plutarch verglich den Klang von Trompeten mit „Eselsgeschrei“. Wie anders klingt da der Bericht über den Auftritt des Hoftrompeters Johann Heinisch (1706-1751) mit einer Sängerin: „Diese hat eine Arie adagio gesungen, wie ein Engel… Heinisch hat ein Solo zu dieser Arie geblasen, so künstlich und hoch, dass es auf menschliche Weis fast nicht möglich sein hätte können, denn es ging die Trompete wie ein Flötel.“ Andererseits sollen die Mauern von Jericho unter dem gellenden Schmettern der Trompeten geborsten sein. Und wenn wir an die Trompete als kriegerisches Signalinstrument denken, wie sie es ja auch zu Zeiten ihrer musikalisch-künstlerischen Hochblüte, also etwa bei Bach, immer auch  blieb, so steht ihr Klang nicht nur für Festlichkeit, Kraft, höfische Macht, für vokale Innigkeit und virtuose Beweglichkeit, sondern eben auch für den Blutgeruch, der nach dem martialischen Signal zum Angriff alsbald das Schlachtfeld umwehte.

Strebte man an den Fürstenhöfen Europas nach immer mehr repräsentativen Trompetern im Trompetenkorps, am Kaiserhof in Wien spielten um 1650 nicht weniger als fünfzehn Trompeter, so genügten im vierten Konzert der diesjährigen „Sommerkonzerte“ in der Stadtkirche zwei Trompeten, um die Doppelnatur dieses Instruments zu schönster Wirkung zu bringen. Dazu traf das herrschaftliche, „königliche“ Instrument Trompete auf die Orgel, auch bekannt als „Königin der Instrumente“. Susan Williams und Emilio Botto, beide ausgewiesene Kenner des Spielens auf historischen, ventillosen Trompeten mit ihrer hohen Rohrlänge, dem  engen Schallbechern, begannen ihr Programm mit einer „Sonata a due Trombe“ von Girolamo Fantini (1600-1675). Ihre Instrumente klingen weitaus zarter als moderne Trompeten, und so tönte die Signalmotivik der Sonate denn auch nicht wirklich kriegerisch, sondern mit leichter Eleganz. Und es war zu hören, wie klangfarbig reich diese Trompeten tönen, wenn sie so meisterhaft gespielt werden.

Nach seiner freudigen Begrüßung des großen Publikums setzte sich Stadtkirchenkantor Jörg Hitz an die Kleinorgel im Altarraum und spielte mit tänzerischer Lockerheit die „Aria di Fiorenza“ von Girolamo Frescobaldi  (1583-1643). Zwei orgelbegleitete „Balletto“-Sätze, wieder von Fantini, waren von verspielter Leichtheit bis in die virtuosen Verzierungen und forderten den ersten Beifall. Nachdem Susan Williams dem Publikum die barocke Trompete in ihren Eigenheiten vorgestellt hatte, spielte Jörg Hitz auf der großen Orgel eine „Passacaglia“ von Ferdinando de Medici  (1633-1713), als eine Musik, in der sich Strenge und Unterhaltsamkeit verbanden. Petronio Franceschinis (1651-1680) „Concerto per due Trombe“ wurde von Susan Williams und Emilio Botto, begleitet von Jörg Hitz an der großen Orgel, mit konzertantem Schwung gespielt, wobei die Trompete im ersten der vier Sätze ganz vokale Qualitäten hatte, wie ein „Sopran“ klang.

Mit der „Water Music II“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759)  hatte man eine populäre Musik in einer wirkungsvollen Bearbeitung für zwei Trompeten und Orgel ausgesucht. Glanzvolle Höhen und weiche Tiefen der Bläser mischten sich wunderbar mit dem Klang der Orgel zu einem Paradestück der ja so beliebten Kombination Trompete und Orgel. Für Orgel solo war vorher noch ein „Offertorium“ von Francois Couperin (1668-1733), in dem sich die Führer-Orgel im „grands jeux“ als sehr transparent und farbig zeigte in einer Musik, in der Jörg Hitz festliche Strenge und tänzerische Bewegthheit stringent verband. Die abschließende,voller Beschwingtheit gespielte  „Ciaconna à 2“ von Philipp Jakob Rittler (1637-1690) war eigentlich „á 3“, denn die kleine Orgel hatte bei den beiden Trompeten doch ordentlich „mitzureden“.

Der Beifall danach war begeistert und wollte nicht aufhören bevor es als Zugabe mit dem „Prince of Denmark‘s March“ von Jeremiah Clarke (1674-1707) einen veritablen „Schlager“ für diese Besetzung gab, der ein gut gewählter Ausklang für diese feine Sommermusik war.    

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